Zugegeben, Joe Cocker ist für die hippe 2.0 Generation vielleicht nicht der Nr.1. Live-Act, den man unbedingt gesehen haben muss. Aber hey, ein Grund mehr für uns SLEAZELs dort aufzukreuzen und mit den Oldies, Nostalgikern und Woodstock-Überresten Party zu machen. Und feiern kann er, der alte Joe. Das macht er in den zwei Stunden, die er da am 25.April auf der Bühne stand, mehr als deutlich. Ein kleiner Nachbericht aus der O2 Halle.

Joe Cocker, Los Angeles, 18.04.2010-008452_0normal

Ich hätte ja echt alles erwartet, aber nicht, dass zu einem Joe Cocker Konzert wirklich nur „alte“ Leute kommen. Zwischen all den Halbglatzen und graumelierten hübsch gekleideten Damen drängte sich mir wieder einmal die Frage auf, was eigentlich mit den Leuten meiner Generation los ist? Immerhin war das die Gelegenheit, um einen Typen live zu erleben, der seinerzeit – und damals noch mit wallendem Haupthaar – Teil des legendären Woodstock Festival war. Naja, schieben wir das mal auf die nicht gerade kundenfreundlichen Ticketpreise und auf meinen seltsamen Musikgeschmack – ja, ich gebe es zu: ich MAG Joe Cocker! Wie auch immer, wahrscheinlich war es ohne die ganzen Hipster-Kinder sowieso viel authentischer und Mr. Cocker kann es ja eigentlich auch egal sein vor wem er da spielt – hauptsache die Bude ist voll und das war sie in jedem Fall.

Zum Support-Act Johannes Oerding möchte ich hier gar nicht zu viel sagen. Nicht meine Musik; deutscher Herzschmerz-Schlagerpop-Scheiß passt meiner Meinung nach nicht zu Joe Cocker; den meisten hat’s gefallen, alles jut und yey! (Memo an mich: sei nicht immer so pünktlich und verpass‘ beim nächsten Mal BITTE den Support! Memo an Johannes Oerding: du hast Talent, willst du nicht das Musikgenre wechseln?!). Nach dreißig (für mich) qualvollen Minuten der „Anna und die Liebe“-Mukke machte der deutsche Jamie Cullum-Verschnitt endlich einen Abgang und die Bühne war frei für die mittlerweile 69-jährige Rockröhre! Etwas mühselig sieht es aus, als er sich da auf die Bühne schleppt. Doch sobald die Band zu spielen beginnt und er seine rotzige Stimme erhebt, ist das alles vergessen.

Er zuckt wie ein Zitteraal, er krächzt und springt  – alles dabei, so wie man den Altmeister eben kennt.

Er zuckt wie ein Zitteraal, er krächzt und springt  – alles dabei, so wie man den Altmeister eben kennt. Auch die betagte Zuhörermeute scheint plötzlich wie ausgewechselt. Unerwartet erhebt sich schon beim ersten Song alles von den Stühlen. Es wird getanzt, gekichert und gesungen – die Rückenschmerzen sind vergessen! Unfassbar, was da abging. Joe Cocker hat an Stimmkraft, Coolness und Sexappeal nichts eingebüßt, das merkt man vor allem an den Klassikern „Unchain My Heart“, „You Can Leave Your Hat On“ oder „Summer In The City“. In Kombination mit seinen stimmgewaltigen Backgroundsängerinnen und der geilen Band war das ein wahres musikalisches Erlebnis. Und das dankten ihm die 11.000 Fans – zu Recht – mit Standing Ovations.

Ich kann nur sagen: Danke Mr. Joe Cocker! You (still) rock!

Mariella