Der Natronsee in Tansania ist einer der ruhigsten und klarsten Gewässer in Afrika, aber auch zugleich bizarr, gespenstisch und lebensfeindlich.

Der Grund dafür sind die chemischen Eigenschaften des Sees. Mit einem pH-Wert zwischen 9 und 10,5 ist dieser nämlich stark alkalisch. Für alle, die während des Chemieunterrichts Kreide holten: dies sind wässrige Lösungen von Metallhydroxiden und sehr ätzend.

Ein weiterer Grund für die Lebensfeindlichkeit ist die Wassertemperatur. In Teilen des Sees kann diese bis zu 60°C betragen. Der naheliegende Vulkan Ol Doinyo Lengai ist der Ursprung all diesen Übels – genauer gesagt verursachen die Natriumsalze, die aus den Eruptivgesteinen des Vulkans stammen, diese extremen Eigenschaften, beziehungsweise begünstigen eben jene.

Dennoch ist der See nicht völlig ohne Leben. Es gibt einige Tierarten, die sich diesen außergewöhnlichen Lebensbedingungen anpassen können. So kommen in dem Gewässer Milliarden winziger Salinenkrebse, die den See rötlich verfärben und vier Buntbarscharten vor. An den Ufern des Sees leben Vogelkolonien, für die die Salinenkrebse auf den ersten Blick leichte Beute darstellen.

Vogelsterben an den Ufern des Natronsees

Die Nahrungsbeschaffung ist jedoch mit einigen Konsequenzen verbunden und erweist sich als lebensbedrohliches Unterfangen. Die Reflexionen des Gewässers verwirrt vermutlich (so die Annahme des Naturfotografen Nick Brandt) die Vögel – ähnlich den armen Vögeln, die aufgrund der Himmelsreflexion gegen Fensterscheiben fliegen. Die Vögel stürzen dann in den Natronsee und sterben. Wissenschaftler sind sich bezüglich dieser Erklärung jedoch uneinig. Es wird vielmehr für wahrscheinlicher gehalten, dass die Tiere, die an den Ufern des Sees leben, eines anderen Todes sterben: Der Natronsee wäscht nach und nach die Salzmineralien aus den Körpern der Tiere und leitet somit eine Metamorphose ein, die die Tiere versteinert und für die Ewigkeit konserviert.

Nick Brandt fotografierte diese versteinerten Vögeln und gibt mit seinen Bildern die düstere Ästhetik des Sees fantastisch wider.

Originally posted 2015-06-09 15:46:35.