Gesichtsgroße Kekse und buslenkergroße Pizzen, Burger im Umfang eines Trampolins und der Höhe einer (aufgeblasenen) Hüpfburg, schmiercremige Macarons, sahnetriefende Eiscreme und anderes, sich in Zuckerglasur wälzendes, im Streuselbad suhlendes, an Doppelkaramellkruste schmiegendes Naschwerk – alle Achtung, was manch Modeblogger und Models da so in ihre XS-Körper reinschaufeln. Oder zumindest den Anschein erwecken wollen, als würden sie.

Blick in Richtung des hochkalorischen Equipments, Pose einnehmen, die als dem Verzehr dienlich vermutet wird – also irgendwie in Mundnähe – und sich dann fotografieren (/lassen). Die Aufnahme noch mit #omgyummytastyluvitcannottstanditanylonger# oder ähnlichem verschlagworten – fertig ist der supersympathische Modelpost, der zeigt, dass Models auch bloß krasse Fressmaschinen Menschen sind und vor Genuss nicht gefeit.

 

Das bestreitet auch die Inhaberin des Instagram-Accounts You Did Not Eat That nicht. Auch Size-Zero-Körperinhaber essen mal was mit richtigem Zucker, beißen mal skrupellos in irgendwas (nicht irgendwen) mit Fettgehalt jenseits der 0,1 Prozent. Was die anonyme, selbst seit Jahren in der Medien- und Modebranche arbeitende Projektleiterin allerdings bestreitet (wie wohl die meisten Nahrungsaufnehmenden), ist, dass Modelmaße einzig durch den Verzehr von frittiertem und gezuckertem passieren. Und dauerhaft bleiben.   Genau diesen Anschein jedoch erwecken die Posts der Astralbekörperten. Denn darüber, wie sie sich quälen und auf was sie alles verzichten müssen, um ihre Figur zu halten, wird kein Wort verloren. Als mampften sie sich von Metropole zu Metropole, als sei der Catwalk mit Doppelwhoppern gepflastert und als seien sie lediglich von der Natur begünstigte Stoffwechselwunder. Sehen dann auf ihren Fast-Foodos so aus, als gruselte sie der kleinste Biss, als wüssten sie gar nicht, wie die nichtdiätetische Kost aufzunehmen (abzubauen) wäre.   Und genau das macht es so unglaubwürdig – und für den etwas anderen Fashion-Channel so attraktiv. Genau solche von Panik und Ahnungslosigkeit geprägten Modelaufnahmen sind es, die sich bei Machern und Followern von You Did Not Eat That wachsender Beliebtheit erfreuen. Unterfüttert werden die Reposts mit deftigen Kommentaren.  

Our friend @haileebobailee sent us this gem. The one with the eclair looks like she’s going to implode. Ein von @youdidnoteatthat gepostetes Foto am

Was für die einen voll lustig ist, ist es für andere ( beispielweise SincerelyJules und Emily Schuman) voll nicht und wird mit Blockieren bestraft. Krass! Ein gesellschaftliches Statement will die Projektleiterin nicht abgeben. Soll jeder Mensch essen, was er will oder eben nicht essen, was er nicht will. Aber zugeben – und ruhig auch stolz darauf sein – dass die zur Schau gestellten Körper sicher nicht aus 30.0000 Kalorien pro Häppchen resultieren, sollen sie schon.

Vielleicht wäre ein Videotagebuch glaubhafter. Einfach mal nicht vor dem Essen fotografieren sondern beim Essen filmen. Über ein paar Wochen. Ohne Sport. Ohne Rizinusöl. Jede Wette, dass Breitbildformat dann eher wahrscheinlich ist als Bikiniformat.

Ein von @youdidnoteatthat gepostetes Foto am

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Originally posted 2014-07-14 11:22:12.