Der österreichische Dichter Ernst Ferstl sagte einst: „Jeder Mensch hat seine eigene Weltanschauung, aber nicht jede ist weltbewegend.“
Wir haben auch eine und präsentieren sie euch in unserer zyklisch erscheinenden Kolumne. 
Ganz schön vermessen, könnte man an dieser Stelle zu Recht anmerken. Aber so sind wir.

Für die heutige Kolumne konnten wir einen echten Lyriker verpflichten. Falls sich noch irgendjemand entgegen allen zeitgenössischen Neigungen für tatsächlich lesbare Lyrik interessiert, sei hiermit darauf hingewiesen, dass ebensolche in erstaunlichem Ausmaß derzeit von einem gewissen Gaston Latz selbst ausgedacht und meistens dann auch noch zur Verbreitung auf Papier gesaut wird.

Dieser besagte Gaston entstammt dem beschaulichen Saarbrücken, schreibt seit seinem zwölften Lebensjahr, veröffentlichte bereits in hochklassigen Printmedien wie der Titanic, sein erster Gedichtband heißt „Mythos Ficken“ und nun ist er bei SLEAZE gelandet, um dort gesellschaftliche Themen, Alltägliches und was ihm sonst noch einfällt in Reimform zu rezipieren.
Warum er das tut, erklärt er schlüssig: „Irgendwie muss man sein bohèmehaftes Faulenzertum schließlich ideologisch unterfüttern.

SLEAZE ihm seine Kolumne: Ich warte auf den Herbst

Ich warte auf den Herbst
Voll Sehnsucht und Begehren
Der Sommer stresst mich derbst
Man kann sich gar nicht wehren:

Die Sonne ballert mies
Der Schweißgeruch ist eklig
Wie einst im Paradies
Trägt manche/r viel zu wenig

Der Himmel ist zu blau
Er sticht in Hirn und Augen
Die Sonne knallt wie Sau
Die Mücken wollen saugen

Die Sonne knallt wie Sau
– das hab ich schon geschrieben?
Ein Sonnenstich, genau!
Hat mich dazu getrieben

Die Nächte sind zu kurz
Und schwül, gewittrig, schwitzig
Und dauernd hat man Durz –
(Statt „Durst“ – ist das nicht witzig?)

Kurzum: es ist zu heiß
Die Leute sind zu fröhlich
Der Sommer: letzter Scheiß
Der Herbst: mein Herzenskönig

Die formidable Illustration des Titelbildes verdanken wir der großartigen Lana Petersen.