Für Töchter gibt es ja üblicherweise so gut wie nichts, was Daddy nicht kann. Ob selbiger nun wirklich dazu fähig ist, er es bloß behauptet oder es ihm angedichtet wurde – Hubschrauber fliegen, Flusspferde stemmen, Gespenster vertreiben, Hydranten austrinken – so gut wie kein Problem.

Wirklich schwierig wird es meist dann, wenn Daddy Töchterchen frisieren soll. Also mehr als Haare waschen, trocknen lassen und kämmen. Manch Vater traut sich durchaus das Anbringen eines Zopfgummis zu, um des Kindes Haar in einer Idee von Frisur am Kopf zu befestigen. Sobald jedoch Geflochtenes gewünscht wird, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die lieben Kleinen als Prinzessin Salzbrezel oder Lady Hefezopf (Modell: Frisches-von-gestern) den Kindergarten oder die Schule betreten müssen.

Ein Schicksal, das manch Vater seiner Tochter ersparen möchte. Und so wird trainiert und geübt und frisiert und Fotos der haarigen Fortschritte von besonders aufmerksamkeitsheischenden Daddys veröffentlicht. Um anzugeben und natürlich um anderen Daddys zu signalisieren: auch Männer können den dreifachen Rittberger flechten!

Nicht mehr bloße Utopie: Daddy frisiert und du hast die Haare trotzdem schön

Daddy-Daughter Hair Factory

eines von Morgeses Frühwerken

Einer der Pionierflechter ist Philippe Morgese. Der Vater erlangte Online-Aufmerksamkeit, als er an seiner sehr geduldigen Tochter übte und nachfrisierte, was er dank Youtube Tutorials gelernt hatte. Kam natürlich super an. Bei der Tochter sowieso und in der Öffentlichkeit ja auch. Daddys die irgendwas machen, sind ja immer super. Um auch andere Daddys des töchterlichen Frisierens zu befähigen, gründete Morgese die Daddy-Daughter Hair Factory. Wissend, dass normales Haarstyling nichts ist, das Männer üblicherweise lernen, es Väter aber lieben, ihre Töchter glücklich und selbstbewusst zu machen, fragte Morgese in der benachbarten Kosmetikschule an, ob er dort eine Väter-Töchter-Nacht veranstalten dürfe, um sein Styling-Wissen zu teilen.

Von der Idee begeistert, stimmte der Besitzer der Schule zu und stellte Morgese die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung. Und nicht nur das: zusätzlich wurde er mit Wissen rund um die Haarstrukturen der verschiedenen Ethnien unterstützt, die die Kurse besuchen.Daddy-Daughter Hair Factory

Die Resonanz seit den ersten Kursen im Herbst 2015 ist überwältigend. Laut Morgese setzen die sich zusammen aus verheirateten Männern, die etwas mehr unterstützen wollen, und alleinerziehenden Vätern, die noch besser frisieren können wollen.

Innerhalb der ersten zwei Monate hatten bereits 100 Väter die Kurse besucht. Inzwischen hat die Facebook-Seite viele tausend Fans. Dank der Unterstützung der Kosmetikschule und der großzügigen Bereitstellung von Haarprodukten ist die Teilnahme an der Daddy-Daughter Hair Factory kostenlos.

Und ja – Mütter (und sicher auch einige Väter) frisieren ihre Kinder weitestgehend ohne öffentliche „Oh“ und „Ah“ und „Toll“-Bekundungen. Irgendwann gilt das Frisieren der eigenen Kinder hoffentlich auch für Väter als wenig beklatschenswerte Normalität. Aber wenn es diese „Ohs“ und „Ahs“ und „Tolls“ braucht, um es zu beschleunigen – bitte sehr: Oh. Ah. Toll.

Daddy-Daughter Hair Factory

Daddy-Daughter Hair Factory

Daddy-Daughter Hair FactoryFotos via someecards.com und facebook.