Der österreichische Dichter Ernst Ferstl sagte einst: „Jeder Mensch hat seine eigene Weltanschauung, aber nicht jede ist weltbewegend.“

Wir haben auch eine und präsentieren sie euch in unserer zyklisch erscheinenden Kolumne. Ganz schön vermessen, könnte man an dieser Stelle zu Recht anmerken. Aber so sind wir. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Damit hinter dem unpersönlichen „wir“ ein konkreter Name steht und ihr so direkt einen Ansprechpartner für Pöbeleien habt, schreibt Fred über Dinge, die die Welt (und ihn) bewegen und nimmt Stellung zu Meinungen, die polarisieren.

SLEAZE ihm seine Kolume: Drogen (im) Alter!

Kürzlich las ich irgendwo eine Kolumne, in der Leserfragen beantwortet wurden. Diesmal ging man der Frage nach, ob man irgendwann zu alt dafür sei „um mit Drogen anzufangen“.
Ich kann mich leider nicht daran erinnern, wo dies zu lesen war und habe den Text auch nirgends im Internet finden können. Mich interessiert nämlich vor allem, wer diese Frage stellte:

Vera, 46 hat früh geheiratet und zwei Kinder hintereinander bekommen, weshalb ihre Jugend und das frühe Erwachsenenalter von anderen Dingen geprägt waren als von Drogenexperimenten und Exzessen. Jetzt sind die Kinder langsam aus dem Haus und wenn ihr Harald wieder auf Montage fährt, kommt bei ihr allmählich Langeweile auf. Die meisten Hobbies und Beschäftigungsmöglichkeiten hat sie schon durch. Kürzlich hat sie etwas über diese neuste Partydroge gelesen, auf die die Kids scheinbar im Moment so sehr abfahren. Aber sie hat Bedenken, dass das eher was für die jungen Hüpfer ist. Daher wendete sie sich im Vertrauen an die Kolumnenschreiber irgendeiner Publikation. Die sind bestimmt auch alle jung und nehmen Drogen, da werden die sowas wissen.
Vielleicht war es so, oder ganz anders.

Zu alt? Im Gegenteil!

In der Kolumne wurde die Frage jedenfalls irgendwie „korrekt“ beantwortet, aber am Kern vorbei, wie ich fand.
Es ging größtenteils darum, ob man überhaupt Drogen konsumieren sollte und nicht lieber, wenn man doch jetzt schon so lange ohne Rausch ausgekommen sei, ganz die Finger davon lassen wolle. Im Text wurde dargelegt, dass Drogen im Allgemeinen keinen wirklich Mehrwert brächten.
Stimmt womöglich und auch ich möchte niemanden zum Drogenkonsum anhalten. Das kann und muss jeder für sich selbst entscheiden und die Erörterung nach Sinn und Zweck etwaiger Drogen, ihrer Wirkung, ihrem Mehrwert, Schaden und auch Nutzen füllt ganze Bücher. Dafür haben wir hier weder den Platz, noch ich die Lust.

Doch war die Frage auch gar nicht, was man so von Drogen hält und ob sie gut oder schlecht für uns sind, sondern ob man irgendwann zu alt dafür wird, mit ihrem Konsum zu beginnen.
Eine durchaus seltsame Frage, aber es gibt tatsächlich eine Antwort und sie lautet: Im Gegenteil!
Das Alter ist meiner Meinung nach der beste Zeitpunkt, um mit dem Drogenkonsum zu beginnen.

In der Jugend und Teenagerzeit befindet sich der Körper noch in der Entwicklung und auch die Psyche ist noch im Aufbau. Man kann also noch viel mehr kaputt machen und (negativ) beeinflussen.
Man übersteht die Schule, hört auf zu wachsen und gilt rechtlich und biologisch als ausgewachsen – also erwachsen. Doch mit all den Verpflichtungen und Jobs, die man dann so hat, ist eine ernsthafte Drogenkarriere harte Arbeit. Zumindest wenn man versucht weiterhin ein aktiver und produktiver Teil der Gesellschaft zu sein. Nicht mal nur im Arbeitsmarkt, sondern vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene in einer Gemeinschaft.
Ich setze hier übrigens etwas mehr „Konsum“ voraus, als nach Feierabend einen Joint zu rauchen, oder im Club mal eine Line zu ziehen.
Doch häufiges Hantieren mit Psychedelika oder Opiaten macht die Teilhabe an einer funktionierenden Gemeinschaft etwas schwieriger. Außer man lebt in einer Hippie-Kommune, dann ist das Grundvoraussetzung.

Es wird sicher Leute geben, die mir dahingehend widersprechen, irgendetwas einwerfen und sich daraufhin zurück an ihre Arbeit machen. Das ist natürlich auch diskutabel, aber die Diskussion sollte man mit einem Soziologen anfangen und nicht mit mir.
Doch im Rentenalter ist das ohne Frage anders.
Das Meiste hat man bereits hinter sich, Verpflichtungen gibt es zwar durchaus auch noch, aber im Großen und Ganzen hat man Zeit und Geld. Zumindest, wenn man das Ideal voraussetzt. In der Realität sieht das ja oft anders aus, leider.

Nichtsdestotrotz sind die grundlegenden Gegebenheiten besser, als in jungen Jahren.
Gut, vielleicht ist die jugendliche Rebellion und ihr Hedonismus nur halb so effektiv ohne Rauschmittel und wenn die Hüfte ächzt nutzt auch das beste MDMA nichts, um die Knochen zum Tanzen zu bewegen.
Denn da der Körper ab einem gewissen Alter sowieso Abnutzungserscheinungen aufweist und allmählich auseinander fällt, sind Auswirkung des Drogenkonsums womöglich weniger tragisch als während der Jugend. Immerhin muss man ihn danach noch eine ganze Weile benutzen.

Natürlich will euch niemand vorschreiben, was ihr zu tun oder lassen habt und ich gebe auch zu, dass das Argument, man könne kein Funktionierender der arbeitenden Gesellschaft mehr sein, wenn man Drogen konsumiert, klingt nicht nur spießbürgerlich sondern nahezu Großkapitalistisch. Genauer betrachtet ist das schon nicht mal mehr neoliberalistisch, sondern weit darüber hinaus. Aber wie dem auch sei – Ziel war es lediglich eine adäquate Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu finden und unter Einbeziehung der verschiedenen Faktoren ist das der stichhaltigste Rat, den ich geben kann.

Aber schon Goethe meinte: „Rat zu geben ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann.“

Originally posted 2016-06-16 17:10:16.