Editor's Rating

Dextromethorphan: Ein (legaler) Drogenbericht

Name: Dextromethorphan (DXM)

Dauer: 4-8 Stunden

Risiken/Gefahren:

–       Übelkeit, Durchfall und allergische Reaktionen

–       Heiße Wallungen, Schwindel und schlechte Trips

–       Psychotische Ausbrüche (bei hohe Dosierung)

–       Psychische Abhängigkeit und Depression (durch regelmäßige Anwendung)

–       irreversible (dauerhafte) Gehirnschäden (durch chronische Anwendung und hohe Dosierung)

–       Auslösung von latenten Psychosen

–       Vergiftung durch Überdosierung

     (Danke an das Land der Träume für die Kurzinfos!)

 

Wie ihr ja wisst, testen wir ganz gerne mal die Grenzen aus. In etwa so wie eure kleinen Brüder und Schwestern, die absichtlich erst um 22.30 Uhr nach Hause kommen statt um Acht, wie das mit Papa abgesprochen war. Der Unterschied ist, dass sie dabei (höchstwahrscheinlich) nicht unter dem Einfluss von Dextromethorphan, kurz: DXM, stehen. 

 

Hustenstiller

Dextromethorphan

Diese kleine synthetische Substanz ist oftmals in Hustenstillern bzw. –blockern zu finden und sorgt bei überhöhter Einnahme für einen nicht zu unterschätzenden Trip. Den kann man sich bei einer geringen Dosis (1,5 – 2,5 mg/kg Körpergewicht) in der ersten Stufe als stimulierendes und angenehmes „breit-sein“ vorstellen.
Bei einer stärkeren Dosis (2,5 – 7,5 mg/kg Körpergewicht) wird von einem Rausch berichtet, ähnlich dem von Cannabis oder Lachgas. Ab der dritten (7,5 – 15 mg/kg Körpergewicht) und vierten Stufe (>15mg/kg Körpergewicht) wird’s ernst: Extreme Rauschzustände mit audiovisuellen Halluzinationen, Außerkörperliche und Nah-Tod-Erfahrungen treten hier auf und hauen euch physisch und psychisch die Löffel weg. Obacht!
In dieser finsteren Ecke sollte man sich nur mit viel Erfahrung aufhalten. Nun ja, ansonsten klingt das doch ganz „spaßig“. Versteht uns da aber nicht falsch. Wir raten euch dringend davon ab, DXM zu nehmen. Ernsthaft, das Zeug ist kein Spaziergang und kann zu ernsten Folgen inklusive Psychose, Vergiftung und Tod führen.
Gerade der Langzeitkonsum führt euch schneller in die geschlossene Abteilung des örtlichen Krankenhauses als euch lieb sein dürfte. Wenn ihr dennoch nicht widerstehen könnt, informiert euch UM GOTTES WILLEN (!) vorher ausreichend, ihr Besserwisser.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir waren drauf. Ziemlich sogar. Denn für alle Vernünftigen da draußen kommt jetzt der interessante Teil. Der Selbstversuch in den heiligen Hallen unserer Redaktion.

 

tabletteneinnahme

Tabletteneinnahme

 

Donnerstagmittag, die perfekte Zeit für unnötige Experimente.
Nach einer kurzen und höchstwahrscheinlich exakten Berechnung der benötigten Dosierung Dextrometorphan-haltiger Hustentabletten (ca. 6 mg/kg Körpergewicht bzw. 7 Tabletten) konnte die wilde Fahrt für unsere Anzeigenexpertin und gute Seele der Redaktion, L., prinzipiell starten.
Pflichtbewusst wie sie nun mal ist, war die erste Reaktion nach der Einnahme folgende: „Mir geht’s super. Ich will auch eigentlich noch arbeiten.“
Etwa dreißig Minuten später sieht ihre Welt ein wenig anders aus. Leicht verwirrt und etwas abwesend verliert sie sich in den Weiten unserer Datenbank und fängt an, die ersten Namen nicht mehr zu finden. „Wo ist Kai?“ war zu diesem Zeitpunkt ihre Hauptsorge – für etwa 25 Minuten. Das Arbeiten fiel merklich schwerer.

 

beutelgate

Kein schwarzer Beutel

 

Dann ein emotionaler Tiefpunkt. Missverständnisse, ein entgangener schwarzer Stoffbeutel und noch mehr drogeninduzierte Missverständnisse sorgen für L.‘s erste, aber nicht letzte, Tränen an diesem Tag.
Tatsächlich beginnt zu diesem Zeitpunkt eine Gefühlsachterbahn, wie man sie nur selten erlebt. Die Tatsache, dass L. nicht mehr so recht weiß was sie denkt, ist offensichtlich.
Weinen wechselt sich mit Lachen und Kichern ab und die Koordination leidet mittlerweile auch sehr. Fürs Protokoll: Wir befinden uns jetzt bei etwa 2 Stunden nach Einnahme.

 

lisa hat spaß

 

Danach ist der (erste) Spuk vorbei, außer das L. über leichte Kiefer- und Halsschmerzen klagt. Sehr ironisch, wenn man bedenkt, was genommen wurde. Das Kurzzeitgedächtnis ist ebenfalls beeinträchtigt.
Unser Testsubjekt rennt recht plan- und ziellos durch die Redaktion und erklärt allen Anwesenden, wie ein Faxgerät funktioniert beziehungsweise wie es funktionieren sollte – ihrer Meinung nach. Die „Beutelgeschichte“, mittlerweile liebevoll als „Beutelgate“ bezeichnet, wurde bis zu diesem Punkt etwa fünf Mal erzählt.
Und ganz ehrlich, es wird jedes Mal witziger – zumindest für alle, die nicht auf DXM sind.
Dann, etwa drei Stunden später, die nächste Krise.
Jemand hat das letzte Klopapier verbraucht und keine neue Rolle hingestellt. Wir Schweine. Die Folge sind L.‘s zutiefst enttäuschte Tränen, schon wieder. Nachdem sie sich wieder einigermaßen gefangen hat, geht es für die Arme zurück an die ernsthafte Arbeit.

 

 

klopapier

Leere Klopapierrolle – traurig!

 

Die letzte Aufgabe des Tages lautet: Paket verschicken. Mal abgesehen davon, dass das Adressschild schräg an der Paketseite klebt, funktioniert das auch ganz gut. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als L. beim Spätkauf respektive Paketdienst  um die Ecke alles neu beschriften und bekleben muss.

 

päckchen

Es kam leider nie an

 

Erschöpft und semi-klar kehrt sie nach 45 Minuten und getaner Arbeit in die Redaktionsräume zurück.
Ehrlich gesagt hatten wir damit gerechnet, sie im nächsten Park aufsammeln zu müssen, aber das nur am Rande.
Gegen Ende des Trips machen wir das einzig Sinnvolle. Wir lassen L. mit einer Heißklebepistole Kunstblumenschmuck basteln. Niemand wurde verletzt.

 

Was am Ende bleibt, ist eine emotionale Achterbahnfahrt, das eine oder andere ratlose Kopfschütteln und die Gewissheit, dass auch der gute alte Hustensaft dir einen denkwürdigen und absolut verstrahlten Tag bescheren kann.

 

Die besten Sprüche:

 

–      „Bei dem Kopf-ding wird mir schwummrig…“

–       „Ich kann nicht mehr lesen, hab’s aber auch gar nicht versucht.“

–       „Meine Zähne klappern. Hört mal. Meine Zähne klappern. Hört mal. Meine Zähne klappern. […]“

 

Das Fazit unseres Opfe…äh, unserer Testperson:

 

„Kann man mal wieder machen. Gerne am Strand, wo dann keine fiesen Sachen passieren. Aber auf gar keinen Fall alleine, weil sonst wäre das voll fies, dass man keine Freunde hat und dann müsste man auch ganz, ganz viel heulen.“ (L.)

 

Christoph

 

Originally posted 2012-12-31 10:35:43.