Manchen erscheinen Farben als Töne und anderen Quadratmeter als Kalorien: Beispielsweise Besuchenden der Cakeland-Installation in der Think Tank Galerie in Los Angeles. Eine Fläche von 7000 Quadratmeter verteilt auf sechs Zimmer – bis unters Dach gefüllt mit Glückshormonjomnjoms in Form von üppig verzierten Kuchen, Torten und Eiscreme. Um die übliche Reaktion wissend, sei an dieser Stelle gesagt: Menschheit! Hör auf zu sabbern und in die Installation zu beißen –ist alles künstlich. Also nicht das “natürliche” lebensmittelfarben-Künstlich, sondern das tatsächlich nicht-essbare Künstlich.

Krachsüß mal anders gedacht – im Kuchenlabyrinth Cakeland

Denn beim „Cakeland“ handelt es sich um eine fotorealistische Arbeit des Künstlerduos Scott Hove, der an Banksys Dismaland mitarbeitete, und dem Aquarellist Baker`s Son (a.k.a. Keith Magruder). Gedanke hinter dem Zuckerolymp-Spiegellabyrinth war nicht etwa eine Ehrenurkunde der internationalen Bäckerei-Innung, sondern Gegenüberstellung und Verschmelzung von Schönheit und Elend, von Dekadenz und Armut. Gar nicht so einfach, mit quietschbunten – wenn auch künstlichen – Kuchen, Torten und Eiscreme ein Gefühl für das Leid dieser Welt zu erzeugen. Doch genau dieser Kontrast ist es, den sich das Künstlerduo auf die Sahne geschrieben hat. Das Spiegellabyrinth Cakeland oder „Frosted Ghetto“, wie das Künstlerduo es nennt, soll nicht nur den Gaumen für das Schöne schärfen – sondern auch das Auge für das Elend.

Kuchenlabyrinth Cakeland

via thecreatorsproject.vice.com

Deswegen finden sich nicht nur süße Realitäten aus Kindheit und Jugend abgebildet, wie etwa ein Eiswagen oder eine typische Block-Party Ende der Achtziger – sondern eben auch die „andere“, die brutale Realität. Beispielsweise die Darstellung eines Basketballplatzes innerhalb der Block-Party- Szenerie, unter dessen Korb ein Meer von Kerzen und Blumen an einen ermordeten Menschen erinnern.

Des Weiteren mahnen militärische Objekte und ominöse Symbole wie Reißzähne, die dunkle Seite des menschlichen Lasters nicht zu vergessen– möge es auch noch so süß anmuten oder verziert sein. Bei Torten und Kuchen muss man zwar länger suchen, aber auch diese zuckrige Medaille hat zwei Seiten.

Kuchenlabyrinth Cakeland

Kuchenlabyrinth Cakeland

Kuchenlabyrinth Cakeland

Kuchenlabyrinth Cakeland

Kuchenlabyrinth CakelandFotos via latimes.com

“There’s a dualistic element to all this – the aggressiveness, the potential for violence, then it starts telling a story that people can relate to,” Hove says. “As we’re striving for celebration in our lives, there are a lot of obstacles that are not pleasant. As we’re sipping champagne at a party, there are people in Syria getting massacred – and that needs to be reflected in art. We tried to bring the two together, the dark and the light.”(Hove LA Times 02/2016)

                     

Originally posted 2016-03-16 11:11:55.