Als wir uns endgültig für Detroit als finales Reiseziel entschieden, war die Aufregung groß.Drei Tage wollten wir dem neuen Mini Cooper Detroit zeigen, die Geburtsstätte vieler SUV und das Urlaubsziel für jedes unternehmungslustige Auto.

Detroit hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der USA und das Zentrum ist quasi entvölkert. Diese Stadt versprach mindestens Abenteuer und amerikanisches Yehaaaw.

Eindrücke

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Als wir auf dem Flughafen ankamen, durften wir nicht direkt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten – weil der Kollege eine Banane bei sich trug. Man warf uns strenge Blicke zu. Dann wurde uns das gelbe Ärgernis entwendet. Erst, nachdem wir treudoof versicherten, dass wir kein weiteres Obst, Nacktschnecken oder diverse Erden ins Land schmuggeln wollten, durften wir gehen

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Erster Eindruck von Detroit: Wo zur Hölle sind die Menschen? Ich vermutete, dass es Menschen geben musste, denn die Parkplätze der diversen Shoppingcenter und Restaurants waren voll.

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Zweiter Eindruck von Detroit: Was zur Hölle liegt hier überall auf den Straßen? Überall lagen zerfetzte Autoreifen herum. Anscheinend verlieren die Autos stündlich ihre Reifen mitten auf den Highways. Dass hier noch kein Rechtsanwalt die große Klage erhob.

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Dritter Eindruck von Detroit: Wenn es hier so wenig Menschen gibt und sämtliche Autos keine Reifen mehr haben, warum zur Hölle fahren trotzdem gefühlte zwei Billionen Autos auf den Straßen?

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Detroit Fakten:

 

83 Prozent der Einwohner sind Afroamerikaner. Der Anteil weißhäutiger (sagt man das so?) Einwohner liegt mit 7,8 Prozent nur noch knapp vor demjenigen der hispanischen Bevölkerungsgruppe, die bei 6,8 Prozent liegt.

Durch die boomende Wirtschaft wuchs der Anteil der Schwarzen zwischen 1940 und 1960 auf ein Drittel der Einwohnerschaft. Die weißen Mittelschichten, voller Abneigung gegen die schwarzen Unterschichten, flohen aus der Stadt und siedelten sich in den Vororten an.

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Durch Outsourcing und andere BWL-Weisheiten verlagerten sich vor allem die Niedriglohn-Jobs. Nun stehen ungefähr 100.000 Häuser leer. Zu Halloween werden in Detroit jedes Jahr leere Häuser und Autos in Brand gesteckt. Das nennt sich dann die Devil’s Night Detroit und ist ein Mix aus Protest und Erlebnistourismus, vergleichbar mit dem 1. Mai in Berlin. Nur, dass sie hier etwas authentischer klagen dürfen.

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Ein paar Fakten für die Tränendrüse:

– Detroit steht mit 300 Millionen Dollar Defizit am Rand des Bankrotts.
– Ein Drittel der Gesamtfläche von Detroit liegt brach.
– Jeder dritte Einwohner hat keinen Job.
– Die Zahl der Gewaltverbrechen steigt jährlich und hat Detroit schon öfter zur gefährlichsten Stadt der USA gemacht.
– 1988 wurde der Hauptbahnhof geschlossen. Wer mit der Bahn fahren will, muss mit dem Bus zu einem Bahnhof außerhalb der Stadt.
– Das desolate Schulsystem steht unter Zwangsverwaltung des Staates Michigan.
– Staatliche Dienstleistungen wie Polizei und Müllabfuhr funktionieren nur beschränkt.

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Das Heidelberg Projekt

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Im berüchtigten Detroiter Bezirk McDougal-Hunt findet man neben Armut, Kriminalität, Drogen und Toten ein Kunstprojekt, was seinesgleichen sucht. Es zieht sich über mehrere Straßenzüge und ist einfach wunderschön und skurril und seltsam und unglaublich bunt. Ein wunderbarer wirrer Farbklecks in dieser grauen Stadt. Die Häuser sollen in dieser Gegend nicht mehr als 200 Dollar wert sein und werden durch das „Project in den Projects“ wieder neu belebt.

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Der Künstler Tyree Guyton wuchs in diesem Viertel auf und versucht auf ungewöhnlichem Weg, seiner Heimatstadt zu helfen: mit Kunst. Und das funktioniert. Das Heidelberg Projekt befindet sich in jedem Reiseführer über Detroit. 275.000 Besucher schauen sich jährlich dieses beeindruckende Freilichtmuseum an.

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Es gibt Häuser mit einer Fassade aus Kuscheltieren, riesige Uhren an Bäumen, bunte Kreise auf den Straßen, vergrabene Surfbretter, gigantische Schuhhaufen in Vorgärten, Küchengeräte mit Armen auf den Gehwegen.

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Die Auswirkungen der künstlerischen Anarchie sorgten in diesen Straßen dafür, dass sich die Drogendealer zurückzogen und die Anwohner wenigstens teilweise wieder sicherer leben.

www.heidelberg.org

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Architektur und Abenteuer

Aufmerksame SLEAZE-Leser werden schon bemerkt haben, dass wir große Riesenfans von alten Gebäuden sind. Und Detroit hat in dieser Hinsicht mehr als genug zu bieten.

 

Hier steht einfach alles leer. Riesige Fabriken, kleine Wohnhäuser, Krankenhäuser, Büros und Restaurants. Und das größte Riesenschmuckstück ist der Michigan Central Station Bahnhof. Ein riesiges Bahnhofsgebäude, welches Ende der 80er Jahre nicht mehr gebraucht wurde. Jetzt wohnen dort Junkies und Obdachlose. Was genau mit dem Bahnhof passieren soll, weiß keiner. Er steht unter Denkmalschutz, soll aber angeblich doch abgerissen werden. In dieser Stadt weiß keiner, was der andere tut, woher soll es also SLEAZE wissen?

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Wenn man ordentlich sucht, findet man auch immer wieder kleine und große Graffitis, die u.a. die aktuelle Situation in Detroit ansprechen.

Unserer Meinung nach ist es noch nicht bunt genug, aber vielleicht ist das ja die Zukunft dieser Stadt? Künstler machen aus Detroit ein großes, urbanes Kunstprojekt. Vielleicht…

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Detroit Fazit: Ihr sucht eine Stadt zum Shoppen und Ausgehen? Dann ist Detroit nichts für euch. Falls ihr aber eine Stadt mit Charakter und einer postatomaren Ausstrahlung erleben wollt, dann ist Detroit perfekt. Diese Stadt verdient auch in ihrem jetzigen Zustand viel mehr Aufmerksamkeit und gehört für uns ganz eindeutig zu unseren Lieblingsreisezielen in den USA. Übrigens, nicht jeder Schwarze in abgewetzter Kleidung will euch töten, vielleicht will er nur kurz zum Supermarkt und Klopapier kaufen.

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Fotografin: Yanah Hölig

Auto: Mini Coupé

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Originally posted 2011-11-25 18:46:12.