Der österreichische Dichter Ernst Ferstl sagte einst: „Jeder Mensch hat seine eigene Weltanschauung, aber nicht jede ist weltbewegend.“

Wir haben auch eine und präsentieren sie euch in unserer zyklisch erscheinenden Kolumne. Ganz schön vermessen, könnte man an dieser Stelle zu Recht anmerken. Aber so sind wir. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Damit hinter dem unpersönlichen „wir“ ein konkreter Name steht und ihr so direkt einen Ansprechpartner für Pöbeleien habt, schreibt Stefan über Dinge, die die Welt (und ihn) bewegen und nimmt Stellung zu Meinungen, die polarisieren.

Der Mensch ist um Ausreden nicht verlegen und drückt sich gerne um Sachen, die unangenehm sind, aber dennoch getan werden müssen. So wird oftmals lieber ein verzwicktes Ausreden-Konstrukt erbaut, als Dinge direkt anzugehen.

So ziemlich jeder von uns kennt folgendes Trauerspiel: An einem Montagmorgen um 7 Uhr klingelt der Wecker, das Bett ist wohlig warm, draußen ist es dunkel, regnerisch und kalt. In dieser Situation kommen unweigerlich die Gedanken — Gedanken des Liegenbleibens, des Verharrens in der Embryo-Position und damit des Erfindens einer Ausrede, die den Chef / die Chefin nicht allzu abstrus erscheinen mag. Ähnliche Situationen begegnen uns täglich, wenn nicht gar stündlich. Da stellt sich die Frage, ob die Welt mit Gegebenheiten gespickt ist, die uns dazu verleiten, Ausreden zu erfinden oder liegt es am Ende doch tatsächlich an uns selbst?

Ausreden

Der Weg des geringsten Widerstandes

Der Grund, Ausflüchte zu kreieren, ist oftmals der, arbeitsaufwendigen Dingen und streitgeschwängerten Konversationen aus dem Weg gehen zu wollen. Man versucht, sich das Leben so einfach wie nur eben möglich zu gestalten. Dabei sehen wir selten, dass gerade dieses Suchen nach Ausflüchten und Ausreden unser Leben nur künstlich aufbläht und es über alle Maßen verkompliziert.
Die Aufrechterhaltung und damit die Wahrung der Stimmigkeit der Ausreden, bedarf planerischen Geschicks und guten Erinnerungsvermögens. Wer heute schon nicht mehr weiß, was er/sie gestern zum Mittag aß, ist definitiv nicht in der Lage, eine oder gar mehrere Ausreden parallel aufrechterhalten zu können.
Generell lässt sich sagen, dass wir uns damit sowieso keinen Gefallen tun. Wir ziehen uns meist nur den Unmut unserer Mitmenschen zu und stecken gleichviel (wenn nicht sogar mehr) Energie in das Ausreden-Konstrukt, wie wir für die Erledigung der Aufgabe verbraucht hätten. Je mehr wir die Dinge auf die lange Bank schieben, desto kürzer wird diese — die Dinge holen uns später eh ein.
Aber so ist der Mensch. Er ist ein seltsames und äußerst komplexes Wesen. Alte Gewohnheiten werden nur schwer abgelegt, obwohl wir genau wissen, dass diese falsch und möglicherweise schädlich sind. Wir ziehen irgendwelche Gründe an den Haaren herbei.

Verantwortung übernehmen

Wir erfinden Ausreden, um einen Großteil der Verantwortung einfach von uns wegzuschieben. Wir schieben die Schuld auf Umstände, die außerhalb unserer Kontrolle liegen — zumindest reden wir uns das ein. Würden alle Menschen so denken, gäbe es keinen Fortschritt und Stagnation setzte ein.
Wenn wir die Dinge – sei es im Kleinen im Beruf oder im Großen (Warum wurde noch immer nicht zum Ökostromanbieter gewechselt,  obwohl sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen Atomenergie ausgesprochen wird) – angehen, dann bedarf es keiner Ausreden mehr. Sie kommen schlichtweg nicht mehr auf den Plan und sind damit nicht länger relevant. Das Leben mag dadurch zwar nicht einfacher werden aber es fühlt  sich zeitweise durchaus besser an. Wirklich schön ist es aber üblicherweise ohne Ausreden. Einfach mal ausprobieren und einen neuen Weg beschreiten.

Ausreden

Originally posted 2016-04-07 13:59:16.