Kunst hat immer wieder seltsame Auswüchse. Manche lecken sich nach diesen Stücken die Finger, andere Fragen sich, ob diese Menschen keine anderen Sorgen haben. Die wohl besten Möglichkeiten für Provokation, Polarisation und eine ganze Menge Bullshit bietet die Performance-Kunst.

Wir haben hier einmal die zehn schockierendsten, ekligsten oder auch einfach nur überflüssigsten und dummen Kunstperformances zusammengestellt:

1. Pyotr Pavlensky ist, wie sein Name vielleicht erahnen lässt, Russe, hat in Sankt Petersburg Wandmalerei studiert und ist direkt ein Grenzgänger zwischen Kunst und politischem Protest. Der 30-Jährige hatte sich im November 2013 einen Nagel durch seinen Hodensack gejagt und dann in einen der Kopfsteinpflastersteine vor dem Lenin Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau geschlagen. Ja, richtig. Der Mann hat sich am Sack am Boden festgenagelt. Im Winter. In Russland. Ziel der Aktion war der Protest gegen Putins Polizeistaat. Die ganze Hodennagelei, genannt Fixation, nämlich fiel mit dem russischen Polizeitag zusammen.

 

 

2. Der Niederländer Bas Jan Ader hat die Nummer mit der Kunst richtig ernst genommen oder sich einfach nur zu dämlich angestellt. 1975 brach der damals 33-jährige Video- und Konzeptkünstler, der in den Niederlanden und den USA studiert hatte mit einem kleinen Segelboot auf und wollte als Performance mit dem Titel In Search for the Miraculous den Atlantik überqueren. Zehn Monate später wurde sein Boot an der Küste Irlands gefunden. Sein Körper tauchte nie wieder auf. Schön blöd!

 

 

3. Marina Abramovic ist spätestens seit sie mit Lady Gaga durch die Wälder rund um New York turnt oder mit Jay Z in der New York City Pace Gallery tänzelte jedem ein Begriff. Aber die mittlerweile 67-jährige, in Belgrad in Serbien geborene Performance-Künstlerin macht nicht erst seit gestern abgefahrene Dinge im Namen der Kunst.
1974 setzt Abramovic einen fünfzackigen hölzernen Stern, den ich sie vorher in Benzin getränkt hat, in Brand. Sie läuft ums Feuer, wirft Büschel ihrer Haare, die sie sich abschneidet, sowie ihre Finger- und Fußnägel in die Flammen. Am Ende springt sie in die freie Mitte und legt sich auf den Boden. Was die gute Marina nicht bedacht hat. Die Flammen haben bereits allen Sauerstoff im Inneren des Feuers verbraucht. Sie wird ohnmächtig und die Zuschauer bemerken es erst als die Flammen bereits ihre Beine bezüngeln. Zwei Menschen aus dem Publikum holen Abramovic hinaus, die über diese Perfomance hinterher selbst sagt: „Nach dieser Performance frage ich mich, wie ich mit und ohne Bewusstsein meinen Körper gebrauchen kann, ohne die Performance zu unterbrechen.” Ähm, ja genau, wäre auch mein erster Gedanke. Freak! (Ich persönlich finde Abramovics Rhythm 0 noch um einiges heftiger. Da wären wir wieder bei der Widerlichkeit der Menschen.)

 

 

4. Chris Burden gilt als einer der Begründer der Body-Art und wurde bekannt durch seine schockierenden Werke, die bis zur Selbstverletzung des Künstlers führten. Allen voran sein „Selbstversuch“ Shoot von 1971. In einer Gallerie lässt sich Burden von einem Freund mit einem Gewehr einfach in den Arm schießen. Obwohl er wusste, was passiert, sah der heute 68-Jährige, dann doch etwas überrascht aus. Wen bitte wundert’s? Als er wieder gesund war, ließ er sich auf ein Auto (genauer genommen auf einen VW) nageln wie gekreuzigt. Kunst. Toll!

 

 

5. Unser nächster Kandidat ist nicht nur Installationskünstler, Architekt und Landschaftsarchitekt, sondern auch einfach ein bisschen pervers. 1972 legt sich Vito Acconci unter einen, in die Sonnabend Gallery in New York eingezogenen, Holzboden und masturbiert. Dabei flüstert er den Besuchern der Galerie, die über ihm auf dem Holzfußboden wandeln, über Lautsprecher seine Gedanken und Fantasien. Voll romantisch.

http://youtu.be/6-C0P1nql74

 

 

6. Die Herren der Schöpfung haben es irgendwie mit ihren Geschlechtsteilen. Wir sollten vielleicht mal Freud fragen, was da in der Kindheit zu kurz kam. Der war schließlich auch Wiener, wie unser nächster Kandidat: Rudolf Schwarzkogler. Der Gutste war Fotograf und Künstler und ihm wurde durch Fehlinterpretation von Fotoaufnahmen (siehe hier. Bäh bäh bäh!) nachgesagt, bei einer Perfomance seinen eigenen Penis amputiert zu haben. Wieder andere schrieben sogar, er sei an der missglückten Amputation dahingeschieden. Fakt ist aber, Schwarzkogler starb nach einem Sturz aus dem Fenster mit Penis. Halleluja.

 

 

7. Die französische Künstlerin Orlan, ebenfalls der Body-Art verschrieben, hat es sich zur Aufgabe gemacht sich maßlos zu entstellen. Sie hat ihren Körper zu ihrem Werk gemacht. Seit 1978 verändert sie ihn durch plastische Chirurgie nach Vorbild berühmter Frauengestalten aus der Kunstgeschichte. Ein bisschen Mona Lisa hier und ein bisschen Venus da und fertig ist die Freakshow.

 

8. Der momentan in Katalonien lebende britisch-irische Künstler Neil Harbisson ist der erste Mensch der Geschichte, der von seiner Regierung als Cyborg anerkannt wurde. Von Geburt an war Harbisson farbenblind. Er sah die Welt in Graustufen und ließ sich mit 20 Jahren, heute ist er 33, ein Gerät namens Eyeborg implantieren, das ihm erlaubt Farben zu hören. Wofür andere Drogen brauchten, das macht Harbisson mit einem Farbsensor neben dem Auge und einem Chip im Kopf. Wenn’s sonst nichts ist.
Als er 2004 seinen Pass erneuern lassen wollte, hieß es er dürfe den Sensor am Kopf nicht auf dem Foto tragen. Er kämpfe so lange bis er es durfte und setzt sich seitdem für die Rechte von Cyborgs ein.

 

9. Dass Yoko Ono einen an der Schüssel hat, wissen wir ja nicht erst seit vorgestern. 1964 gab sie sich mit ihrem Werk Cut Piece der feministischen Performance Kunst hin. Auf dem Boden knieend legte sie eine Schere vor sich aus und hielt das Publikum an, ihr die Klamotten vom zierlichen Leib zu schneiden. Was harmlos anfing endete in Fetzen und einer Yoko in Unterwäsche. Naja.

 

 

10. Der weißbärtige, alte Hermann Nitsch war, wie auch Rudolf Schwarzkogler, Teil der Wiener Aktionisten Bewegung, die immer wieder gern mit Splatter, Ekel, Selbstqual und Blut schockte. Nitschs großes Gesamtkunstwerk innerhalb dieser Bewegung ist das Orgien-Mysterien-Theater, das immer wieder mal in blutbadenden jungen Menschen und Tieropfern in seinem Schloss gipfelt. Guten Appetit!

 

 

Na, wenn das mal nicht schön war. Und zum Abschluss als kleines Schmankerl für euch noch den Japaner Mao Sugiyama, der sich als Statement für Asexualität 2012 seine Genitalien hat abnehmen lassen und sie eine Weile im Kühlschrank behielt bis er seinen Freunden ein Teechen draus kochte.

 

Das war eklig. Ich geh essen!

Originally posted 2014-06-23 10:49:30.