Betreff: Ak(kreditier)tennotiz zum Berlin Festival 2015

Mit der Bitte um Kenntnisnahme

Anlage: Fotos (diverse)

Text

Zwischen SLEAZEL Fannys (die dunkle) Geburtstag, The Rawking Dead – Auftaktflitze (die wahre) und Montag (die Sau) wurde das restliche Wochenende auf dem Berlin Festival 2015 verbracht. Im Arena Park Treptow also. Mit irgendwas über 15.000 anderen Berufsjugendlichen wie uns und wirklich jungem Elektro-Volk.

Elektro-Volk macht insofern Sinn, als dass das Berlin Festival im zehnten Jahr seines Bestehens als dreitägiges Club-Hopp(d)ing mit Elektro-Fokus neu konzipiert wurde. Entsprechend auch das Line-Up. Dabei bespielten neben altbekannten auch vergleichsweise junge Acts die Mainstage. So wie Sylvan Esso und Panama, die viel zu schade für die noch helle Uhrzeit und die infolgedessen nur mäßig gefüllte Halle waren.

Bis unters Dach voll war sie (die Halle) dann bei James Blake. Optisch wirkt der bezaubernde Schmalgesichtler und Sitztänzer auf großen Bühnen zwar stets etwas verloren, musikalisch aber gehört er zweifelsohne genau dort hin.

War der Sound vorher noch erträglich und die Anlage nicht komplett übersteuert, hatte sich das spätestens am Sonntag zu Atari Teenage Riot erledigt – oder wegen Atari Teenage Riot. Unklar nämlich, ob sie den Klang kaputtgespielt haben, das vorher schon so war oder ob das menschliche Ohr ab gefühlt 200 Dezibel nicht ohnehin etwas breiig hört.

Später, so jedenfalls schien es, hatten sich sowohl der Sound als auch das infolge krasser Dauerwachness  etwas derangiert wirkende Publikum wieder erholt. Mitverantwortlich dafür waren unter anderem Rudimental. Mit gutlaunigem Dubstep und Trommelbass demmelten sie dem mieslaunigen Sound ordentlich vors Knie. Den verbliebenen Scheißklang vergoldete dann schließlich Roísín Murphy, die alles wieder dahin sang, wo es hingehört. Plus Pelle auf die Haut. Plus Elektroschmetterlinge in die Eingeweide.

Krönenden Berlin Festival 2015-Abschluss gab es dann dank Underworld. Allerdings waren wir da noch ganz und gar von Roísín Murphy benommen. Können wir also nicht soviel zu sagen. Außer: war vermutlich überirdisch.

Ein Festival-Rundherum gab es selbstverständlich auch. Berliner Kunst im Art Village, Retro-Zirkuszelt, Lesungen (unter anderem mit wohlfeiler Literatur des Biografen Westbam), Filmvorführungen, Schwarzlichtschminken und Gratis-Blumenkränze – auch die ganz sicher ein Elektro-Insigne.

Elektro-Fokus auch beim bargeldlosen Bezahlsystem mittels Armbandchip. Drei Fakten hierzu:

1.) Dreck! (Genauso teuer, da Armbandchip nur so viel Wert ist, wie vorher drauf geladen wird.)

2.) Dreck! (Dauert länger, da sich erst in die Thekenschlange einreihen darf, wer vorab an der Armbandchipladestationsschlange angestanden und sein bargeldloses Bezahlsystem aufgeladen hat.)

3.) Dreck! (Da es bei der Rückabwicklung, die ausschließlich über das Netz möglich ist, aus bechernden BürgerInnen gläserne macht.)

Weil wir klüger als Dreck sind, haben wir uns entsprechend gewappnet und unsere Bändchen schön leergegessen und -getrunken. War bei den Preisen problemlos zu schaffen. Auch ohne satt zu werden oder sich anzumalen.

Berlin Festival 2015 – Fazit: Mehrmals hin, mehrmals weg – ab und zu hin und weg zur selben Zeit.

Fotos: Lana Petersen, deren Kamera weit weniger Elektro war als das Berlin Festival 2015 oder Stefans Kamera im Vorjahr. Aber bei Bedarf könnten wir diverse Auftritte aus dem Gedächtnis nachzeichnen.