Heute mit: Akif Pirinçci

Er hat es mit Kriminalromanen in der Vergangenheit bereits auf die ein oder andere Bestsellerliste geschafft und die Tatsache, dass es sich bei den Protagonisten um Katzen handelt, schmälert die Anerkennung für das Geleistete nicht. Eher im Gegenteil, denn ich schätze die wenigsten von uns haben bislang erfolgreich ein oder mehrere Bücher vollendet, geschweige denn solche, in denen Tiere Kriminalfälle lösen. Doch darum soll es hier nicht gehen.
Beleuchtet wird in diesem kurzen Kommentar vielmehr das Auftreten des werten Herren in den Weiten des Internets und nicht zwangsläufig seine Wandlung vom Katzenkrimi-Autor zum gesellschaftkritischen (Pseudo-)Intellektuellen, der politische Abhandlungen und Kommentare ablässt.
Auf Facebook hat er eine Spielwiese gefunden, da sich seine Ansichten dort schneller, ungefilterter und ohne Umwege in die Welt setzen lassen. Auch auf einigen Blogs treibt er sein Unwesen.

Hier jetzt alle Beiträge zu analysieren und entsprechend zu kommentieren würde deutlich den Rahmen sprengen, weshalb ich mich auf einige wenige, zufällig ausgewählte Außerungen beschränke.

Von Xavier Naidoos Reichsbürger-Fauxpas hält er nicht allzu viel. Interessant ist jedoch die Ansicht zu linken und rechten Parteien:

Ohhhh, der NPD-Chef soll sich echt im Publikum befunden haben? Das ist ja unerhört. Hätte sich dagegen der Chef von DIE LINKE darunter befunden, also der Nachfolgeorganisation eines Mördergesindels, das einst kaltblütig Menschen an der Grenze erschossen hat, weil diese es in einem Gefängnisstaat nicht mehr ausgehalten haben, wäre das nicht nur in Ordnung gewesen, sondern man hätte dir augenblicklich das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Und auch die Kinderfickerpartei DIE GRÜNEN, die hier massivst den Inzest propagieren und überhaupt in jedem Bundesland mit ihren Bildungsplänen mit kindgerechter Fick- und Verschwulungsforcierung beschäftigt sind, machen sich große Sorgen um dich.

Ist auch durchaus logisch.

Wenn da einer aus dem links-versifften Lager (übrigens eine schöne Beschreibung aller politischen Strömungen, die nicht ins eigene Weltbild passen) vor Ort gewesen wäre, hätte die gleichgeschaltete Lügenpresse die Sache ganz anders betrachtet und den Auftritt Naidoos womöglich sogar noch gelobt. Dass die NPD, also die Nachfolgeorganisation eines Mördergesindels, das einst kaltblütig Menschen aufgrund ihrer Religion, sexuellen Ausrichtung, Behinderung, Hautfarbe oder lediglich abweichender politischer Interessen, erschossen, vergast und verbrannt hat, dort zu Gast ist, geht in Ordnung.
Den kausalen Zusammenhang müssen Sie mir bitte einmal erklären, Herr Pirinçci.

Generell hat der Mann ein eher schwieriges Verhältnis zur Partei Die Grünen.

Zum Hintergrund: Im August diesen Jahres kam es zu Koranverbrennungen und mehreren Brandanschlägen auf Moscheen, woraufhin die Grünen den Wunsch äußerten „antimuslimischen Rassismus wirksam zu bekämpfen‟.

Herr Pirinçci wird nicht nur beleidigend der Partei und ihren Mitgliedern gegenüber, sondern befindet darüber hinaus:
[…] was Koranverbrennungen anbelangt, ist dies die oberste moralische Pflicht eines jeden zivilisierten Menschen.

Er mag in dem Punkt recht haben, dass derzeit in vielen islamisch geprägten Ländern im Namen des Islams grausame und nicht tolerierbare Dinge geschehen und sich auch ein paar Muslime in Deutschland zunehmend radikalisieren (lassen).
Gewaltätige Aktionen gegen diese religiöse Gruppe nicht nur zu tolerieren, sondern auch noch aktiv zu befürworten, ist allerdings keine sehr ausgefeilte Argumentationskette.
„Die machen das aber auch und haben sogar angefangen‟ ist eher so Kindergarten-Style.

Türke sein schützt nicht vorm Rechtspopulist sein.

Der Chefredaktuer des öffentlich-rechtlichen Senders Radio Bremen Jochen Grabler beschreibt ihn als „einen Volksverhetzer, beseelt von Goebbelsscher Perfidie„ – und er hat recht.
Pirinçci sucht sich gezielt streitbare Themen raus und steigt in die Debatte ein, indem er unpopuläre Meinungen in bester „Endlich sagt’s mal einer‟-Manier vom Stapel lässt.
Ob die Argumente irgendwie haltbar oder reflektiert sind, scheint dabei nicht wichtig zu sein. Es geht schließlich um größtmögliche Provokation.
Die menschgewordene AfD.
Wenn man Sachen sagt und tut, die überwiegend dem rechten Spektrum gefallen, muss man sich auch nicht wundern, in die rechte Ecke gestellt zu werden.

Herr Pirinçci hält sich scheinbar für einen gewitzten Künstler, der unbequeme Fragen stellt und der Obrigkeit mit seinen Ansichten zu Leibe rückt.

Ganz so einfach ist das jedoch nicht und den Titel „politisch unkorrekter Türke‟ trägt schon ein Anderer, der das Ganze zwar mit mindestens genauso vielen Schimpfwörtern praktiziert, allerdings weiß wovon er spricht und einen differenzierten Eindruck macht.

Die Medien würden seine Kritik nicht wahrnehmen, wenn er sie nicht in dieser Form vortrüge, versucht sich Pirinçci dann gerne rauszureden. Das stimmt, weil sein Geschwätz zu großen Teilen in keiner Weise hilfreich ist.
Wenn dann jemand mal seine Aussagen kritisiert, wie das in normalen und anständigen politischen Debatten so üblich ist, kritisiert Herr Pirinçci gekonnt und sachlich zurück:

Heinz-Jürgen Voß (Professor für Sozialwissenschaften an der Hochschule Merseburg) kritisiert Pirinçcis Anfeindungen gegenüber der Gesellschaftswissenschaftlerin Elisabeth Tuider und wird im Anschluss prompt als „geisteskranker Schwuler‟ bezeichnet.
Der tut ja gerade so, als ob Pirinçci irgendjemanden grundlos beleidigt hätte.

Oh, moment. Hat er:

Noch vor dreißig Jahren hätte man so eine Alte in den Knast gesteckt und sie solange dort behalten, bis sie verrottet wäre. Heute werden die Eltern der Kinder, welche diese Arschfick-Affine ganz offiziell verderben darf, von unserer ebenfalls arschgefickten Regierung gezwungen, mit ihren Steuergeldern ihr monatlich einen Gehalt (sic!) in Höhe eines Chefarztes zu zahlen – sonst kommen sie ins Gefängnis.

Auf ganz plumpe Weise die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erhaschen und mit eindimensionaler Meinungsmache eine zweite Karriere als polarisierende politische Gestalt aufzubauen, ist ganz schön billig.

Das können Sie besser, Sie alte Fickfresse. Ja, richtig gehört. Beleidigend werden kann ich nämlich auch und ich finde gefallen daran. Das ist ganz schön einfach und die radikale Sprache lenkt auch ziemlich gut von fehlenden Inhalten ab.
Ich sollte auch mal ein Buch schreiben…

Zum Schluss noch was erfreuliches: Frauen
Von denen hat er nämlich eine gute Meinung. Das Titelbild seiner Facebook-Chronik zeigt die Kandidatinnen der 2007er Ausgabe von Germany’s Next Topmodel und seine Fans (und er selbst) lassen sich zu liebenswürdigen Kommentaren hinreißen.

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Zum Glück können die wenigstens rechnen…

Originally posted 2014-10-30 18:32:12.