Spätestens im Jahre 2050 unterhalten Menschen romantische Beziehungen zu Robotern. Davon ist der Computerexperte David Levy überzeugt. Demnächst stünden uns also Hybridhochzeiten, (noch mehr) Beziehungsprobleme und eine komplizierte interpersonelle Kommunikation zwischen Mensch und Maschine bevor – eine sehr ernste Kiste. Derweil fokussiert sich die Sex-Industrie auf eine Annäherung der libidösen Art: Realbotix – weiblich, sprechend, Sexroboter – soll schüchternen Menschen innerhalb der nächsten zwei Jahre zum Verkauf und zum Ausleben ihrer Triebe angeboten werden. Hauptzielgruppe: Männer.

Ich kauf mir ein Weib: Realbotix, der 60.000-Euro-Sexroboter

Harmony ist der Realbotix Prototyp. Harmonys Kopf ist 10.000 Dollar wert. Mit Doppel-D Brüsten, sauber manikürierten Fingern und der glatten Plastik-Vagina, für die das ganze Drumherum schließlich hergestellt wird, werden Harmonys Schwestern am Ende bis zu 60.000 Dollar kosten. Geliefert werden sie in einer sarg-ähnlichen Kiste.

Mit ihrer künstlichen Intelligenz reagiert die sexuelle Siri – wahrscheinlich ausschließlich positiv – auf Ansprache und Abschleppversuche. Allzeit für sexuelle Aktivität bereit und im richtigen Moment abschaltbar. Für manche Männer sicher die perfekte Frau. Eventuell aber auch die einzige.
Entwickler Matt McMullen, seinerzeit Erschaffer der RealDoll, bringt die traurige Realität in einem Kurzfilm der New York Times ungewollt traurig auf den Punkt:

„Die Berechungen, die man für Sex braucht, sind sehr einfach. Das ist wie Rock Band spielen. Wenn du die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit drückst, kommst du durch’s Level.“

Er hat übrigens den High Score beim Rock-Band-Spielen, okay? Okay. Weiter im Text.

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„Ich liebe Frauen, aber ich bin nicht gerne mit Menschen zusammen.“

Vielleicht liegt es daran, dass wir ein „feministischer Hausfrauenblog“ sind – wir stehen den Realbotix Sexrobotern skeptisch gegenüber. Wenn Sexpuppen durch Gesprächs- und Reaktionsfunktion zunehmend vermenschlicht werden, stellt erotisches Beisammensein mit augenscheinlich realen Frauen offensichtlich kein Problem dar. Warum also nicht gleich ein paar soziale Anstrengungen investieren und sich eine/n Sexpartner/in aus Fleisch und Blut anlächeln oder, wenn’s denn sozial nicht klappt, käuflich erwerben?

Weil zwischenmenschliche Kommunikation schwierig ist, mögt ihr jetzt sagen. Wir fühlen euch, und ja, das stimmt – in vielen Fällen (die SLEAZE-Redaktion hasst Smalltalk). Ein begeisterter Nutzer der vermenschlichten Sexpuppe RealDoll beschreibt sein Problem in einer Reportage der Vanity Fair mit beinahe poetischen Worten:

„Ich liebe Frauen, am meisten mag ich ihre Beine – sogar fast mehr, als ihre Gesichter. Aber ich bin einfach nicht gerne mit Menschen zusammen.“

HAIL echte Frauen mit echten Brüsten und echten Silikonbrüsten

Trotzdem (oder gerade deswegen?) erscheint uns das Konzept der dezent gesprächigen Sexpuppe Realbotix irgendwie frauenverachtend. Warum wollt ihr uns nicht mit uns, den echten Mädchen, unterhalten? Warum kommen die Realbotix nur mit einheitlichen Körpern und gigantischen Boobs daher, wie sie außer Pornostars nur die wenigsten realen Frauen mit sich herumtragen? Und warum wird die Verursachung sozialer Komplikationen eigentlich so stereotypisch nur einem Geschlecht zugeschrieben?

Vielleicht ist technische Innovation nur dann fortschrittlich, wenn sie uns nicht zu faulen, asozialen Einzelgängern verkümmern lässt. Wenn Menschen durch Maschinen ersetzt und Frauen auf einem neuen Level objektifiziert werden, ist Fortschritt ziemlich sicher ein Rückgang. Und eventuell kennt Harmony, als artifizielle Intelligenz, die Antwort auf all unsere Fragen. Für eine Stellungnahme stand sie uns leider nicht zur Verfügung. Harmony, dein Vater. 

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Bildquelle: New York Times – Robotica

Originally posted 2015-06-24 16:45:30.