Hach, Tiere. Wir kennen sie nur zu gut mit ihren lieblich dreinblickenden Augen oder ihren entzückenden Reißzähnen. Und dank modernster Techniken der Tierpräparation können heutzutage perfekte Ebenbilder unserer kleinen Freunde gefertigt werden.

Man kennt das ja: der ausgestopfte Hund im Wohnzimmer der Oma, der noch sehnsüchtig das gerahmte Bild des Herrchens an der Wand ansieht. Herzzerreißend! Aber auch ein bisschen gruselig.

tumblr_l92luyvYK81qze1jro1_500

Gruselig – das dachte ich mir auch, als ich in das dümmlich grinsende Gesicht eines scheinbar verrückt gewordenen Zombie-Bären blickte. Ich denke mir nichts schlimmes und suche weiter nach ausgestopften Tieren im Internet. Aber nach und nach versinke ich in einem Strudel aus Fotos von gelangweilten Eisbären, Hunden mit glubschigen Plastik-Augen und amüsiert grinsenden Haien. Irgendwann stoße ich auf eine ausgestopfte Katze mit angenähten Taubenflügeln. Mit ihrem aufgerissenem Maul sieht die hängende Mieze ein wenig gequält aus, aber vielleicht ist sie auch nur schrecklich glücklich, dass sie endlich fliegen kann. Und bei ebay für 750 Pfund angeboten wird.

tumblr_le6wz0V4sS1qze1jr

Diese Entdeckung erinnert mich irgendwie an den Wolpertinger, ein bayerisches Fabelwesen, das eine Kombination aus beispielsweise Hase mit Entenflügeln und Hirschgeweih ist. Wo wir einmal bei Fabelwesen sind – wie sieht es denn dann aus mit Einhörnern? Sind diese wundervollen Geschöpfe etwa auch nur das Ergebnis hinterhältiger Präparatoren, die uns in die Irre führen wollten? Wohl eher unwahrscheinlich.
Wenn man sich mit dem Thema der Taxidermie bisher noch nicht weiter beschäftigt hat, ist das alles zunächst verstörend. Aber je länger man sich die Bilder misslungener Ausstopfungen ansieht, desto mehr gewöhnt man sich an die größtenteils bizarren Kreaturen, die da entstanden sind. Aber die Fotos im Internet zu sehen ist natürlich etwas vollkommen anderes als sich die toten Tiere tatsächlich ins Wohnzimmer zu stellen. Manche Menschen fühlen sich von ausgestopften Tieren beobachtet. Es kann aber eigentlich auch eine ganz gute Lösung sein, um sich nicht immer so einsam zu fühlen.

Und um das Ganze noch auszureizen: Was spricht denn gegen das Ausstopfen und an die Wand hängen des verstorbenen Ehemannes? So kann man ihn wenigstens immer noch zärtlich übers Haar streicheln. Aber da müsste man sich wohl eher an den berühmten Plastinator Gunter von Hagens wenden.

So lange das Ergebnis nicht so aussieht wie die stümperhaft zusammengenähten Körper mancher Tiere wäre das ja durchaus eine Überlegung wert. Aber wenn einem die normalerweise majestetische Raubkatze auf einmal erschrocken in die Augen schaut und ihre Zähne kreuz und quer aus dem Maul ragen ist das dann alles andere als dekorativ. Wobei ich gegen eine schelmisch grinsende Ziege mit verrückten Augen, die neben dem Esstisch steht, nichts hätte, so ist man immerhin durchweg amüsiert über das blöd aus der Wäsche schauende Tier.

STUFFED_LONMED_2729_10surprised-owl

Oder man mach es einfach wie Bart Jansen, der Künstler, der aus dem abgezogenem Fell seines verstorbenen Kater einen Helicopter gebaut hat. Halb Kater, halb Maschine kann er nun endlich mit den Vögeln fliegen, die er zu Lebzeiten so geliebt hat.

 

Fanny

Originally posted 2013-08-28 13:32:54.