Die verschiedenen Spielarten des Metal sind in der Regel nicht unbedingt für ihre textlichen Inhalte bekannt. Das mag zum einen daran liegen, dass man den Text vor lauter growlen, screamen und grunzen kaum versteht und zum anderen, dass es sowieso immer nur um Tod und Verderben geht.

So zumindest die einhellige Meinung derer, die keinen Metal hören. Interessanterweise ist dies jedoch ein Klischee, das sich tatsächlich mal als überwiegend zutreffend herausstellt. Natürlich gibt es auch hier – wie überall sonst – Ausnahmen und es lässt sich keine generalisierte Aussage dazu treffen. Aber thematische Schwerpunkte sind doch deutlich zu erkennen.

Doch wollen wir uns nicht nur mit dem oberflächlichen Inhalt von Metalsongs beschäftigen, sondern auch etwas tiefer gehen. Dank der großartigen Recherche und noch großartigeren Aufbereitung des Blogs „Degenerate State“ erhalten wir einige interessante Einblicke in die Sprachwelt der Schwermetaller. Der Blog wird von einem ehemaligen Physiker betrieben, der sich derzeit als Datenanalyst verdingt.

Metal und Sprache: Komplexer als gedacht

Auf den ersten Blick kann man durch die Songtextanalyse herausfinden, dass Five Finger Deathpunch eine sehr hohe Schimpfwortrate haben, während As I Lay Dying eher harmlose Wörter nutzen. Eine Band mit dem schönen Namen Pigdestroyer eher komplexe Satzgebilde nutzt, was beispielsweise bei Danzig weniger der Fall ist.
Doch ein richtiger Datenanalyst hört da natürlich noch lange nicht auf, sondern geht deutlich tiefer, um dem Spracheinsatz im Metal auf den Grund zu gehen.

metal ratio lyrics

Formel zur Berechnung der relativen Häufigkeit verschiedener Worte in Songtexten

Sehr erhellend ist auch das Ranking der Wörter, die am meisten beziehungsweise wenigsten Metal sind:

least metal words most metal words

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die vollständige Liste der Most and Least Metal Words ist auch einen Blick wert.

Andy Havens, ein Leser des Blogs, hat in den Kommentaren auf Basis der präsentierten Daten den metaligsten Songtext zusammengestellt:

The cries of the beast burn my dreams.
„Goodbye, gods!“ the flames scream.
I’m gonna pray that this sword tears my veins.
So the sorrow-demons of my soul can reign.
Eternity breathes ashes!
Eternity breathes ashes!
Eternity breathes… Ashes.

Scheint zutreffend.

Im zweiten Teil seiner Expedition in die sprachliche Welt der Metal-Musik widmet sich der Autor einer ähnlichen Aufgabe und stellt sich die Frage, wie man einen möglichst authentischen Metal-Song automatisch generieren lassen kann.
Die kurze Antwort lautet leider: Wir können es nicht. Zumindest noch nicht. Aber wir vereinfachen das Problem und können ein wenig damit herumspielen. Zumindest können das Menschen, die sich mit Datenanalyse und komplexen mathematischen Modellen auskennen. Wir anderen können ihnen aber dabei zuschauen und meist nur staunen.

Auf Grundlage automatisch generierter Sequenzen werden hier mit verschiedensten Variablen einige Songtextbruchstücke erstellt. Spätestens ab diesem Punkt wird es wirklich etwas komplizierter und um dem Vorgang folgen zu können, benötigt man zumindest ein logisches und mathematisches Grundverständnis.

Doch auch für alle anderen bleibt es interessant, da zwischendurch die Frage aufkommt, wer denn eigentlich Urheber dieser Texte ist. Auch wenn sie zum jetzigen Zeitpunkt qualitativ noch nicht hochwertig genug sind, um von einer echten Band genutzt zu werden, ist dies ein forderndes Gedankenspiel.

Wer gilt als Urheber und „Besitzer“ dieses geistigen Eigentums, wenn dessen Entstehung computergeneriert war? Der Nutzer, der auf „Generieren“ klickt, der Besitzer des Computers, die Bands, deren ursprüngliche Lyrics genutzt wurden, um die Maschine zu „trainieren“, niemandem oder die Allgemeinheit?

Bilder: degeneratestate.org

Originally posted 2016-09-27 18:17:52.