Ein neues Jahr, eine neue Location. Das größte innerstädtische Festival in Deutschland lud diesen September die Musikfans auf die Rennbahn Hoppegarten in Berlin.

Die Foo Fighters am Sonntagabend. Bild: © Hedel

Die Rennbahn liegt etwas außerhalb der Stadt, was vor allem die Besucher merkten, die am Ende des Tages wieder zurück Richtung Innenstadt wollten … was die absolute Mehrheit war.
Wir ersparen uns an dieser Stelle eine Analyse der Schuldfrage, jedenfalls gab es bereits ein heilloses Chaos, während einer der großen Headliner – Mumford and Sons – noch spielten. Ausgänge wurden dicht gemacht, später sogar der S-Bahnhof gesperrt. Bei den Shuttlebussen, die die Besucher zur nächstgelegenen U-Bahnstation bringen sollten, musste mit einigen Stunden Wartezeit gerechnet werden.
Insgesamt war das für eine Großveranstaltung nicht nur eine sehr schlecht organisierte Abreise, sondern auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Das muss nächstes Jahr besser laufen!
Doch bereits am zweiten Abend griffen wohl die spontan ergriffenen Maßnahmen, was die Lage bei der Abreise merklich entspannte.

Musik, Kirmes und Essen en masse

Wenn man von diesen Schwierigkeiten absieht, findet man darüber hinaus jedoch recht wenig zu Meckern. Das diesjährige Lollapalooza war nämlich gut organisiert und das Gelände groß genug für die 85.000 Besucher, die Täglich über die Galopprennbahn strömten.

Bild: © Borkeberlin Photography

Weitläufig verteilten sich die vier Bühnen und zusätzliche Attraktion, standen aber gleichzeitg so kompakt beeinander, dass man schnell von einem Programmpunkt zum Nächsten wechseln konnte.
Denn der Zeitplan war straff. Da sie Aufgrund der Nähe zu Wohngebieten bei einer Open-Air Veranstaltung nicht bis in die Puppen Krachen machen durften, musste pünktlich schluss sein. Daher fing mit dem letzten Ton eines Künstlers unmittelbar die nachfolgende Band an.

Wollte man alles mitnehmen galt es sich also zu sputen. Doch die ein oder andere Pause musste auch sein. Nicht nur zum Verschnaufen, sondern um auf Entdeckungsreise zu gehen. Ob bei einem Spaziergang durch den Grünen Kiez, auf dem Jahrmarktartigen Lolla Fun Fair oder beim Austoben mit den Kids, konnte man auch ohne Musik viel Spaß haben.

Foto: © Lolla Klemm

Am Essensangebot wurde auch nicht gespart und da sich trotz riesigem Angebot an jedem Stand Schlangen bildeten, zeigte, dass kein Essensstand umsonst dort stand. Die Auswahl war sehr vielseitig und man hatte die Wahl zwischen klassischem Festivalessen, wie Pommes und Burger, über Handbrot, oder Raclette bis hin zu indischen Pakora und anderen veganen Kreationen.

Doch das ganze Rahmenprogramm hätte nur halb so viel Spaß gemacht, ohne die Hauptattraktionen des Lollapalooza: Die Bands! Dieses Jahr war das Line-Up wieder mit einigen Hochkarätern und so manchem Geheimtipp gespickt.

Mit dabei waren unter anderem:
Foo Fighters | Mumford & Sons | The XX | Beatsteaks | Two Door Cinema Club | George Ezra | Annenmaykantereit | London Grammar | Rudimental | Michael Kiwanuka | Wanda | Django Django | Roosevelt | Bear`s Den | The Vaccines | Bomba Estéreo | Bonaparte  u.v.m.

Marteria wurde erhört, Scotty beamt ihn hoch. Bild: © Matias Altbach

Samstag

Anreisebedingt haben wir Wanda leider verpasst, beziehungsweise nur von weitem hören können. War aber auch auf Distanz gut.

Dafür konnten wir uns aber gemächlich zur Bühne begeben, auf der George Ezra spielen sollte und hatten noch Zeit ein bisschen das tropische Bühnenbild zu bewundern. Der charmante Ezra überzeugte uns auch live mit seiner Stimme, die technischen Probleme überbrückte er gekonnt mit Geschichten aus seinem Reisetagebuch.
Die technischen Probleme traten leider ebenso bei den Beatsteaks auf, die gleich im Anschluss spielten. Die sind bekanntermaßen eine formidable Liveband wie immer das beste aus ihrer Show heraus. Wenn auch etwas zu lang, war „I Want To Break Free“ zu Ehren Freddie Mercurs das absolute Highlight ihrer Show.

Foto: © Johannes Riggelsen

Nahtlos spielte anschließend Marteria, der direkt Besuch von dem bereits warm gespielten Teutilla bekam. Marteria leistete eine krasse Bühnenshow mit ordentlich Bass und flackernder Lightshow. Wir waren allesamt so begeistert, dass wir die Toilettenpause nach hinten verschoben haben. Und das will was heißen!
Wie wir alle wissen, sind wir nicht mehr die Jüngsten und so beschlossen wir, uns Mumford and Sons von weitem und sitzend anzuhören. Die Entspannung wurde allerdings durch gruselig anmutende Durchsagen der Veranstalter unterbrochen, bei denen unverständliche Laute über das Gelände schallten. Es sollte auf die bereits zu diesem Zeitpunkt aussichtslose Situation beim Auslass hingewiesen werden. Man verstand nur wenig davon.
Als letzte Band haben wir uns auf dem Weg zur S-Bahn noch Two Door Cinema Club angehört, welche die lange Wartezeit ein wenig erträglicher machten.

Sonntag

Nach einer etwas entspannteren Anreise am Sonntag pilgerten wir direkt zu Metronomy, bei denen wir uns auf ein kleines Nachmittagstänzchen einließen. So schnell das Konzert angefangen hat, war es leider auch schon wieder vorbei und wir begaben uns schnellen Schrittes zu Annenmaykantereit. Wir wollten ja nicht verpassen, wie sich Henning May von seinem Publikum anhimmeln lässt. (Wir himmelten auch ein bisschen).

Bild: © Steve Klemm

Und wenn wir einmal bei einzigartigen Stimmen sind, es folgte: London Grammar. Auch wenn die Beats von Cro im Hintergrund ein wenig störten, war der Auftritt ganz wundervoll.
Abschluss und weiteres Highlight unseres Festivalbesuches waren definitiv die Foo Fighters; unterhaltsam und großartig wie immer!

Alles in allem war das Lollapalooza 2017 eine entspannte Angelegenheit mit sehr gemischtem Publikum und einem Programm, dass für jeden Geschmack etwas bereithielt. Wir finden es ein bisschen schade, dass die nächste Ausgabe nicht mehr auf der Rennbahn Hoppegarten stattfinden wird. Wir freuen uns aber schon auf nächstes Jahr und sind gespannt, wie sich der Olympiapark als Austragungsort so macht.
In Anbetracht der sonstigen Nutzung ist jedenfalls auf eine bessere Infrastruktur rundherum zu hoffen, wodurch das An- und Abreisechaos hoffentlich ausbleibt. Das Line-Up wird sowieso wieder großartig.