Neben vielen alten Hasen sind auf der STROKE auch immer ein paar neue Perlen zu entdecken. Die war nun vor ein paar Wochenwieder mal in Berlin, und unsere Blicke blieben auch prompt an den verträumten Weltuntergangsszenarien der Münchner Fotografin Eva Hartmann hängen, die mit dem Kollektiv YMC (Young Munich Creatives) vor Ort war.

EVA HARTMANN AUF DER STROKE 2012 

Was genau verbirgt sich hinter deiner Visual-Poetry-Serie?

Das sind Fotokollagen direkt auf Metall gedruckt, zusammengestellt aus ganz vielen Bildern. Sie sind quasi ein Recycling-Projekt aus meiner Zeit in Shanghai. Ich habe eigentlich die Endstationen der U-Bahn fotografiert. Shanghai hat das am schnellsten wachsende U-Bahnnetz der Welt. Und es ist faszinierend, was da ringsrum passiert. Da wird zuerst die Station hingebaut und dann erst Häuser und Einkaufsmalls. Aber erst mal ist da nichts oder alte Siedlungen, die abgerissen werden. Das sind krasse Mondlandschaften.

 

Ich finde das Bild mit den Luftballons unglaublich schön!

Ja, das hat schon viele Liebhaber gefunden und ist auch schon verkauft. Ich hätt’s gern noch hängen lassen, aber die wollten es gleich mitnehmen.

 

EVA HARTMANN VISUAL POETRY

 

Was für Symbole stecken in dem Bild?

Die Idee zu dem Bild hatte ich, als das mit Fukushima passiert ist. Ich war gerade in China und mein Bruder war in Japan. Ich habe ihn eine Woche lang nicht erreicht und mir große Sorgen gemacht. Ich war dann auch wütend, dass sich die deutsche Berichterstattung innerhalb von zwei Tagen nur noch egoistisch um die eigenen Sachen gedreht hat: „Sind die Reaktoren in Deutschland jetzt sicher oder nicht?“ Wen interessiert’s? Was ist in Japan los? Ich war auch wütend drauf, wie man so blöd sein kann, Atomkraftwerke auf Erdbebenspalten zu bauen. Es kam mir vor wie dumme kleine Kinder, die Mist bauen. Deswegen das Kind mit den Atompilzluftballons.

 

Was hast du in deiner Zeit in China persönlich und auch künstlerisch gelernt?

Viel. Ich bin nach China gegangen, nicht weil ich nach China gehen wollte. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen zu sagen: „Hey, China ist so ein tolles Land, ich geh jetzt dahin.“ Ich musste während des Studiums ein Praxissemester machen und habe den Fotografen Maleonn einfach mal frech angeschrieben und gefragt, ob ich zu ihm kommen darf. Er hat mich schon immer inspiriert und ich bin ein großer Fan von seinen Werken. Natürlich hat sich das dort noch intensiviert, als ich dann auch Techniken von ihm gelernt und seine Arbeitsweise beobachtet habe, die sehr spontan ist. Er hat eine Idee, setzt die dann auch so um, neigt aber dabei dazu, seine Meinung zu ändern. Er ist wirklich ein großartiger Künstler und auch persönlich ganz toller Kerl.

 

Fotografin mit besonderen Ideen oder Künstlerin, die mit Fotografie arbeitet: Wie siehst du dich selbst?

Das ist manchmal schwer zu positionieren. Die Leute fragen auch immer, was ist das eigentlich. Ist das Grafik? Ist das Fotografie? Ich bin Berufsfotografin, aber ich mach’ zurzeit auch viel Requisite beim Film und Set-Design. Ich möchte weder das eine noch das andere missen. Ich mach so gerne so viele Dinge. Wenn ich dann ein Foto davon mache, habe ich das in einen ganz guten Rahmen gebracht.

 

Was ist dein Fazit der STROKE in Berlin?

Es ist kleiner als München, das definitiv. Ich finde die Exponate sehr schön. Es sind ein paar ganz tolle Künstler dabei. Die Ausstellung ist super. Die Galerien haben das alles sehr schön gestaltet. Es ist ein bisschen gemütlicher als in München, nicht ganz so überlaufen. Mir hat es unglaublich Spaß gemacht. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und ich komme gern wieder.

 

Kirsten

Originally posted 2012-12-17 17:49:05.