Okay. Zuerst die gute Nachricht oder die gute? Zeitgleich geht ja nun mal nicht, deswegen also zuerst die erste gute, dann die zweite. Geht los:

  1. Das uns liebe Berliner Ringtheater ist geblieben!
  2. Die Spielzeit startet wieder. Und zwar mit: „Am schönsten wär` die Einzeltat“.
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Na? Sagt selbst! Mal wieder haben wir nicht zu viel versprochen. Oder? ODER?! Wer anderer Meinung ist, justiere bitte die eigenen Erwartungen nach. Sie scheinen falsch eingestellt. Wie? Wohin nachjustieren? Nach oben natürlich, nach oben!
Denn da gehören Sie hin, für den unter 2. angekündigten Spielzeitauftakt.
Spekulationen darüber, worum es in dem vom Kollektiv SUKA (Julia Wycisk & Susanne Wilk) inszenierten und in Zusammenarbeit mit den Autor*innen Sarah Kilter und Giorgi Jamburia initiierten Stück gehen könnte, wollen wir mit Fakten zuvorkommen. Zum einen, weil Fakten mehr hermachen als Spekulationen. Zum anderen auch. Umso mehr bei einem Stück wie „Am schönsten wär` die Einzeltat“, das sich mit verschwörten Welten befasst.

SOKO SUKA

In dem Fall mit jenen des rechtsradikalen „Hannibal“-Netzwerkes um den Bundeswehrsoldaten Franco A., das im Jahre 2017 Schlagzeilen machte. Aus unklarem Motiv gab sich Franco A. als syrischer Flüchtling aus und versteckte eine Waffe auf der Toilette des Wiener Flughafens. Eine aufmerksame Reinigungskraft machte ihm einen Strich durch die Rechnung und verständigte die Behörden.  Die Ermittlungen um Franco A. führten zu einem rechten Netzwerk aus Polizisten, Soldaten und Beamten, dass sich in Telegramgruppen austauschte und Morde an politischen Gegner*innen plante.
Die Geschichte des Stücks setzt am Wendepunkt dieser Ereignisse ein. Als Protagonistin Pollyanna die Waffe am Flughafen findet, muss sie sich entscheiden, ob sie selbst die Waffe aus dem Verkehr ziehen sollte, oder ob es der gravierendere Fehler wäre, der Polizei zu vertrauen.
Während ihr Alltag in der strukturell rassistischen Mehrheitsgesellschaft ohnehin schon anspruchsvoll genug ist, wird sie nun auch noch in ihren Träumen von der Liaison zwischen Polizei und Rechtsextremismus heimgesucht. Bald wird aus den Träumen Realität und die Verstrickungen der rechten Gewalt treiben Pollyanna in die wortwörtliche Selbstbewaffnung.

Ganz unironisch: keine Ironie hier

Die Perspektiven weiterer Projektbeteiligter fließen ebenfalls in die Inszenierung ein, die erforscht, wie sich Gewalt und Hass aus dem rechten Spektrum erst durch ihre gegenseitige Abhängigkeit mit der bürgerlichen Mitte in voller Kraft entfalten können.
Rechte Männermachenschaften als ironische Jahrmarktveranstaltungen zu behandeln, daran war den Stückentwickelnden nicht gelegen, wird also auch nicht passieren. „Am schönsten wär` die Einzeltat“ interessiert sich nicht für Ironie, sondern dafür, wie wir alle Kompliz*innen von Unrecht sind, wenn wir nicht aktiv dagegen vorgehen. Und aktiv dagegen vorgehen sollten wir. Alle.

„Am schönsten wär` die Einzeltat“ als Kollektivereignis

Wir haben uns den Besuch der Inszenierung jedenfalls schon mal in unserem verpflichtenden DIN 1A – (Red)aktionskalender notiert. Und zwar in rot. Fett. Doppelt unterstrichen. Wie die wirklich wichtigen Überschriften damals im Bio-Unterricht gymnasiale Oberstufe.
Und hier notieren wir es auch nochmal: Geht da hin! Wir sehen Euch da. Und zwar hoffentlich so viele alle, wie es die Abstandsregelungen zulassen. Vielleicht wird es das kleinste Ausverkauft seit Gründung des Berliner Ringtheaters – aber auch das kleinste Ausverkauft ist ausverkauft.
Heißt: Tickets besser rechtzeitig besorgen. Beispielsweise jetzt gleich.

Auf einen besonderen Theaterabend. Wir freuen uns und legen unsere individuellsten Masken bereit.

Am schönsten wär` die Einzeltat
Fotocredit: Toni Petraschk

Premiere, 09.09.2020 / Beginn: 19.30 Uhr

Ort: Berliner Ringtheater / Laskerstraße 5/ 10245 Berlin

Kosten: ab 6,50 € / Supersoliticket (mit Künstler*innensupport und Extrakarma frei Haus) 18,-€ (Ticketerwerb nur online unter billetto.eu)

KEINE ABENDKASSE! TICKETS NUR ONLINE! MASKE NICHT VERGESSEN!

Weitere Aufführungen: 10.09./ 11.09./ 14.09./ 15.09./ 16.09.

Originally posted 2019-10-25 18:54:32.