Wie ihr süßen Pommesnudelkühe bereits wisst (ja, das ist ab jetzt unser neues Lieblingswort), sind wir die krasseste und schönste Hausfrauenblog-Redaktion, die es auf dieser glitzrigen, weiten Welt gibt. Nicht nur, dass wir für euch immer den heißesten Scheiß wie eine Herde ausgehungerter Trüffelschweine aufspüren, wir sind für euch auch immer dort, wo ihr gerade nicht sein könnt, um euch davon zu berichten.

Diesen Sommer sind das ein, zwei, achtzig, tausend Festivals. Und weil wir krass sind und sich krass und krass gerne gesellen, haben wir für diesen Festivalsommer eine exklusive Kooperationspartnerette an Bord geholt. Eventuell habt ihr es schon an der Überschrift erraten. Es ist … LOMOGRAPHY.

Der SLEAZE Festivalsommer by Lomography Teil 4 – das MS Dockville in Hamburg

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Für Hamburg keine Selbstverständlichkeit, doch allen Wettervorhersagen zum Trotz startete die Jubiläumsausgabe des MS DOCKVILLE mit Sonnenschein. Wo die meisten Festivals 2016 sprichwörtlich ins Wasser fielen, sorgte neben guter Musik vor allem das gute Wetter für jede Menge gute Laune bei den Besuchern.
Ein ausgelassenes Publikum, Blumenkränze, Glitzerschminke, Konfetti und Luftballons so weit das Auge reicht – eben alles, was eine gute Geburtstagsfeier ausmacht. Auf dem ausverkauften DOCKVILLE feierten täglich 20.000 Besucher und genossen die Musik der Bands und DJs.

Wir haben uns trotz allem Trouble die Zeit genommen, eine der angesagtesten Newcomer Bands zu interviewen: KYTES.

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Die Musiker aus München haben diesen Festivalsommer mit über 30 gespielten Shows so richtig Gas gegeben.  KYTES, das sind Schlagzeuger Timothy Lush, Sänger und Gitarrist Michael Spieler, Gitarrist Kerim Öke und Bassist Thomas Sedlacek. Sie alle kennen sich schon eine Ewigkeit, doch die Band gibt es in der jetzigen Konstellation erst seit etwas über einem Jahr. Trotz der jungen Bandgeschichte steht bereits der Release ihres Debütalbums vor der Tür. Pünktlich zum Vorverkaufsstart am 16. September wollten wir von den Jungs erfahren, wie sich das Leben ändert, wenn man plötzlich zum Popstar wird und wie es ist, nun mit großen Bands verglichen zu werden.

SLEAZE: Kytes sind die erwachsenen Ausgabe eurer Teenanger-Band ‚Blind Freddy‘. Kann man das so sagen?

Timothy: „Das hast du aber sehr gut recherchiert. Das trifft es ziemlich genau auf den Punkt, ja.“

Wo genau ist denn der Unterschied zwischen ‚Blind Freddy‘ und ‚KYTES‘?

Michi: „Na, wie du eben schon selbst gesagt hast. Alles ist jetzt erwachsener. Professioneller. Wir sind eben keine Schülerband mehr und mit KYTES lassen wir diesen Abschnitt des Ausprobierens auch hinter uns.“

Timothy: „Mit ‚Blind Freddy‘ haben wir auch soundtechnisch viel ausprobiert. Im Prinzip war das eine Reise durch jedes Genre – sogar Balkan Sound haben wir gemacht. Mit KYTES haben wir unseren Stil gefunden. Die Zeit des Suchens ist damit auch vorbei.“

Euren Sound vergleicht man jetzt mit großen Namen wie ‚The Strokes‘, ‚Mando Diao‘ oder ‚Two Door Cinema Club‘. Nervt es, verglichen zu werden?

Michi: „Nee, das sind ja alles geile Bands! Hättest du uns mit einer anderen Band verglichen, dann hätte ich widersprochen. Aber die sind alle geil! Das ist ja ein Kompliment!“

Mit welcher Band willst du denn nicht verglichen werden? Welcher Vergleich wäre denn jetzt kein Kompliment gewesen?

Michi: „Soundgarden. Soundgarden finde ich einfach scheiße. Aber trotzdem kam der Vergleich schon. Aber ich finde, wir haben nichts von Soundgarden … ich mag die einfach nicht.“

Timothy: „Ja, am Ende muss man sich Vergleiche halt gefallen lassen. Ich denke das ist auch ganz normal. Jeder vergleicht oder sucht Vergleiche um etwas zu erklären. Wir haben jetzt ja nun auch nicht unseren ganz eigenen Sound geschaffen. Ich wünschte es wäre so, doch am Ende haben wir nichts erfunden, dass es nicht schon vorher gab. Vergleiche sind also okay.“

Euren Bandnamen sollt ihr angeblich so gewählt haben, weil er geil auf der Bühne aussieht. Das ist doch jetzt ein Scherz oder?

Timothy: „Nein, eigentlich nicht. Er ist kurz und catchy. Man kann ihn sich gut merken und er sieht wirklich ganz geil auf der Bühne aus. Wir haben jetzt nichts mit Drachen zu tun. Also dahinter steht jetzt keine tiefsinnige Bedeutung oder so… wir wollten einfach einen kurzen Namen, der geil klingt und gut aussieht und der auch irgendwie positiv ist. Und so sind wir am Ende auf Kytes gekommen.“

Grade seid ihr hart am Touren. Dreißig Gigs im deutschsprachigen Raum. Geht man sich da langsam aufn Sack?

Timothy: „Tommy, jetzt sag’du doch auch mal was. Ich kann doch hier nicht jede Frage beantworten.“

Thomas: „Also mir geht das nicht auf den Sack. Und mir gehen auch die Jungs nicht auf den Sack. Ist ja geil, dass wir das machen können!“

Michi: „Als Musiker will man das ja auch. Ich meine, darum geht es doch!“

Welches war euer bisher bester Gig der jetzigen Tour?

Thomas: „Das ist echt schwer zu sagen. Die waren irgendwie alle gut!“

Michi: „Ja, aber so Melt! oder hier auf dem Dockville … das ist schon was Besonderes!“

Kerim: „Ja, definitiv Melt! oder Dockville… wobei ich Melt! glaube doch noch mal irgendwie krasser fand. Die Masse an Leuten ist halt beeindruckend.“

Bisher habt ihr alle noch konservative Jobs. Fahrt ihr die jetzt langsam zugunsten der Band zurück?

Timothy: „Ja, das stimmt. Thomas zum Beispiel, der arbeitet jetzt nur noch drei Tage in einer Werbeagentur. Vorher waren es fünf Tage. Kerim hat jetzt seinen Bachelor fertig und kann deshalb seine Uni zurückfahren. Michi und ich wollen zwar nicht verraten, was wir machen, weil es uns unangenehm ist, dass wir in der Erotikbranche arbeiten, nehmen uns aber auch die Zeit, uns mehr auf die Musik zu konzentrieren. Das kommt der Band natürlich zugute.“

Was sagt denn eure Familie dazu, dass ihr eure konservativen Jobs für die Musik an den Nagel hängt?

Michi: „So richtig im konservativen Berufsleben standen wir alle noch nicht. Wir haben jetzt keine Karrieren aufgegeben. Trotzdem war es gar nicht so easy es in die Köpfe unserer Eltern reinzubringen. Ich habe zum Beispiel keine Ausbildung und auch nicht studiert, sondern mache seit dem Abi hauptsächlich Musik. Es hat eine Weile gedauert, bis meine Eltern gecheckt haben, dass ich statt ‚etwas Solidem‘ lieber hauptberuflich Musik machen möchte.

Timothy: „Ich kann mich an den Punkt erinnern, an dem es für Michis Eltern okay war. Wir liefen im Bayrischen Fernsehen und haben Promo für unser Album gemacht. Sein Vater war ganz aufgeregt, ihn im Fernsehen zu sehen und das hat es, glaube ich, einfacher gemacht, dass mit der Musik zu checken, oder?“

Michi: „Meine Eltern sind echt konservativ. Sie haben das mit der Musik lange nicht ernst genommen. Aber wenn du dann mal im Radio zu hören bist und am Wochenende oft unterwegs bist… und vor allem als ich angefangen habe, Geld mit der Musik zu verdienen, da haben sie doch langsam angefangen zu begreifen: Okay, das mit der Musik wird vielleicht wirklich was.“

Apropos Fernsehen: Euer Song ‚On The Run‘ war ja im Vodafon-Werbespot zu sehen. Ihr gebt Interviews für die Süddeutsche und seid PULS-Musiktipp gewesen. Läuft also bei euch. Steht ihr grade unter Karrieredruck?

Timothy: „Das hängt natürlich mit unserem Team zusammen. Unser Label und unsere Promoter und eben allen Menschen, die uns dabei helfen, noch größer zu werden. Wir wollen ja gerne von der Musik leben. Das muss schon professionell laufen. Wir wollen ja eben nicht sagen: ‚Ja wir machen Musik, aber unter der Woche sind wir dasunddas.‘ Wir wollen Musiker sein, auch wenn keiner von uns jetzt unbedingt nach Berühmtheit strebt.“

Thomas: „Also Druck dahinter ist nicht, denn wir machen ja das, was uns gefällt. Also das, was uns auch Spaß macht. Wir machen es in erster Linie für uns und nicht mit dem Ziel groß Karriere zu machen. Aber wenn es Leuten gefällt was wir machen und sie gerne mehr über uns und unsere Musik wissen will, dann erzählen wir natürlich gerne. Natürlich freut es uns, wenn sich jemand für uns interessiert.“

Ihr habt also nicht bewusst beschlossen euch umzubenennen um dann zu testen, ob ihr als ‚Produkt‘ auf dem Musikmarkt funktioniert?

Alle drei: „Nein!“

Timothy: „Nein, so einen Entschluss gab es nicht. Ich glaube auch, dass es schwierig ist zu beschließen, jetzt um jeden Preis ein erfolgreicher Musiker zu werden.“

Kerim: „Wir machen das wirklich, weil für uns der Spaß dabei an erster Stelle steht. Wenn es dann noch Leuten gefällt, was wir tun – umso besser. Und wenn wir irgendwann davon Leben können, dann haben wir sicher nichts dagegen einzuwenden.“

Okay. Am 16. September kommt euer Album. Was ist für 2016 sonst noch geplant?

Michi: „Es wird eine Tour zum Album geben. Die solltet ihr euch alle angucken!“

Danke für das Interview.

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Fotos und Text: Jessica Schmidt