Ich habe tatsächlich meinen ersten Tag Republica erfolgreich hinter mich gebracht – und das als 08/15-Internetnutzer. Ich habe gelernt, wie twittern geht und dass ich damit eigentlich schon wieder out bin. Ich habe festgestellt, dass die Netzgemeinde doch gar nicht so ein bunter Zirkus ist, wie ich immer gedacht habe. Was trotzdem noch immer mehr als bunt genug ist. Aber vor allem bin ich sofort und direkt in die erste große Falle getappt, vor der ich euch bewahren möchte.

Nun sitze ich hier also auf dem, wie ich gelernt habe, „Affenfelsen“. Einem mit grauem Filz beklebten treppenartigen Gebilde aus Spanplatten mitten in der STATION Berlin, auf dem sich unsere Netzelite von Modeblogger bis arabische Facebookaktivistin, tummelt und um die Plätze an den Steckdosen blicktötet (Internetmenschen hauen nicht. Hoffe ich. Ich nehme Platz für drei ein.).  Ich verdaue den gestrigen Tag und muss in einem fixen Resümee doch leider feststellen, dass das große Mysterium um die Welt der nerdigen und ideologischen auf sehr spektakuläre Weise in Unspektakularität verpufft ist.

Aber mal im Ernst: Was machen wir hier eigentlich?

Zugegeben, Tag eins auf der Konferenz für Netzkultur, -politik, -trends und sonstige Errungenschaften war für uns geprägt von Einem. The one and only. The Hoff. Im Vorfeld hatten wir festgestellt, dass der rotbebadehoste Held unserer Kindheit mit dem sprechenden Auto als Sprecher über – dreimal dürft ihr raten – Freiheit und Sicherheit im Internet auf der re:publica anzutreffen sein wird. Ein Interview, das wir uns als reine Frauenredaktion so sehr gewünscht haben, gab es leider nicht, aber zur Pressekonferenz waren wir eingeladen und haben uns eigens dafür ein paar Extrahöschen eingepackt.

Wie das aber leider so ist, mussten wir direkt und ganz hart lernen, dass Altstars nur einen Grund haben an so etwas teilzunehmen, der Gleiche, aus dem auch wir es tun würden: Das liebe Geld. Warum sonst sollte der Hoff sich für eine Late Night Show im schwedischen Fernsehen hergeben?!

Wir gerieten also in eine wundervolle PR-Veranstaltung der Firma f-secure, mit dessen Chef Mikko Hypponen und zwei weiteren finnischen Herren, die ihre Internet-Sicherheits-App Freedome an die Frau bringen wollen. Wir und auch die Jungs von „Promiflash“ können nicht richtig zuhören, denn in unseren Köpfen rauscht ein leises „David!“ Als es dann endlich soweit ist, ist es auch sehr schnell wieder vorbei.

Das beste Beispiel sei David Hasselhoff für Sicherheit im Internet, sagt Hypponen. Denn wo er sich bewegt, real oder digital wird er erkannt. Natürlich fällt die Frage nach dem Burgervideo und sowohl der f-secure-Chef als auch Hasselhoff (denn das ist wohl sein vorher festgelegtes Stichwort) haben nur darauf gewartet, denn sofort schwallt der Knight Rider los: „Mich hat das Video gar nicht so sehr gestört, wie meine Tochter. Es hieß, sie habe das Video veröffentlicht. Tatsächlich aber wurde ihr Computer gehackt und das Video gestohlen. Als es online war habe ich natürlich alles versucht es dort wieder wegzubekommen. Aber was einmal im Netz ist, bekommst du dort nicht wieder weg.“ Arme Maus! Ein Glück kann er jetzt als Botschafter für f-secure andere vor seinen Fehlern bewahren – also im Internet, denn Zitat: „Jeder ist mal betrunken!“. Immer noch ein wahrer Held. Ansonsten geschah wenig berichtenswertes. Sasha Lobo meckerte mal wieder latent angesäuert mit allen, weil das Internet noch immer kaputt ist und wir alle schuld dran seien. Er hat ja Recht, aber mögen muss man ihn trotzdem nicht. Jede Wahrheit braucht halt nur einen Mutigen, der sie ausspricht. Nicht, Sasha?

Tag zwei läuft bereits und ich glaube mittlerweile sind wir gut integriert, auch ohne Antennen (Erklärung folgt morgen) und Twittererfahrung.

Cheers!

 

Foto: Jakob Kienzerle