Im Jahre 2005 fing alles mit dem Video eines Zoobesuches an. Nun, 10 Jahre später, sind YouTube und Co. aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Schnell noch das neuste Musikvideo checken, die detaillierte Strickanleitung für die Topflappen angucken oder einem alten Rentnerehepaar beim Bequatschen alltäglicher Dinge zusehen – Onlinevideos machen alles einfacher und sind jederzeit von überall abrufbar. Dabei wächst die Zahl der hochgeladenen Videos stetig. Im Jahr 2015 werden pro Minute circa 300 Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen – über die Berechtigung mancher Videos lässt sich zweifelsohne streiten.

Der Hauptgrund für den enormen Anstieg hochgeladener Videos: Sie sind kostenlos zugänglich und stehen einem jeden zur Verfügung. Aber ist dies wirklich so?

Es folgt eine Adaption des Asterix-und-Obelix -Intros:

Wir befinden uns im Jahre 2015. Die ganze Welt ist von YouTube besetzt… Die ganze Welt? Nein! Ein von der unbeugsamen GEMA-Lizenzierungsbehörde bevölkertes Land hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Der Vollständigkeit halber muss an dieser Stelle gesagt werden, dass auch andere Länder (besonders die unter diktatorischer Führung) ebenfalls eingeschränkt bei der Wiedergabe bestimmter Videos, gar bevormundet werden – die Gründe dafür sind jedoch anderer Natur.

Gesperrte Videos auf YouTube: Deutschland ist führend

Fakt ist jedoch, dass Deutschland führend bei dem Verbot der 1000 weltweit beliebtesten Videos auf YouTube ist: 61,5% sind gesperrt. Im Südsudan sind es beispielsweise 15,3%, in Afghanistan 4,4% und in Spanien gerade mal 0,6%.

Hier gibt es nichts zu sehen: Gesperrte Videos auf YouTube

Der Grund sind rechtliche Probleme, genauer gesagt Lizenzbestimmungen der GEMA. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte ist eine staatlich gestattete Verwertungsgesellschaft, die die Nutzungsrechte aus den entsprechenden Urheberrechten ihrer Mitglieder (sprich der Künstler) vertritt. Soll heißen, dass wir bei Musikvideos, für die die benötigten Rechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden, in die Röhre schauen. Diese Urheberechtsgebühren beeinflussen jedoch nicht nur das Schauen von Online-Videos. Besonders die Nachtclubs haben infolge der neuen Gema-Tarife aus dem Jahr 2013 mit erhöhten Ausgaben zu kämpfen

Was rechtfertigt aber nun die Existenz der GEMA?

Auf der einen Seite ist deutlich, dass die Gema die Interessen ihrer Mitglieder vertritt. Sie kümmert sich um die Nutzungsrechte. Dieser Aufgaben können die Künstler alleine kaum nachkommen, da hiermit ein großer Aufwand verbunden ist.
So weit so gut. Tatsache ist jedoch auch, dass die Ausschüttungen aus den Lizenzgebühren an die Mitglieder mehr als undurchsichtig ist. Für die Mehrheit der Künstler ist die Mitgliedschaft ein Verlustgeschäft. Nun kann man leicht sagen, dass die Künstler doch schlichtweg die Mitgliedschaft verwehren und sich selbst um ihre Urheberrechte kümmern sollten, auch wenn dies mit gesteigertem Aufwand verbunden ist. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Musik wird meistens erst dann auf CD oder Vinyl gepresst, wenn alle Lizenzbestimmungen geklärt sind, also die Aufnahmen bei der GEMA angemeldet sind. Die Künstler haben folglich kaum keine andere Wahl, als sich bei der GEMA zu verpflichten. Dieser Anmeldungs-Zwang wird jedoch dadurch etwas gemildert, dass die Plattenverkäufe mehr und mehr zurückgehen und die Künstler nicht ausschließlich auf diese als Einnahmequelle eingewiesen sind.

Hier gibt es nichts zu sehen: gesperrte Videos auf YouTube

An der Vielzahl gesperrter YouTube-Videos wird sich in absehbarer Zeit wohl nicht viel ändern. Bleibt nur der Gang durch ein Hintertürchen, namens Unblocker (zu diesem wir an dieser Stelle natürlich ausdrücklich NICHT aufrufen) oder das Auswandern in eine anderes Land – woanders ist das Gras eh immer grüner.

Originally posted 2015-04-16 17:41:57.