Ihr sitzt mal wieder mit der Ray-Ban auf der Nase und der Club Mate in der Hand im Café an der Ecke und lasst euren Tiraden über Gentrifizierung freien Lauf: „Neukölln ist auch nicht mehr das, was es mal war! Überall Amis! Friedrichshain ist doch schon längst tot!…“

Eure Sorgen hätten manch andere sehr gern, denn ihre Viertel sind einfach wirklich ziemlich scheiße. Die lieben Nachbarn sind dort nämlich keine häuserkaufenden Skandinavier, sondern echte Kriminelle. Die mit den Waffen und ohne Skrupel. Hier die zehn schönsten Urlaubsziele, für jene, die sich die First-World-Problem-Jammereien abgewöhnen wollen.

 

10. Dora in Baghdad, Irak 

Dora Baghdad

Hier Christ sein, ist lebensgefährlich. Nach der Invasion durch US-Truppen in 2003 setzten sich in der eigentlich durch einen hohen Anteil von Christen geprägten Nachbarschaft um Dora sunnitische Extremisten fest. Wer nicht an Mohammed sondern an Jesus glaubte, wurde dazu gezwungen das zu ändern, ging so schnell wie möglich freiwillig oder musste schlicht und einfach sein Leben lassen.

Im Oktober 2010 beispielsweise attackierten Angreifer mit Bomben die sonntägliche Abendmesse in einer katholischen Kirche. 41 der Messebesucher und 12 Polizisten, die zur Hilfe kamen, wurden regelrecht hingerichtet.

Heute gehört Dora der Al-Qaida. Und gilt auch Jahre nach dem Krieg als No-Go-Area. Wer also schon immer was für einen ordentlichen Religionskrieg über hatte, nix wie hin da! Religiöse… Pfff!

 

9. Chamelecón in San Pedro Sula, Honduras

 

Drogen, Verbrechen und eine der höchsten Mordraten der Welt: Willkommen im schönen Chamelecón! Und auch an halluzinogenen Substanzen soll es den Besuchern des lauschigen Örtchens nicht mangeln. Es wird angenommen, dass etwa 80 Prozent des Kokainhandels von Süd- nach Nordamerika über die Stadt abgewickelt wird.

Das Viertel von Chamelecón wir regiert von Armut, Drogen und Gewalt durch Gangs. Sauberes Wasser ist eine Seltenheit und viele der Bewohner leben in Bretterbuden. Aber hey, die Preise werden unschlagbar sein.

Bekannt wurde die Nachbarschaft 2010 durch einen Angriff der transnationalen Gang Mara Salvatrucha (kurz: MS-13) auf einen Bus, bei dem vier Mitglieder der  Bande den Bus bestiegen, wild um sich schossen und das Fahrzeug dann in Brand setzten. Nicht, dass da noch einer überlebt. Grund der Attacke: Protest gegen einen Gesetzesentwurf, nach dem es illegal werden sollte, Mara-Mitglied zu sein. Unverhältnismäßig? Ach waaas! Viel Spaß mit diesem Geheimtipp!

 

8. Petare in Caracas, Venezuela

Was Chamelecón kann, kann Petare schon lange. Gangs und Morde machen diesen Ort zu dem, was er ist. Ein Loch voller Korruption, Drogenmissbrauch und Armut, mit zu wenig sauberem Wasser und zu vielen Menschen (2 Millionen auf 146 Quadratkilometern ist die inoffizielle Zahl).

Ihr steht auf Nervenkitzel? Petare hält ihn bereit! Drei bis vier Menschen, heißt es, lassen hier täglich ihr Leben. So könnt ihr jeden Abend bei einem billigen Bier (ihr könnt mit Sicherheit ganz hervorragend bescheißen, denn Bildung ist hier unwahrscheinlicher als Schwangerschaft mit 15) feiern, dass es mal wieder nicht euch getroffen hat. Was will man mehr?

 

7. East St. Louis in Illinois, USA

East St. Louis

Das ist euch alles zu weit weg von den westlichen Metropolen? Ihr wollt lieber einen nervenaufreibenden Zwischenstopp auf eurem durch das Start-Up finanzierten Roadtripp einlegen? Dann ist East St. Louis perfekt für euch!

Ein paar Facts:

  • laut dem FBI höchste Kriminalitätsrate in den USA (2007)
  • durch Stadtflucht in den 70ern hat das Viertel nur noch etwa 30.000 seiner einst etwa 82.000 Einwohner halten können
  • keine Leute, keine Industrie: durch Schließungen verschuldete sich die Regierung der Stadt
  • hier kann seltene „urban prairie“ bewundert werden, ganze Blocks verlassen und verwildert
  • dafür gibt es nette Ecken, mit Strip-Clubs, Truck-Stops und anderen, ähm,  interessanten Gewerben zu bewundern

Was eine Reise in die Heimatstadt von Legenden wie Miles Davis und Ike und Tina Turner aber vor allem für die mit dem dunklen Teint unter euch ganz besonders reizvoll macht: Die zarten bis harten Tendenzen zum Rassismus, die sich hier schon seit den 50ern breit machen und all die liebenswerten Eigenschaften von East St. Louis noch verstärken.

 

6. Iztapalapa in Mexico City, Mexiko

Mexico City sagt ja schon einiges, aber hier ein echtes Schmankerl für die Mädels. Iztapalapa ist das Viertel der ohnehin schon kriminellen Stadt mit der höchsten Rate sexueller Straftaten. Allein 2010 soll es hier an die 200 Vergewaltigungen und 5.000 Fälle häuslicher Gewalt gegeben haben.

Gangs gibt’s natürlich auch und Drogen und einen Ermordeten alle zwei Tage und zu wenig Wasser und Polizeikorruption, die eine schutzlose Gesellschaft zurücklässt. Ein Glück haben die fast alle Waffen. Puh!

 

5. Spanish Town, Jamaica

Jamaica

Und da sind sie schon wieder, die Gangs. Im August 2010 wurden in Spanish Town schon 138 Morde allein für dieses eine Jahr gezählt, was bei einer Bevölkerung von nur etwa 160.000 Menschen ziemlich beeindruckend ist. Aber gute Nachrichten, die Polizei soll wohl wieder alles im Griff haben: Nur noch 115 Morde in 2012. Großartig!

Die beiden populärsten Banden sind die Clanzmen und die One Order Gang. Bekannt sind sie vor allem dadurch, sich gegenseitig zu köpfen und Bilder der blutigen Ergebnisse im Internet zu verbreiten. So nett!

 

4. Ciudad Bolivar in Bogotá, Kolumbien

 

Einwanderung, Armut, Hütten bauen, Slum, kreative Kriminelle, Gangs und Co.

Aber Ciudad Bolivar kann darüber hinaus noch Paramilitärs vorweisen. Die werden hier mit Vorliebe rekrutiert. Krieg spielen? Los los!

 

3. La Perla in San Juan, Puerto Rico 

La Perla

Ein Slum, der im 19. Jahrhundert mal Schlachthausgegend war, dann einfach vernachlässigt wurde und somit wunderschönes neues zu Hause für alles Schlechte, was so rumkreucht.

La Perla wird beschrieben als ein großer Bazar für den Drogeneinzelhandel. Und tatsächlich setzt das Geschäft mit den Verbotenen Substanzen allein im Viertel Millionen von Dollar um. Viel Spaß beim Shoppen!

 

2. Nyanga in Kapstadt, Südafrika

Drogen sind nicht so euer Ding und ihr habt’s mehr mit lecker selbstgebranntem Schnaps (Achtung, wenn euch euer Augenlicht lieb ist!)? Dann seid ihr hier genau richtig.

Nyanga lockt mit Alkoholmissbrauch, Bildungsarmut, um die 120 Gangs, AIDS und natürlich auch Drogenkriminalität.

Von April 2011 bis März 2012 wurden die Kriminellen der Gegend in 233 Fällen des Mordes, in 398 Fällen aufgrund sexueller Straftaten, in 879 wegen gewaltsamen Raubes und in 1881 Fällen wegen Drogenverbrechen angeklagt. Aber was soll man denn auch den ganzen Tag machen, bei einer Arbeitslosenquote von 70 Prozent?

 

1. Cité Soleil in Port-Au-Price, Haiti

Das Erdbeben in Haiti 2010 sollte allen noch recht präsent sein, es sei denn, ihr habt zu viel am Schnaps aus Nyanga genascht.

Aber nun mal Spaß beiseite: Cité Soleil in der haitianischen Hauptstadt Port-Au-Prince wird als einer der größten Slums der westlichen Welt gehandelt. Seit dem Erdbeben ist die Stadt geprägt von Arbeitslosigkeit, primitiven Wassersystemen, ständigen Stromausfällen und natürlich – wie könnte es auch anders sein – Bandenkriminaität, die sich noch verstärkt durch die vielen Inhaftierten, die während des Bebens aus dem Gefängnis des Ortes fliehen konnten.

Die Delikatesse der Gegend ist Matschkuchen – Dreck mit Speiseöl. Selbst echte Sozialarbeiter meiden diesen Ort.

 

Ich könnte wetten, einige wollen jetzt da tatsächlich hinreisen. Ihr seid eklig!

Ihr wollt also Gutes tun? Hört auf zu Jammern!

Originally posted 2014-04-03 19:43:18.