Bizarre Syndrome sind in erster Linie eines: bizarr. Gleich danach sind sie leidig, nervig und zu allem Übel manchmal sogar tödlich. Alles nicht sonderlich erstrebenswert.

Militanten Optimisten würden wohl trotzdem zwei Vorteile einfallen:

1) probates Mittel, um von eigenen Minderbegünstigungen abzulenken, sodass diese nur noch halb so schlimm wirken. Sowohl auf einen selbst als auch auf die Außenwelt.

2) bei Kenntnis der Symptomatik können Symptome als Begründung dienen, wo es an Ausreden mangelt. Üblicherweise jenen, die von den Syndromen nicht betroffen sind, sich aber das Wissen darum zunutze machen. Beispielsweise, um sich ein Attest zu erschleichen.

Wer bei Eigenbrauer, Lost-Penis und Co. nicht fündig geworden ist, fühlt sich vielleicht von folgenden bizarren Syndromen und damit einhergehender Symptomatik inspiriert:

1. Post Orgasmic Illness Syndrome (POIS)

Unter POIS ist eine Reihe meist grippeähnlicher Symptome zu verstehen, die nach dem männlichen Samenerguss auftreten. Fieber, Augenbrennen, Schüttelfrost aber auch Konzentrationsschwäche, Erschöpfung und Gereiztheit kommen vor. Üblicherweise geschieht dies innerhalb von 30 Minuten nach dem Samenerguss. Zwei bis sieben Tage hält dieser Zustand dann an. Bei Männern, die vom POIS betroffen sind, treten die Symptome fast nach jedem Samenerguss auf. Also bei manchen vermutlich mehrmals die Stunde.

denkbarer praktischer Nutzen:

  • diagnoseschlüsselkonforme Absage an die beizubeschlafende Person
  • auf Attest ein paar Tage aus dem Verkehr ziehen lassen

2. Blue man Syndrome (Argyrie)

Ob Paul Karason vom Eiffel 65-Synapsenzerbrösler „Blue (Da Ba Dee)“ genervt war, ist nicht bekannt. Wenn, dann aber womöglich aus anderen Gründen als die meisten.

Bizarre Syndrome und ihr praktischer NutzenUm seine Dermatitis in den Griff zu bekommen, hatte Karason kolloidales Silber geschluckt. Wie beabsichtigt führte die eigenmächtig dosierte Behandlung dazu, dass die Dermatitis verschwand. Gleichzeitig aber auch die ihm vorher typische Hautfarbe. Durch die Silbereinlagerungen nahm seine Haut einen Blauton an, was ihm den verhassten Spitznamen „Papa Schlumpf“ einbrachte. 2013 verstarb Paul Karason.

denkbarer praktischer Nutzen: Entwicklung neuer Denkansätze, beispielweise „Lieber mit Dermatitis leben als ohne sterben.“ oder „Mit blauer Haut fällt man deutlich mehr auf, als mit entzündeter.“.

3.Witzelsucht

Redaktionsbekanntes Syndrom. Leiden wir quasi alle dran. Obwohl. Wirklich leiden müssen bei der Witzelsucht erstmal andere. Bis nämlich der Zwang, ständig unangebrachte Bemerkungen in unpassenden Momenten zu machen, pausenlos sinnfreie Geschichten zu erzählen, immerzu sexuelle Kommentare und Wortspiele von sich zu geben, vereinsamen lässt, sind in erster Linie ja die genervt, die sich das die ganze Zeit anhören müssen.

Erst, wenn auch die letzten die Nase und die Ohren voll haben, kommt die Vereinsamung. In dem Fall vereinsamen wir im Plural.

denkbarer praktischer Nutzen / Vorteil: Man selbst lacht am längsten.

4. Aquagene Urtikaria: Wassernesselsucht

Bizarre Syndrome mit praktischem Nutzen

Das „M“ steht wohl nicht für Wasser.

Wer an Wassernesselsucht leidet ist gut beraten, Wasser zu meiden. Besonders in flüssiger Form. Denn sonst ist das Risiko, dass die Haut innerhalb von 1-15 Minuten mit Nesselausschlag reagiert, höher, als Berlin breit ist. Nach dem Ausschlag ist vor dem Jucken. Nach dem Jucken ist vor dem Schmerz. Ein Pot-pourri an Symptomen, von denen keines auch nur ansatzweise adoptierenswert klingt.

denkbarer praktischer Nutzen: willkommene Ausrede für jene, denen nicht eben Hygieneeifer vorgeworfen werden kann.

5. Prosopagnosie

Bizarre Syndrome mit praktischem NutzenProsopagnosie-Betroffene können Personen nicht anhand deren Gesichter erkennen. Auch dann nicht, wenn die Person ihnen nahesteht. Räumlich und / oder emotional. Die Einschränkung kann entweder angeboren sein oder Folge einer späteren Hirnschädigung sein. Da Prospagnosia-Patienten mit Gesichtern nichts anfangen können, empfiehlt es sich zwecks Identifikation auf Codes und Kosenamen zu einigen. Es sei denn der Kosename ist Schatz.

denkbarer praktischer Nutzen: #YOLOProso für Menschen, die gern fremdgehen.

6. Cotard-Syndrom

Lustig am Cotard Syndrom (auch: nihilistischer Wahn) ist erstmal nichts. Bis dann Wikipedia kommt und erklärt, dass damit ein Krankheitsbild bezeichnet ist,

„…, bei dem die betroffene Person irrtümlich davon überzeugt ist, dass sie tot sei, nicht existiere, glaube zu verwesen oder ihr Blut sowie innere Organe verloren zu haben.“

Irrtümlich! Wiki. Also ehrlich. Im Gegensatz zum Cotard-Syndrome bist Du ein lustiges Ding.

denkbarer praktischer Nutzen: Rechtfertigung für quasi alles. Sky isn`t the limit. Muss man sich allerdings nicht wundern, wenn da mal wer drüber gucken will.

7. Stone Man Syndrom (Münchmeyer Syndrom):

Die Tatsache, dass aus der Bezeichnung „Stone Man Syndrome“ nicht hervorgeht, dass nicht nur Männer von dieser Krankheit betroffen sind, ist bei Weitem nicht das größte Problem. Das nämlich ist das Syndrom selbst, bei dem das körpereigene Binde- und Stützgewebe nach und nach verknöchert. Bizarre Syndrome und ihr praktischer Nutzen

Die Krankheit, die eigentlich Fibrodysplasia ossificans progressiva (FOP) heißt, ist vererbbar. Verkürzte und verdrehte große Zehen der Füße sind als Anzeichen bereits nach der Geburt erkennbar. Auslöser ist ein fehlendes Abschaltsignal für ein Gen, welches das Skelettwachstum steuert. Das führt dazu, dass es bei der Wundheilung nicht zur Bildung von Narbengewebe kommt sondern zur Bildung neuer Knochen. Selbst kleinste Verletzungen führen dazu, dass der Körper langsam versteift.

denkbarer praktischer Nutzen: Uns nicht bekannt. Leider wird es auch Nutzloses weiterhin geben. Nazis gibt es ja bedauerlicherweise auch noch.

Originally posted 2015-10-13 10:58:07.