SLEAZE und Berliner Hostels haben sehr viel gemeinsam. Beide kosten (fast) nichts und sind mitten drin im Weltgeschehen. Am 05.03.13, kurz bevor die weltweit größte Tourismusmesse ITB ihre Türen öffnete, gab es folglich für uns auch keinen besseren Ort, als in den unfertigen Gewölben des neuen Generator Hostels in der Oranienburger Straße den Abend zu verbringen. Dort wurde uns und ein paar wichtigen Kontakten vorab die Location präsentiert, die im April seine Pforten für alle Berlinbesucher öffnet, die Bock auf nette Unterbringung für moderates Geld haben. Der noch nicht fertig gestellte Keller wurde zur Tanzfläche, die Betonbar bot kreativ gemixten Freisuff an und die Künstler Tussycatss, Cren und Ed Hicks malten ganz gelassen ihre Kunst auf Wände und Kühlschränke.

Ed Hicks prepares the new art for Generator HQ_580

 

In der Bierpause schnappten wir uns den Londoner Streetartist Ed Hicks und sprachen über Berlin, Graffiti-Lifestyle und deutschen Expressionismus.

 

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Du hast schon das Headquarter der Generator-Hostels in London gestaltet. Farbwelt und Motivwahl sind sich ja sehr ähnlich. Bekommst du strikte Vorgaben von oben?

Nein, zumindest nicht direkt. Natürlich wissen die, wenn die mich buchen, was ich so ungefähr mache. Im Gespräch einigt man sich dann auf die Inspiration, bei diesem Projekt der Hostels war es klar, dass ich mich vom Stadtleben und der Atmosphäre von Berlin beeinflussen lasse.

Warst du denn schon mal in Berlin?

Ja, aber das ist Jahre her. Ich wollte aber schon länger wieder herkommen und bin froh, dass ich jetzt über diesen Job vier Tage die Stadt erkunden kann. Ich will hier auch unbedingt eine Wall sprühen, mal sehen, ob ich eine finde.Ein anonymes, buntes Gastgeschenk für die Berliner.

Naja, so anonym dann auch wieder nicht, du unterzeichnest deine Arbeiten ja immer mit 54. Was hat es damit auf sich?

Die 54 Crew bestand aus Leuten, mit denen ich das Sprühen erlernt habe. Leider ist die Crew inzwischen tot, aber das sind meine künstlerischen Wurzeln, deswegen zolle ich meiner Vergangenheit Respekt.

Siehst du dich selbst als Sprüher oder wo würdest du dich einordnen?

Als Sprüher sehe ich mich eigentlich gar nicht. Ich beherrsche die Technik zwar, aber der Lifestyle an sich und der Charakter der Sprüherwelt ist mir schon eher fremd. Ich sehe mich viel mehr als offenen Künstler, ich male ja auch mit Ölfarben und will mich selbst nicht beschränken. Ich orientiere mich besonders am deutschen Expressionismus, den ich einfach genial finde, was Farben und Formen angeht.

Wer wissen will, wie sich deutscher Expressionismus mit Londoner Sprühdosenkunst verträgt, sollte Ed Hicks’Facebook-Seite checken oder das Generator-Hostelneben dem noch vorhandenen Tacheles besuchen.

 

Lisa

Originally posted 2013-03-13 13:02:28.