Unter den Straßen Bukarests gibt es ein Netzwerk aus Tunneln, von dem überirdisch niemand etwas ahnt, und dort unten leben unter furchtbarsten Zuständen tatsächlich Menschen. Liest sich wie der Anfang eines Thrillers aus dem 19. Jahrhundert? Ist aber echt, und passiert genau jetzt und jetzt und jetzt und jetzt auch!

Der britische TV-Sender Channel 4 hat ein paar seiner Journalisten nach Bukarest geschickt und sie in die engen Tunnel, manchmal nur schulterbreite Löcher, kriechen lassen. Dabei heraus kam eine etwa 12-minütige Doku, die vor allem die Frage aufwirft, wie ein EU-Land Menschen unter solchen Bedingungen „leben“ lassen kann.

 

Die Bewohner dieser dunklen, heißen Tunnelsysteme unter der rumänischen Hauptstadt sind Männer, Frauen und Kinder, drogenabhängig und alle HIV positiv, ein Viertel leidet dazu an Tuberkulose. Sie sind Verstoßene und oft haben sie Schlimmeres hinter sich als dort unten – geschützt vor Wetter, Justiz und den abschätzigen Blicken des Restes der Gesellschaft – zu leben.

Viele von ihnen sind herangewachsene ehemalige Waisenkinder. Zehntausende waren es,  die unter dem Diktator Nicolae Ceaușescu bis zu dessen Fall in Waisenhäusern und der „Pflege“ des Staates unter allen möglichen Arten von Gewalt leiden mussten – von konzentrationslagerähnlichen Zuständen ist oft die Rede.

 

In den Tunneln finden die Leidensgenossen eine Art Familie. Sie kennen einander, verurteilen nicht, leben gemeinsam und Sorgen auf ihre eigene, verschrobene Art für einander. Allen voran ein Mann, den sie Bruce Lee nennen. Er versorgt sie mit Drogen – vor allem Tüten gefüllt mit der Metallfarbe Aurolac zum inhalieren – und sieht sich als Unterstützer und Vorstand der Untergründigen. Fast stolz führt er die Channel 4-Journalisten durch sein Reich, doch setzt er auch nur einen Fuß über die Erde, wird er zum nervösen Nervenbündel, das heftigst in seine Tüte mit Aurolac atmet.

So idyllisch es klingt, so furchtbar sind die Zustände im rumänischen Untergrund, doch lassen wir die Bewegtbilder sprechen:

Jetzt, da ihr hoffentlich alle das Video gesehen habt, möchte ich euch noch eine Hausaufgabe zum philosophieren und ärgerlich werden mit auf den Weg geben. Denkt doch mal bitte über folgendes nach:

Wie kann es Menschen unter furchtbarsten Zuständen unter der Erde lebend immer noch besser gehen als in unserer angeblich funktionierenden überirdischen, europäischen Gesellschaft? Was sagt das über uns und unser Umfeld?

(Ja richtig, es hat etwas damit zu tun, dass wir in einer ekelhaften Welt leben!)

 

Originally posted 2014-06-16 20:21:35.