Der SLEAZE Plattenteller im August: Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE Plattenteller im Oktober Teil 2!

Heute mit Mogwai, John Grant, Hurts, Here We Go Magic und The Dead Weather!

Mogwai – Central BeltersDownload

Label: Rock Action
VÖ: 09.10.2015

Genre: Post-Rock
Klingt wie: ihre komprimierte Diskografie

Mogwai feiern ihr 20 jähriges Bandjubiläum mit einem Box-Set. Ein Best-of etwa? Gewissermaßen  schon, denn warum sollte man sich die Mühe machen, die mittelmäßigsten Songs rauszusuchen und auf drei Cds zu pressen? Vielmehr handelt es sich bei Central Belters um eine Retrospektive, die das, was sie in den letzten zwei Jahrzenten fabriziert haben zusammenfasst. Es wird das große Ganze abgebildet. Bei Mogwai bedeutet das Piano, Krach, Gitarren und Kontraste. Neben Highlights aus den vergangenen Alben wurden auch einige Raritäten in der Werkschau versammelt. Ein Querschnitt durch Mogwais musikalisches Schaffen gleicht dem Aufbau ihrer Songs. Ohne klare Songstrukur, aber dennoch von einem roten Faden durchzogen. Mal leise, mal laut und von ausuferndem Feedback getrieben, meistens instrumental, aber hin und wieder mit verhaltenem Gesang. Songs auf der Grenze zwischen sperrigem Lärm und filigranen Melodien.

(Fred) 

8/10

John Grant – Grey Tickles, Black PressureDownload (1)

Label: Pias Coop/Bella Union
VÖ: 09.10.2015

Genre: Elektronischer Singer/Songwriter-Indie
Klingt wie: Bruce Springsteen, Beck, Robbie Williams und Woodkid, die in Island in einer heißen Quelle jammen

Wenn einer wie John Grant um die Ecke kommt, können alle gehypeten Newcomerbands einpacken. Und damit möchte ich nicht sagen, dass John Grant alt ist. Er ist genau im richtigen Alter für grandiose Musik! „Grey Tickles, Black Pressure“ klingt ganz anders als seine Vorgänger und trotzdem irgendwie sehr ähnlich. Und genau das ist es doch, was die gestandenen Musiker ausmacht. Sie erfinden sich neu, nehmen wie Grant andere Einflüsse aus HipHop und Elektropop mit, experimentieren mit Effekten und Co und bleiben trotzdem unverkennbar sie selbst. Man kann gar nicht festmachen, ob die Platte nun leichter oder noch schwerer ist als ihre älteren Brüder, Fakt aber ist, dass auch hier wieder Grants zynisch-sarkastisches Textertalent und sein Hang zum unauffälligen Pathos mit handgemachten und synthetischen Klängen ein herzzerreißend warmes Ganzes bilden. John, ich will ein Kind von dir!

(Kirsten)

10/10

Hurts – Surrenderhurts_-_surrender_360

Label: Four Music
VÖ: 9. Oktober 2015

Genre: Synthie-80er-Pop
Klingt wie: „Kommt, lasst uns keinen Spaß haben!“

Das Album startet und ich werde überschüttet mit DUBIDUBIDU und LALALALA und OHOHOHOHOHO. Keine gute Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung, wenn ich schon nach dem dritten Song extrem genervt bin. Frauenchöre, DUMDIDUM und nerviges Gedudel. Warum bitte werden diese beiden Herren so gefeiert? Um fair zu bleiben, das ganze Album klingt sauber durchproduziert und mit Sagrotan desinfiziert. Man kann es ohne Probleme im Fahrstuhl oder an der Kühltheke abspielen, ohne dass es Beschwerden geben wird. Tiefkühlpizza kann sich schließlich nicht wehren.

(Yanah)

4/10

Here We Go Magic – Be SmallSLEAZE - Plattenteller im Oktober Teil 2

Label: Secretly Canadian
VÖ: 16.10.2015

Genre: Indie-Rock
Klingt wie: Siegfried und Roy ohne die weißen Tiger

Here We Go Magic sind zurück. Drei Jahre nach ihrem durchaus gelungenen Vorgänger  A Different Ship wirft das Trio aus New York nun einen neuen Langspieler auf den Musikmarkt. Eine Sache wird dabei sofort deutlich: Die Band hat sich weiterentwickelt und ihren Sound verändert. Waren die drei Jungs in der Vergangenheit noch für einen träumerischen und psychedelischen Sound bekannt, so liefert Be Small einen eher düsteren Indie-Pop-Mischmasch. Aber keine Angst. Wer die Band von früheren Veröffentlichungen kennt, muss keinen 360 °-Wandel befürchten.  Auch die bandtypischen eingängigen Melodien sind wieder vorhanden. Alles wird jedoch durch nacheinander erklingende Gitarrenakkorde, antreibenden Drums und einem E-Piano-Sound untermalt. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie will trotzdem die Magie nicht so recht auf mich übergehen.

(Stefan)

6/10

The Dead Weather – Dodge and Burn160x160

Label: Third Man Records
VÖ: 25. 09. 2015

Genre: Rock
Klingt wie: Ein Waldbrand, der nicht gelöscht werden will

Jack White, der alte Workaholic. Es scheint fast so als hätte der Musiker aus Detroit überall die Finger im Spiel. Bei seinem Xten Bandprojekt The Dead Weather hat er sie jedenfalls zum dritten Mal an den Drum Sticks. Und das klingt bei ihm nach „Ich lass mal wieder richtig die Sau raus“. Endlich mal wieder. Ist White doch seit der Auflösung der weißen Streifen als Solokünstler deutlich sanfter geworden. In Kombination mit The Kills Sängerin Alison Mosshart, City and Colour Bassist Jack Lawrence und Queens of the Stone Age Gitarist und Keyboarder Dean Fertita klingt das aber wieder mächtig und aggressiv. Genauso, wie es The White Stripes-Fans eben mögen. Was das Ganze aber so besonders spannend macht, ist, dass jeder der vier Musiker seinen ganz speziellen und eigenen Stil mitbringt und davon im Zusammenspiel miteinander nicht runter zu steigen scheint. Ein musikalischer Faustkampf mit lautem, manchmal fast schon unheimlichem Aus(klang)gang.

(Mariella)

9/10

Originally posted 2015-10-09 17:27:59.