Die Gesellschaft ist dem Untergang geweiht! Es scheint nämlich so, als ob diese eine reißerische und vernichtende Schlagzeile benötigt, um auf Probleme aufmerksam zu werden, beziehungsweise um den größeren Zusammenhang hinter diesen zu erkennen. Schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser – das Volk (wir!) scheint nach ihnen zu gieren. So auch geschehen im Falle des SPD-Politikers Michael Hartmann. Ihm wird vorgeworfen, Crystal Meth erworben zu haben – die Aufregung und Empörung war groß. Im Zuge des öffentlichen Bekanntwerdens der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft werden alle Informationen und Fakten zum Thema Crystal Meth ausgepackt, die es so gibt. Die Welle des Interesses am Thema muss schließlich so lange geritten werden, bis sie brandet.
Ein durchaus positiver Nebeneffekt dabei ist aber, dass auch Bereiche der Berichterstattung in den Vordergrund treten, die sonst eher untergehen. So hat der Spiegel in seiner Onlineausgabe unter der Überschrift: „Drogenabhängig: Die Crystal-Meth-Babys von Leipzig“ die Schäden für Babys durch den Drogenkonsum während der Schwangerschaft nähergebracht. Micheal Hartmann ist schließlich schon groß und sollte auf sich selbst Acht geben können. Bei Babys ist das aber nicht der Fall. Sie benötigen den Schutz und die Fürsorge ihrer Mütter.

Die Krankenhäuser und Neugeborenenstationen in Deutschland müssen zunehmend Babys behandeln, deren Mütter vor und während der Schwangerschaft Drogen konsumieren. Dies hat schlimme und vor allem bleibende Folgen für das Neugeborene. Da die Babys im Mutterleib alles aufnehmen was die Mutter zu sich nimmt, werden sie direkt mit Drogen versorgt. Nach der Geburt tritt dann das Schlimmste ein: Der kalte Entzug. Dieser geht mit Entzugserscheinungen, welche oft schon 24 Stunden nach der Geburt einsetzen, einher. Dies ist viel zu viel für den kleinen Körper. Daher erfolgt eine Substitution – eine Behandlung mit Drogenersatzstoffen. Ist diese nötig, lässt sich der Gebrauch des Wortes „Drogenkind“ nicht mehr vermeiden, da das Baby die Ersatzstoffe zur Ruhigstellung benötigt. Ohne diese wäre beispielsweise ein Füttern gar nicht möglich. Anschließende Minderungen der Dosierungen können sich Monate hinziehen. Danach ist das Kind aber nicht über den Berg. Der Drogenkonsum während der Schwangerschaft führt zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Das Baby muss ständig gegen Unterentwicklungen kämpfen. Ohne Substituierungen geht es jedoch auch nicht – Krampfanfälle und Atempausen wären die Folge.

Besonders in Sachsen wird der Drogenkonsum von Schwangeren mehr und mehr zu einem Problem: Alle 2 Jahre verdoppelt sich dort die Zahl von Drogenkindern.

Die Auswirkungen von Crystal sind fatal und sollten nicht erst durch eine in der Öffentlichkeit stehenden Person thematisiert werden. Aus einem anderen Blickwinkel sind die Schlagzeilen jedoch wiederrum gut, da auf diesem Weg solch heikle Themen Teil der öffentlichen Diskussion werden und so ein Denken und Reflektieren über den Tellerrand hinaus erfolgen – zumindest bei einigen.

Spiegel Online: „Drogenabhängig: Die Crystal-Meth-Babys“

Originally posted 2014-07-25 15:03:38.