Dass wir nicht gerade Theater heute sind, heißt nicht, dass wir uns nicht über manch AufführuGender & Ich_Körperng lustig machen können oder eben auch für manch andere begeistern – beispielsweise für Gender & Ich, einem intergen(d)erativem Projekt zu Lebensentwürfen und Geschlechterrollen.

Oder, wie es der Björn von – sagen wir – der AfD oder die Ursula vom Bund dankbarer Herdkräfte eventuell formulieren würden, ein weiteres Gender-wahnsinniges und schädliches Gesellschaftsexperiment, das der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dient.

Aber es ist ja nicht nur ein Björn oder eine Ursula, die nicht gut auf Gender zu sprechen sind und trotzdem unfassbar viel darüber reden. Allzeit löst dieses Wort, dieses Politikum, scheinbar problemlos Schweißausbrüche und Wutreden aus – zuhause, an Universitäten, am Arbeitsplatz und selbstverständlich an circa 105 von hundert Stammtischen. Und warum?

Weil… Na wegen… Also… Weißt Du doch nicht! Stimmt. Wissen die Köpfe hinter Gender & Ich auch nicht. Aber sie wollen es herausfinden. Erfahren, was es auf sich hat, mit dem Gender-Gespenst Lord Voldemort`schen Ausmaßes, dessen Name auch nie genannt werden durfte, um nicht furchtbaren Schrecken zu verbreiten.Gender & Ich_Gorki

Das zu erfahren, entwickelte Gorki X in Kooperation mit der Beethoven Schule, dem JugendtheaterBüro und der Tanztangente das intergen(d)erative Tanz-Theater-Projekt Gender & Ich.

Wer sich die Teilnehmenden jetzt in eng anliegenden, buntfarbigen Ganzkörperlatexanzügen vorstellt, die sich ausdruckstanzend über die Bühne bewegen, während ein in Umhänge gehüllter Bühnenchor kanonartig die Parole Gender & Ich propagiert, irrt. Würden wir uns auch nicht für begeistern. Naja…obwohl…

Solch ein Projekt ist Gender & Ich jedenfalls nicht. Gender & Ich: Das sind circa 60 Theaterinteressierte unter 25 und über 52 Jahren, die, aufgeteilt in vier Gruppen, unter Anleitung künstlerischer Coaches wie Mazlum Nergiz und Suna Gürler von Gorki X, der Frage nachgehen, was es, so Nergiz und Gürler, „denn nun heißt, ein Geschlecht zu haben und wie fix die damit verbundenen Rollenerwartungen sind.“

Gender & Ich

Foto: Esra Rotthoff

Dafür werden sowohl die eigenen Perspektiven, Lebensentwürfe und Vorstellungen hinterfragt als auch die der anderen Teilnehmenden; wird nach neu entstandenen Beziehungsmodellen gesucht und Geschlechterrollen nachgespürt, die ihnen in dieser Stadt privat als auch öffentlich begegnen.

Jede der vier Gruppen hat dabei einen eigenen Fokus. Die von Mazlum Nergiz und Suna Gürlers beschäftigt sich beispielsweise mit Utopien. Gemein ist allen aber eines: die Suche nach Antworten, die über ein „Darum. Ist halt so.“ hinausgehen. Antworten auf die wohl wichtigsten Fragen: Wer bin ich, wie will ich leben und wie will ich lieben?

Und während Gender & Ich Fragen nach dem Wer & Wie beantwortet, beantwortet SLEAZE Fragen nach dem Wann, Wo & Wieviel:

Wann: Dienstag 23. Juni um 19:30 & Mittwoch 24. Juni um 19:30

Wo: Maxim Gorki Theater / Am Festungsgraben 2 / 10117 Berlin

Wieviel: 3,- Euro  (Bestellung unter: ticket@gorki.de oder Tel. 030 20221-115)

Wer mag, kann anhand des nachfolgenden, anonymisierten Interviews, das wir mit zwei Teilnehmenden geführt haben, mal die eigenen intergen(d)erativen Vorstellungen und (Vor-)Urteile überprüfen und mitraten, welchen Geschlechts und Alters grün und grau bzw. „B.“ und „J.“ sind. Die Auflösung gibt es am Schluss. Versprochen. [Note to self: Auflösung nicht vergessen!]

 

 

Originally posted 2015-06-12 17:21:50.