Sowohl Candice Gordon als auch A.S. Fanning sind von etwa vier Jahren aus verschiedenen Gründen von Dublin nach Berlin gezogen.

In den Jahren bevor sie herkamen, lief es für die beiden eigentlich ganz gut in Dublin. Die finanzielle Lage in der Stadt war recht prekär, daher haben Bars und Pubs alles versucht, um irgendwie an Gäste zu kommen – das wiederum war super für Musiker. In dieser Zeit hatten Candice und Steve ungefähr fünf Auftritte in der Woche und machten eigentlich auch ganz gut Kasse. Das Problem allerdings war, dass man ja, wenn man fünf Tage die Woche Musik spielt, eben genauso viele Tage auch viel zu tief ins Glas schaut.

Klar, wenn man jeden Abend Freigetränke bekommt, sagt man nicht nein, ganz besonders nicht in einem Land wie Irland, wo jede Letzte Runde ganze Horden von Menschen in Weltuntergangstimmung stürzt. Um 2:30 Uhr schlossen die Pubs und das Gefühl machte sich breit, dass man niemals wieder jemals etwas zu trinken bekommt. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn man auch nach Feierabend entweder in den geschlossenen Pubs oder auf irgendwelchen Hauspartys weiter feiern kann.

Jeden Tag feiern zieht natürlich einen entsprechenden Kater mit sich – so war das letzendlich auch einer der Gründe, weshalb sie nach Berlin kamen. Der Gedanke, weniger zu feiern und weniger zu trinken, was sie dann auch tatsächlich taten.

Es dauerte nicht lange, da hatten sie sich daran gewöhnt, dass es hier in Berlin praktisch keinen  Zeitpunkt gibt, an dem man keinen Drink oder keine Party findet.

Der andere Grund war die Politik in Irland. Die Regierung war damals schon sehr konservativ, dann kamen die Wahlen und es wurde wieder eine sehr konservative Partei gewählt. Laut Candice war es eine unglaublich deprimierende Zeit. Man konnte die Feindseligkeit in Irland förmlich spüren.

Steve (A.S. Fanning) war mit seiner ehemaligen Band sowieso schon bei einem Label in Deutschland, Candice war auch oft hier auf Tour und in Berlin hat es dann einfach irgendwann klick gemacht.

Nach Irland werden sie wohl nur zurückgehen, wenn sich an der politischen Situation etwas ändert.

Inzwischen fühlen sich beide wie Berliner – nicht wie Deutsche, aber wie Berliner.

Musikalische Einflüsse wollten sie so direkt nicht nennen. Wenn sie sich von anderer Musik inspirieren lassen, sei das eher indirekt. Mehr Stimmungen statt Genre.

Für uns haben beide zusammen eine Spotify Playliste zusammengestellt mit Musik, von der sie der Meinung sind, man sollte sie mal gehört haben:

 

Candice Gordon – „Smoke in the Air“

Das kommende Album von Candice Gordon heißt dann – ganz passend „Garden Of Beasts“ (Tiergarten und so … you know?!).

Viele Musiker schreiben erst Songs und geben dem ganzen dann am Ende ein Konzept als Rahmen. Candice hat das anders herum gemacht. Als nicht enden wollendes Inspirationsquell diente (was auch sonst …) Berlin. Alles was sie sich in den letzten zwei Jahren ansah oder las, jeder Museumsbesuch, eigentlich alles womit sie sich beschäftigte, floss in den Entsteheungsprozess des Albums ein.

Sie setze sich intensiv mit Deutschlands Nazi-Vergangenheit auseinander und damit, wie so etwas überhaupt passieren konnte, mit Menschlichkeit, dem Dasein allgemein, Moral , dem inneren Konflikt in uns allen und unseren tierischen Instinkten, was alles wohl sehr düster und deprimierend war.

Das ganze Album ist auf eine Weise sehr durchdacht, aber sie sind stolz auf alles, was sie geschafft haben – obwohl sie sich thematisch selbst ein wenig beschränkt haben.

 

A.S. Fanning „Carmelita“

 

A.S. Fanning verarbeitet ebenso sehr viel Persönliches in seinen Songs, aber erzählt konkretere Geschichten und geht mehr in die Tiefe. Da sein Vater vor einiger Zeit verstarb, drehen sich viele Stücke thematisch um den Tod.

Ganz frisch veröffentlicht ist die Single „Carmelita“. Der Song entstand als die Entscheidung, Dublin zu verlassen, noch ganz frisch war. Er handelt von dem großen Heroin-Problem der Stadt, welches von den meisten Bewohnern schlichtweg ignoriert wird.

Sein Sound ist leise aber satt, sanft und trotzdem kraftvoll und trägt sehr viel Spannung in sich.

Das Video wurde in den Straßen Dublins gedreht und dann in Berlin in einem Raum an die Wände projiziert, um eine Art unangenehme Stimmung, Spannung und das Gefühl der Zerstreutheit zu erzielen. Das Mädchen im Video ist komplett verloren und allein in der Welt.

 

Proper Octopus
Candice Gordon & A.S. Fanning

Mit Proper Octopus wollen die beiden Independent Musiker möglichst viel Kontrolle über ihre eigene Musik haben. Deshalb managen sie alles selbst, produzieren, booken, fahren sogar den eigenen Tourbus durch die Welt. Alles passiert sozusagen In-House.
A.S. Fanning ist für den Großteil der Bürokratie zuständig und setzt sich mit so unangenehmen Dingen, wie GEMA und Rechten auseinander.
Candice ist überwiegend für das Tour-Booking und die (Unternehmens-)Kommunikation verantwortlich; zusammen und gegenseitig produzieren sie dann Ihre Musik und Videos.
Beide sagen, dass das Leben als Musiker durch das Label sehr viel überschaubarer und organisierter geworden sei.
Als Künstler braucht man einen freien Kopf und sollte eigentlich den ganzen Tag nur kreativ sein und Musik schreiben. In den vergangen Jahren hat Candice begonnen, ihren „Creative-Process“ besser zu verstehen. Sie braucht eine gewisse Zeit, in der Sie sich mit nichts beschäftigt, was in irgendeiner Form mit Verantwortung zu tun hat. Sie gibt sich dann einen Monat frei. In der Zeit werden keine Mails gelesen, es gibt kein Facebook und sie geht noch nicht einmal einkaufen und selbst die Wäsche lässt sie liegen. Sie steht morgens auf und macht Musik – sonst nichts.

Lange rede kurzer Sinn – am Freitag den 13. kann man sich Candice Gordon zusammen mit A.S. Fanning in der Urban Spree anschauen.
Was: Proper Octopus Record Release Show
Wann: Freitag 13.11.2015 | 21:00
Wo: Urban Spree, Berlin