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Es klingt wie aus einem Traum: unscharfe Dinge können ganz leicht scharf und ins richtige Licht gerückt werden. Leider bezieht sich diese Möglichkeit zwar nicht direkt auf Personen, aber Fotomotive sind immerhin einen Anfang.

Sie ist neu, sie ist innovativ und sieht so gar nicht aus wie eine Kamera. Mit der Lytro hat das gleichnamige US-Unternehmen die erste Lichtfeldkamera der Welt entwickelt. Das Gerät gibt dem Benutzer die bisher nicht dagewesene und ungewöhnliche Möglichkeit, den Fokus nach der Aufnahme festzulegen, ganz nach dem Motto: erst knipsen, dann fokussieren.

Ungewöhnlich ist nicht nur die Nachregulierung der Schärfe, sondern auch das Design. Die Lytro wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Bauklötzchen aus vergangenen Kindertagen, nur eben nicht aus Holz. Die elf Zentimeter lange und 200 Gramm schwere Röhre passt perfekt in die Hand und damit auch in jede Tasche. Auch im Bereich der Technik unterscheidet sich die Kamera von üblichen, uns bekannten Geräten. So besitzt die Lytro keine Kombination aus Objektiv und Sensor, sondern besteht aus einem Netz von Mikrolinsen. Diese Linsen haben den Vorteil, dass sie nicht nur die Farbe und Intensität, sondern auch die Richtung der einfallenden Lichtstrahlen aufnehmen können.  So sucht man bei der Lytro eine Megapixel- Angabe und damit eine grobe Qualitätseinordnung  vergeblich. Stattdessen wird die Lichtfeldauflösung in Megastrahlen (Megarays) angegeben.  Die elf Megastrahlen der Lytro sind jedoch nicht mit elf Megapixeln einer herkömmlichen Kamera vergleichbar, was zu einer leichten Verwirrung führen könnte.

Dafür hat die neue Lichtfeldkamera den herkömmlichen Vertreten Etwas voraus: sie nimmt keine starren Bilder auf, sondern knipst interaktive Fotos. Lytro nennt diesen Vorgang „Living Pictures“. Diese interaktiven Fotos besitzen, wie sollte es auch anders sein, ein eigenes Format. Für das sogenannte LFP-Format ist eine spezielle Software nötig, mit deren Hilfe die Wiedergabe und die Archivierung der erstellten Bilder mühelos von der Hand geht. Des Weiteren kann der Benutzer seine Aufnahmen auch als animiertes Gif oder natürlich auch als Jpeg-Format, mit einer Auflösung von 1080 mal 1080 Pixeln, speichern.

Die Bedienung der Lytro gestaltet sich etwas umständlich. So verfügt die Kamera zwar lediglich über zwei Knöpfe am Gehäuse, deren Bedienung sich auch für den größten Technik-Analphabeten leicht erschließen lassen dürften, jedoch geht dies auch mit mangelnden Einstellungsmöglichkeiten einher. Der Benutzer hat die Möglichkeit des Zoomens, der Verstellung der Belichtungsdauer und der ISO-Zahl. Erweiterte Einstellungsmöglichkeiten, beispielsweise  die einer Spiegelreflexkamera, sind nicht gegeben und könnten gerade für Profis fehlen. Der kleine Bildschirm der Kamera, dessen Größe sich aus dem Design der Kamera ergibt, ist gerade für grobmotorische Menschen schwierig zu bedienen. Kommen dann noch wurstige Finger ins Spiel, ist die Bedienung mehr als mühsam. Das Display ist nicht schwenkbar und gerade bei tieferliegenden Objekten lässt sich kaum auf den Bildschirm schauen. Dadurch bleibt oft nichts anderes übrig, als mehrmals hintereinander den Auslöser zu betätigen und ähnlich wie beim Roulette auf ein gelungenes Bild zu hoffen.

Die Technik befindet sich noch in ihren Anfängen und ist noch nicht völlig ausgereift. Nichtsdestotrotz  bietet die neue Lichtfeldtechnik der Lytro beeindruckende Möglichkeiten und eröffnet der Fotografie neue Wege. Mit etwas Geduld und etwas Geschick sind Aufnahmen zu erreichen, die mit keiner anderen Kamera möglich wären.

Auch in Deutschland ist die Lytro nun zu haben. So verkauft das Unternehmen Foto Meyer digital imaging GmbH in Berlin dieses Gerät. Wen der stolze Preise von 479 € für die Acht-Gigabyte-Variante abschreckt, der kann sich dort auch ein Modell zum Testen ausleihen. Auch Fotokurse für die richtige Handhabung bietet der Fotohändler Foto Meyer.
Die Kamera bringt einen gewissen Spaßfaktor mit sich, der gerade durch das ständige Suchen nach und dem Spielen mit geeigneten Motiven entsteht. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall!

Stefan

Originally posted 2013-10-15 19:43:35.