Die Banane ist gleich nach dem Apfel die meistverzehrte Frucht in Deutschland. Sie ist gesund, da sie die ideale Mischung aus Kohlenhydraten und Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium enthält. Ein weiterer durchaus wichtiger Punkt, der für den Siegeszug der Banane verantwortlich ist, ist der Preis. Seit fast 20 Jahren befindet sich dieser auf einem konstanten Niveau. Einen erheblichen Anteil daran tragen die Discounter in Deutschland, die in den vergangenen Jahrzehnten wie Pilze aus dem Boden sprossen.

Rund 90 Prozent der Bananen werden in Deutschland bei den fünf großen Supermarktketten Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro verkauft – oft für weniger als einen Euro pro Kilo. Die großen Discounter expandieren, ihr Einfluss wächst. Dabei gilt das Gesetz der Marktwirtschaft: Nur wer fortlaufend große Warenmengen in sehr guter Qualität und zu niedrigen Preisen anbieten kann, bleibt im Geschäft. Der Konsument will so wenig wie möglich bezahlen, und das bitte nur für sehr gute Qualität.

Selbstredend hat die EU auch für Bananen eine Vorschrift geschaffen. Die Verordnung (EG) Nr. 2257/94 beschreibt die Eigenschaften und Klassifizierungen eingeführter Bananen rechtlich und verbindlich. So müssen in die EU importierte Bananen eine Mindestgröße von 14 cm und eine Dicke von mindestens 27 mm aufweisen. Die Schalen müssen frei von Flecken, Druckstellen, anderen äußerlichen Schäden und natürlich Schädlingsbefall sein. Die Supermärkte akzeptieren nur komplett mangelfreie Bananen. Besonders bei tropischen Temperaturen ist die Vermeidung von Schädlingsbefall äußerst schwierig. Aus diesem Grund setzten die Bananenproduzenten jahrzehntelang hochgiftige Pestizide ein. Die Arbeiter wurden vor diesen jedoch nicht geschützt. Im Laufe der Zeit trat allerdings eine Verbesserung dieser Bedingungen ein. Ein erheblicher Grund dafür waren die weltweiten Proteste der Konsumenten. Seither werden auf den großen Plantagen unabhängige Kontrolleure eingesetzt. Auch werden beispielsweise weniger giftige Mittel und Plastiktüten, die die Stauden umschließen, verwendet. Gesprüht wird allerdings noch immer. Die Mittel sickern dabei in den Boden und verunreinigen das Trinkwasser. Umweltschonendere Verfahren sind aufwändig und sehr teuer. Es zählt nur der Profit.

Dies hat weitreichende Folgen. Lieferanten und Erzeuger werden von den Supermarktketten im Preis gedrückt, unfaire Konditionen in die Verträge diktiert. Für Kleinbauern ist der Bananenanbau schlichtweg nicht mehr rentabel.

Der Bananenmarkt wird zu 75 Prozent von den multinationalen Firmen Chiquita, Dole, Del Monte, Tyffes und Noboa kontrolliert. Aber auch diese Firmen bekommen den Einfluss der Supermärkte zu spüren. Weltweit spricht man bereits von dem sogenannten Aldi-Preis. Das Einkaufsvolumen der Ketten ist inzwischen so groß geworden, dass sie den Preis bestimmen können. Aldi macht den Preis – er unterliegt nicht den Gesetzen des Marktes. Das Kuriose und zugleich Erschütternde an der Sache: Die Supermärkte verdienen kaum etwas an der krummen Frucht. Die günstigen Bananen sollen die Kunden lediglich in den Laden ködern – die Banane als Verlockung. Wir als Verbraucher können an dieser Lage etwas ändern, denn wir als Konsumenten haben die Macht, zu entscheiden, was wir kaufen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist beispielsweise beim Kauf auf Bio- und Fairtrade-Siegel zu achten. Das Gütesiegel der Rain Forest Alliance steht für bessere Umweltbedingungen, faire Löhne und bessere Produktionsbedingungen. Dies schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Mit jedem Kauf hat jedoch der Kunde die Wahl, das für Lebensmittel zu zahlen, was sie wirklich wert sind.

 

Originally posted 2014-06-11 12:32:31.