Übermorgen ist es wieder soweit: Zum einen, wie jede Woche um die Zeit, Sonntag – zum anderen, wie jedes Jahr am 17. Mai, IDAHOT: Der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie.

Seit 2005 wird dieser Tag (ursprünglich noch als IDAHO – das Transphobia-T kam 2009 hinzu) auf Initiative des französischen Aktivisten Louis George-Tin begangen, um Respekt für Schwule und Lesben einzufordern.

Der IDAHOT ist nicht zufällig so gelegen, weil der 17.05. halt noch nicht anderweitig gebucht war. Vielmehr wird damit dem Tag gedacht, an dem im Jahr 1990 Homosexualität als psychische Krankheit von der Liste der Weltgesundheitsorganisation gestrichen wurde.

Irgendwie wurde dabei jedoch vergessen, stattdessen Homophobie und Transphobie aufzunehmen. Und das, obwohl jenen an derartigen Phobien Leidenden durchaus ein psychischer Defekt beachtlichen Ausmaßes (ugs. Dummheit) bescheinigt werden kann. Und soll. Und muss.

Phobieten müsste man diese Phobien – ein für alle mal!

Da wir unmöglich alle Idiotien der homo-/transphoben Defizitärorristen auflisten können, ohne dass uns (der Arsch und) die Seite platzt, präsentieren wir, komplett frei von Stolz und Anerkennung, ein Madley aus der Phobie-Sad-List 2014 / 2015:

Religion schlägt Homosexualität

Im US-Bundesstaat Indiana ist es aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit möglich, Homosexuelle ganz offiziell zu diskriminieren. Wer sich auf Beeinträchtigung der eigenen religiösen Praxis beruft und darauf, deswegen Skrupel im Umgang mit Nicht-Heterosexuellen zu haben, kann SOWELCHEN den Arbeitsplatz oder die Bedienung verweigern.

Apples homophobe Russland-Siri

Apples Sprachdienst Siri schämt sich in der russischen Version bei Fragen zu Homosexualität. Wie das Experiment eines in England lebenden Russen veranschau(der)licht, sind die Äußerungen der Software, nach Schwulenclubs oder der Homo-Ehe gefragt, homophob. Apple erklärte, dass es sich bei den Antworten um einen Programmierfehler gehandelt habe. Dieser wurde mittlerweile behoben.

Trotz neubespielter Siri wird Homophobie in Russland auch weiterhin großgeschrieben. Dafür trägt nicht zuletzt das 2013 erlassene Gesetz zum Verbot von Homosexuellen-Propaganda (falsch verstandene) Sorge.

Der Wiener Zungenpritschler

Wiener Zungenpritschler_Café Prückel

© TZ ÖSTERREICH/ Artner

Nachdem sich ein lesbisches Pärchen im altfragehrwürdigen Café Prückel in Wien nicht etwa nur zwickerbusserlte sondern solide zungenpritschelte, verwies die Geschäftsführerin die zwei Frauen des Hauses. Zwei weg –  zweitausend hin. Denn in etwa so viele Personen waren es, die sich unter der „Küssen im Prückel“ gehashtaggelten und gefacebookelten Veranstaltung mit den  beiden Frauen solidarisierten und mit ihnen vor dem Traditionskaffeehaus für Akzeptanz und Toleranz demonstrierten, zwickbusserlten und zungenpritschelten.

Don`t hate the gaYme – die Out-on-the-Fields-Studie

Auch beim Sport wird mit Homosexualität nicht gerade sportlich umgegangen, wie die Studie „Out-on-the-Fields“ ergab. An der bisher größten Online-Umfrage zur Diskriminierung homosexueller Sportler nahmen 7.000 Homosexuelle und 2.5000 Heterosexuelle Hobby-Athlet_innen aus Großbritannien, Irland, USA, Kanada, Australien und Neuseeland teil. 83 Prozent der Befragten gaben an, dass Witze auf Kosten homo- oder bisexueller Menschen an der Tagesordnung seien und etwa ein Fünftel wurde schon mal Opfer körperlicher Gewalt. Zwar sind die Ergebnisse bisher nicht in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden –an deren Repräsentativität kann leider trotzdem nicht gezweifelt werden.

Deutschlands Beitrag zu Homophobie

Und auch in Deutschland sind einige   bemüht, Homophobie nicht aussterben zu lassen. Allein in Berlin gab es einem Report des schwulen Anti-Gewalt-Projektes Maneo  zufolge im vergangenen Jahr 225 Fälle mit homophobem und transphoben Hintergrund.

In München hingegen werden u.a. vom Vorsitzenden des Bundes Katholischer Ärzte, Dr. Gero „Schwulenheiler“ Winkelmann, sogenannte Umpolungstherapien angeboten …

… und im bayerischen Holzkirchen einer Hortleiterin von der katholischen Caritas gekündigt, weil diese eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit ihrer Freundin eingehen will.

Immerhin NUR Kündigung, ist man mit Blick auf die Welt(schief)lage geneigt zu sagen: Denn in über 70 Ländern der Welt werden Lesben, Schwule und Trans*Menschen heute immer noch strafrechtlich verfolgt, in sieben dieser Länder droht sogar die Todesstrafe.

World laws pertaining to homosexual relationships and expression
So gut es ist, dass es den IDAHOT gibt, so schlimm ist es, dass es ihn und Aktionen wie nachfolgende braucht, um Homophobie und Transphobie eine klare Absage zu erteilen. Und Stubenarrest. Und Fernsehverbot. Und Liebesentzug. Und Kirchenaustritt. Wir präsentieren ein Best-Of-EnGAYgement, das, im Gegensatz zum Madley, nach Zugaben und stehenden Ovationen verlangt:

Oma Maries Kirchenaustritt

Nach 84 Jahren tritt Oma Marie aus der Kirche aus, weil der eigene Pastor deren zwei homosexuellen Enkelsöhne indirekt für Sünder hält und ihnen Heilung anbietet.

Das Zweite Deutsche Fernsehen diskriminiert ab sofort weniger

Erstmals in der 54jährigen Geschichte des ZDF-Staatsvertrages bekommt eine Interessenvertretung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle im Fernsehrat Sitz und Stimme. Bei einem Sender, der auch vor der Kamera diskriminierungsfrei besetzt, wird das auch Zeit.

ZDF-Staatsvertrag, diskriminierungsfrei

Love has no labels – and no gender

Auf (mehr oder weniger versteckte) Vorurteile – auch gegenüber Homosexuellen – machte eindrucksvoll die Love-has-no-Labels-Kampagne der Non-Profit-Organisation Ad Council am Valentinstag in Santa Monica aufmerksam. Und zwar sehr erfolgreich, wie die weit über 50 Millionen User beweisen, die bisher das Video der Aktion sahen, bei der im Sinne der vorurteilsfreien Liebe blankgezogen wird. Und zwar so richtig.

Weder hon noch han – sondern hen

In Schweden wird das dritte Geschlecht ganz offiziell in den Sprachbestand (Wörterbuch) aufgenommen. „Hen“ soll jenen gerecht werden, die sich selbst weder als „hon“ (sie) noch als „han“ (er) bezeichnen.

Confetti made from 100 % recycled lies

Und was gehört zu einem Best-Of-Piss-Off und einem bomfortionösen Geburtstag ebenso dazu, wie Sekt zu SLEAZE?! Genau, Konfetti!

Das wohl schönste Kon(tra)fetti des Jahres produzierte der Papierladen Daintree Paper in Dublin. Verärgert über homophobe Flyer, die Gegner des irischen Referendums zur Homo-Ehe verteilten, machte das Daintree-Team daraus Konfetti. Für fünf Euro konnte sich, wer wollte, die zu Gold geschredderte Homophobiescheiße bestellen. Die Einnahmen der „a shred of decency“-Aktion gehen übrigens an „Yes Equality“, einer Organisation, die für die Gleichstellung homosexueller Ehen wirbt.

Momentan ist das „confetti made from 100 % recycled lies“ zwar ausverkauft, gespendet werden kann aber trotzdem: entweder in Form von Geld direkt an Yes Equality oder in Form gesammelter homophober Flyer, denen sich die Daintree Paper-Schredder gern annehmen.

Und noch ein Fun-Fact zum Abschluss

Nach über 20 Jahren als Chefideologe einer Anti-Schwulen-Bewegung in den USA heiratete John J. Smid im November 2014 einen Mann.

In diesem Sinne: Akzeptiere, was Du nicht ändern kannst. Toleriere, was dich nichts angeht. Vor allem aber: Hör doch bitte einfach auf, dumm (homo-/transphob) zu sein.

Darauf und auf den IDAHOT ein dreifaches (Rain) Bowwowwowyippieyoyippieyay!

Originally posted 2015-05-15 13:55:26.