Stell dir vor, es ist Semesterstart und alle bringen brav ihre Dildos mit. Zu einer eher ungewöhnlichen Semesterauftaktveranstaltung luden am Mittwoch die Cocks, not Glocks (Penen statt Waffen) Protestinitiierenden an der University of Texas in Austin. Mit hunderten von Dildos sollten die Studierenden der Uni gegen das neue  Waffengesetz ‚Campus Carry‘ demonstrieren, das Studierenden ab 21 Jahren mit einer entsprechenden Lizenz die Mitnahme einer Handfeuerwaffe in den öffentlichen Räumen der Uni erlauben soll. Gar nicht mal so eine gute Idee, fand man auf dem texanischen Campus und beschloss, die Genitalien zum Protest aufzurüsten. An mehreren Informationsständen gab es Plastikpenen für umsonst und den Ausdruck des Unmutes über das neue Waffengesetz. Mehr als 5.000 Dildos, allesamt gespendet von Sexshops, wurden in den ersten fünf Tagen der Campus-Demonstration verteilt.

„Wir haben hier viele verrückte Gesetze, aber dieses ist bei weitem das verrückteste. Du darfst deinen Dildo nicht mit zur Uni bringen, deine Waffe aber schon. Wir versuchen hier nur, Absurdität mit Absurdität zu bekämpfen.“, erzählt die Studentin Rosie Zander im Gespräch mit The Guardian.

Tatsächlich ist die Mitnahme von Sexspielzeug an der Universität verboten. Um die allgemeine Unschuld zu bewahren und brave junge Menschen nicht vom rechten Bildungsweg abzubringen. Der Verstoß wird mit bis zu 500 US-Dollar Strafe gehandelt. Und außerdem: Mehr als sechs Dildos darf man in Texas eh nicht besitzen – so steht es im Gesetzbuch.

Cocks, not Glocks – Mit Penen Politik machen

Die Bewegung Cocks, not Glocks hatte im vergangenen Jahr Jessica Jin ins Leben gerufen. Durch die Mitnahme von Dildos auf den Campus wollte sie gegen die Normalität im alltäglichen Umgang mit Waffen ankämpfen und auf die Absurdität der texanischen Waffengesetze hinweisen. Warum sind Penen an Rucksäcken ein Problem, Waffen in Hörsälen aber nicht?

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Jessica Jin ist die Initiatorin von Cocks, not Glocks. Foto: Instagram / marshalltidrickphoto

So richtig gute Argumente für ‚Campus Carry‘ konnten selbst die Befürworter und Befürworterinnen nicht aufbringen. Man müsse die Waffengesetze in Texas dem nationalen Niveau anpassen, und außerdem betreffe die Applikation des Gesetzes nur sehr wenige Studierende der Universität. Wie schön, dass nun endlich auch Minderheiten gehört werden!
Kritiker und Kritikerinnen halten mit der Sorge über eine Einschränkung der kritischen Rede und einem allgemeinen Unwohlsein dagegen. Der demonstrierende Miguel Robles fasst zusammen: „Nach ‚Campus Carry‘ kannst du nicht mehr sicher sein, ob du in einer Veranstaltung frei diskutieren oder streiten kannst. Wenn sich jemand dadurch über die Maße angegriffen fühlt, entlädt sich die Gewalt in einer ganz anderen Form. Es ist sehr nervenaufreibend, und ich kenne niemanden, der das neue Gesetz gut findet.“

Die Uni stellte sich den Protesten um Cocks, not Glocks bisher nicht in den Weg. Anlässlich der politischen Botschaft sei das Mitführen von Dildos in Ordnung. Selbst Lehrende sprechen sich mittlerweile gegen ‚Campus Carry‘ aus. Die Protestierenden hoffen derweil auf eine nachhaltige Veränderung als Reaktion auf den Penis-Protest. Und ein bisschen mehr positive Gefühle gegenüber Plastikpenen wären doch auch schön.

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Foto: Instagram / sailorpoonband

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Foto: Twitter / germanglasseye

Beitragsbild: Instagram / mgutjr

Originally posted 2016-08-26 17:01:09.