Da haben die Architektenkammern der Länder mit dem Tag der Architektur was Schönes zurechtgezimmert. Ein Tag, anhand gelungener Alltagsarchitektur über die Vorteile des Bauens mit Architekten zu informieren und das Verständnis für die Leistungen der Branche zu fördern. Oder kürzer: um Auftraggeber zu akquirieren.

Ganz uneigennützig war die Initiierung dieses Tages also nicht – stand es doch seinerzeit um das Auftragswesen und die wirtschaftliche Situation vieler Architekten schlecht bis miserabel. In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen scheint die Lage besonders prekär oder das Portfolio besonders schön gewesen zu sein. Denn dort fand 1994 der erste Tag der Architektur statt. Die Architekten(kammern) der anderen Länder nahmen erst nach und nach an dem Tag teil, der eigentlich ein Wochenende ist. Meist eines Ende Juni.

Den ersten bundesweit einheitlichen Termin gab es übrigens 2001. Das „übrigens“ steht da übrigens nur so. Was nicht nur so dasteht, ist das jährlich wechselnde Motto der Veranstaltung (dieses Jahr „Architektur bewegt“) und natürliche jene zeitgenössischen Bauprojekte, Freiräume und Gärten, die in diesem Rahmen der breiten (oder auch nicht breiten) Öffentlichkeit präsentiert werden. Dabei insbesondere solche Objekte, die üblicherweise nicht jedem offenstehen. Dazu zählen neben (anderer Leute) Privathäusern auch Bauwerke für Büro und Verwaltung, Schule und Bildung, Altenheime, Kindertagesstätten aber auch einstige Stasi-Untersuchungshaftanstalten oder beispielsweise eine neue Jugendstrafanstalt, die zum Tag der offenen Tür einlädt – während wir zu mittelschlechten Ausbruchs- und Einbruchswitzen einladen.

 [ PLATZ FÜR MITTELSCHLECHTE WITZE ]

 

Architektur ist eben nicht nur Our House. Was genau sie alles sein kann, sein will und ist, gibt es am Tag beziehungsweise am Wochenende der Architektur zu erfahren. Natürlich auch 2014. Auch wieder Ende Juni. Und zwar genau: jetzt oder in Zahlen: 28. / 29. 06. 2014. (Bundes)weit und breit stehen unzählige Objekte zur kostenfreien Besichtigung und unzählige Subjekte (Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner) zum detaillierten Informieren bereit. Also ästhetische und informative Abstaube. Und danach, wer mag, Bier, Chips, Stadionarchitektur und Fangesänge. Wer mag, auch Fußball. Die Mischung machts.

Originally posted 2014-06-28 12:13:25.