Provokant und streitbar sind die Werke des Russen Dimitry Tsykalov zweifelsohne. Niemals war der Ausspruch „Kunst ist Geschmackssache“ passender. Tsykalov formt Schädel aus Obst und Gemüse, sowie Waffen aus rohem Fleisch. Die Herstellung der Objekte ist so ungewöhnlich, wie die Objekte selbst. Anstelle von Pinseln, Farbe oder Bildhauerwerkzeugen benutzt Dimitry Tsykalov Äxte, Sägen, Bohrer und das ein oder andere Küchenutensil.

Mit Essen spielt man nicht – man formt daraus Kunstwerke

Für diese Art von Kunst bedarf es Inspiration. Diese findet Dimitry nach eigenen Angaben in einem Filterungsprozess, in dem alte Meisterwerke, Fernsehnachrichten, Autobahnen und Supermärkte zu einer neuen Einheit verschmelzen.

Jetzt wird mir endlich klar, was mir seit dem Kindergarten fehlte und warum meine „Kunstwerke“ aus dieser Zeit stets in der Tonne landeten – einen erweiterten  Horizont, gepaart mit crazy Inspiration, braucht man also.
Aber damit nicht genug! Als weitere Inspirationsquelle sieht er  die Luft, als Symbol für die Einfachheit – dabei ist seine Arbeit äußerst komplex.  So formt er Augenhöhlen, Zähne und Nasen aus sehr zerbrechlichen Materialien, aber auch die Herstellung der Fleisch-Waffen ist sehr aufwändig. Da benötigt er für eine Waffe, schon mal eine ganze durchgearbeitete Nacht – wir alle können uns vorstellen, wie rohes ungekühltes Fleisch nach einiger Zeit riecht.

Für Dimitry steckt in seiner  Kunst aber auch eine Bedeutung. Die Totenköpfe spielen auf die traditionelle Bedeutung des Vanitas-Stilllebens als eine Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens  und die Unvermeidbarkeit des Todes an.  Es ist zugleich Kritik an der Konsumgesellschaft, in der Unmengen von Nahrungsmitteln verschwendet werden.
Stellt sich nur die Frage, was Dimitry anders macht. Auch er „verschwendet“ Nahrungsmittel für eine Kunst, die  vergänglich und nicht für die Ewigkeit, sondern nur zum Festhalten auf einem  Foto bestimmt ist.  Naja, es ist aber ebenso gut möglich, Feuer mit Feuer zu bekämpfen.

Etwas Gutes hat die Sache aber. Sollte er während der Arbeit Hunger bekommen, so braucht er nur zuzugreifen.

Originally posted 2014-03-14 11:07:11.