Cybersturm_der_Liebe_Berliner_Ringtheater

Was für ein Abend, dieser Abend gestern Abend im frischgeförderten Berliner Ringtheater. Seit Wochen schon braute sich dort der „Cybersturm der Liebe – Rekordhitze in Gimmersbach“ zusammen, cum-ulierte und entlud sich pünktlich am 06.11.2019, dem Premierenabend des aktuellen Projektes von 0800_Paradise, einem Berlin-basierten Performance-Kollektiv. Im Nachgang der Versuch, den Abend in Worte zu fassen. Man liest sich die Ankündigung nochmal durch und gleicht ab, ob sie mit dem Ges(ch)ehenen übereinstimmt.

Très Chic trashig

Inhalt? Check # 1! War wie angekündigt da: Im Jahr 2089 strandet der Vertreter Peter auf seinem Weg ins Paradise in der kleinen Ortschaft Gimmersbach.  An seiner Seite sein neuestes Gerät, ein Staubsauger, an dem die im Ort lebenden Wissenschaftlerixen ein ganz besonderes Interesse haben. Ob bei der Datingshow Herzblatt, auf der Gimmersbacher Megaparty oder ein fingierter Putznotfall: Keine Gelegenheit lassen sie ungenutzt, dem sexy Haushaltsgerät näher zu kommen, in der Hoffnung, für ihre geplante Weltbefriedigungsmaschine an dessen beeindruckende Elektronik zu gelangen. Das unbedingt verhindern will der Barbesitzer Sadsexbot, der sich unsterblich in den Staubsauger verliebt. Muss ja zum großen Showdown kommen. Und kommt es auch.

Politischer Kontext? Check #2 ! Anwesend. Wie proklamiert, geht es um den Sex der Zukunft, durch den zunehmenden Einfluss des Internets auf die Erotikindustrie und die Frage, ob das „goldene Satisfyer-Zeitalter“, in dem sexuelle Bedürfnisse robotisiert sind, eher Zeichen von Empowerment ist oder nicht doch von großstädtisch anonymisierter Einsamkeit.

Hurra Hurra Dystopia!

Und ja, auch dritter Check: Sie war sexy! Hot! Trashig! Verboten gut! Die Aufführung unter der Regie von Rosa Frey, die gestern im Berliner Ringtheater STADTLANDFLUSSGIMMERSBACHWELTPREMIERE feierte. Und das vor mehrfach ausverkauftem Haus, einem zum Streicheln schönen Bühnenbild (inklusive Hologram! BAM!), vor gekonnter Spielfreude beinahe berstenden Darstellenden und dank all dem vor bestunterhaltenem Publikum.

Cybersturm_der_Liebe_Plakat

Stand zwar so nicht in der Ankündigung, gibt aber natürlich trotzdem keinen Punktabzug, sondern -zuschlag. Auch, dass man der vom Performance-Kollektiv 0800_Paradise entworfenen Dystopie das angekündigte Attribut „wütend“ nicht anmerkte, weil man die 60-minütige Aufführungsdauer über mit Lachen beschäftigt war und damit, sich Zitierplaisier-Formulierungen wie „Plusquamperfekt im Tinderchat“  zu merken, wirkt sich auf die Wertung keinesfalls negativ aus.

Erst Gimmersbach, dann die Welt

Der einzige, der die Spielstätte am Premierenabend eher verließ, das allerdings unter großem Applaus, war Jan Westermann, der die Aufführung musikalisch zum Höhepunkt trieb. Aber ein Multipercussionist und Ensemblemitglied des Konzerthausorchesters Berlin muss tun, was ein Multipercussionist und Ensemblemitglied des Konzerthausorchesters Berlin tun muss: und zwar Hochkulturenhopping.  Erst Gimmersbach, dann die Welt.

Und dann aber wieder zurück nach Gimmersbach. Denn natürlich ist Westermann bei den Folgeaufführungen von „Cybersturm der Liebe“ wieder an der Musik. Vielleicht ja wieder vor mehrfach ausverkauftem Haus. Auf jeden Fall lohnt es, sich jetzt schon mal ein bis alle Tickets für eine bis alle Folgeaufführungen zu sichern.  

Cum as you are!

Weitere Aufführungen: 07.11./ 13.11./ 14.11./ 27.11./ 28.11.

Beginn: 20 Uhr

Ort: Berliner Ringtheater / Laskerstraße 5/ 10245 Berlin

Kosten: 11,- € / erm. 7,50 € (reservieren unter ringtheater@gmail.com oder an der Abendkasse ab 18.30 Uhr)