Vor allem bei heterosexuellen Männern beliebte Fantasie mit 56 Zeichen (inklusive Leerzeichen)? Zusehen, wie zwei oder mehr Frauen miteinander rummachen. Und was ist geradezu prädestiniert für den ungenierten Zusehspaß? Richtig. Ein entsprechender Porno muss her. Dieser sollte in Genitalfilmboutiquen vermutlich unter Lesbenporno-„L“ zu finden sein. Weil aber auch Spartenporno noch immer Porno ist, überraschte es kaum, hätten auch diese „Special-Interest-Filme“ wenig mit der (im statistischen Sinne durchschnittlichen) Realität gemein. Anzunehmen, dass es sich also auch hierbei um intellektuell problemlos zu bewältigende, an der Wirklichkeit vorBeischlafende Genitaldokus handelt (oder wie Yanah sich des neu erlernten Ausdrucks erfreut: um porny stuff).

Schöngeistiger Inhalt ist redundant, wichtig ist das Bedienen von Fantasien. So auch das oft von heterosexuellen Männern fantasierte lesbische Sexualleben (oder das miteinander-rummachender-Frauen, ob lesbisch oder nicht). Und genau diese männlich-heterosexuelle Interpretation ist eben jenen Pornos anzumerken.

Dieser Überzeugung sind jedenfalls die von der schwulen, globetrottenden You-Tube-Sensation Davey Wavey befragten echten Lesben. Jene bat der Meinungsforscher (oder so) im Rahmen seines Projektes „Real Lesbians React to Lesbian Porn!“ Filme wie “Teen Lesbian Sluts” oder “Lesbian Seductions” zu konsumieren und zu kommentieren. Sich dabei auf die Dialoge zu fokussieren, verbat sich ob des Genres. Aber auch nonverbal gab es für die lesbischen Testzuschauerinnen genug zu kritisieren. Noch unglaubwürdiger wäre wohl nur gewesen, den Cast der gezeigten Lesbenpornos mit durch ausschließlich männliche Darsteller zu besetzen. Denn nur, weil sich für Frauen entschieden wurde – also jener geschlechtlich eindeutig zuordenbare Gruppe, denen Lesben per se angehören – sind die Drehbuchlesben von Homosexualität wohl noch weiter entfernt als Berlin vom Hauptstadflughafen BER.

Und auch die Darstellung des Sexuallebens hat mit lesbischer Wirklichkeit nichts gemein. Den Lesbenpornos sei deutlich anzumerken, so die einhellige Meinung der Kritikerinnen, dass diese von Männern für Männer (und deren Lesben-Interpretationen) produziert wurden.

Als Beweise hierfür dienten unter anderem die Fingernagellänge der Darstellerinnen, die – Keratin- und Schmerzfetischisten mal ausgenommen – Frauen beim Liebesakt wohl ähnlich viel Freude bereiten, wie Männern irgendwas pfiffiges mit Zahnrädern an deren Genital.

Das eingefahrene wenig variierende Fingerspiel wurde ebenso kritisiert …

… wie fehlende Baumarkt-Reklame.

Und auch das halstiefe Versenken von Schuhen und anderen Objekten sei nicht eben ein Must-have beim lesbischen Liebesspiel.

Anscheinend aber in der Vorstellung der Produzenten und ihrer eigentlichen Zielgruppe, die mit Lesben und Homosexualität wenig gemein hat. Mal von der „Homo“ Sapiens – Zugehörigkeit abgesehen.

Originally posted 2016-01-16 13:55:21.