Australische Behörden machten vor einigen Jahren eine grausame Entdeckung auf einer abgelegenen Farm. Die Geschichte beginnt mit Tim und June Colt, einem Geschwisterpaar aus Neuseeland, das nach Australien umsiedelte und über vier Generationen hinweg eine regelrechte Großfamilie aufbaute – untereinander – und zwar durch verschiedene Formen von Inzest.

Wenn Geschwister Kinder kriegen: Australiens Inzest-Clan

Die Geschwister Colt stammen urpsrünglich aus Neuseeland und zogen Mitte der 70er Jahre nach Victoria, Australien. Dort hielten sie sich aber nicht allzu lange auf, wie auch an den anderen Orten, an denen sie sich in den ersten Jahren niederließen. Letzendlich landeten sie auf einer Farm mit einem kleinen Stück Land in New South Wales im Südwesten Australiens.
Bereits 1966 heirateten die beiden und June brachte insgesamt sieben Kinder zur Welt, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und Bruder zeugte. Dieser Umstand war möglicherweise einer der Gründe für die vielen Umzüge und warum sie so gut wie keinen Kontakt zu ihren Nachbarn und den übrigen Dorfbewohnern hatten. Man sah sie, nach Angaben der Nachbarschaft, gelegentlich mit einem Truck in den Ort fahren, um Erledigungen zu machen. Manchmal stiegen die Kinder auch aus und stromerten umher. Die Dorfbewohner beschrieben sie als schmuddelig und spindeldürr und niemand kannte die Namen der Familienmitglieder. In kleinen australischen Städtchen, die Meilen von der nächsten größeren Stadt entfernt sind, ist das eher ungewöhnlich.

Die Kinder waren allgemein in sehr schlechter Verfassung, was sich auch bei der Bildung, beziehungsweise deren Fehlen abzeichnete. Sie wurden lediglich zur Schule geschickt, wenn Beamte des Jugendamtes ein Auge darauf hielten. Allzuoft schien das aber nicht der Fall gewesen zu sein, sodass viele der Kinder sich kaum artikulieren konnten und einige auch geistige Beeinträchtigungen hatten, die bessere Zuwendung benötigt hätten.

Der generationenübergreifende Inzest machte sich jedoch nicht nur mental, sondern auch physisch bemerkbar, sodass die Kinder taub, stumm und blind, oder gar mit deformierten Gliedmaßen geboren wurden.
Zu allem Überfluss wurden die Kleinen in solchem Ausmaß vernachlässigt, dass sie die grundlegendsten Dinge nicht erlernten. Sie wussten nicht, wie man sich wäscht oder Toilettenpapier benutzt und wiesen ein äußerst gestörtes Sozialverhalten auf. Sie wuchsen auf dem Anwesen ohne fließendes Wasser, Strom und Abflusssystem auf. Die allgemeinen Lebensbedingungen waren laut Polizeibericht unmenschlich.

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Teile des „Anwesens“ der Colts

Polizei und Jugendamt stießen 2013 auf die Familie, als eine Schülerin von einem „Mädchen, das im Wald lebt und von ihrem Bruder schwanger ist“ erzählte. Sie berichtete, dass sie mithörte, wie das Mädchen bekannt gab, nicht zu wissen, welcher ihrer vielen Brüder der Vater sei.

Bei der Durchsuchung des Geländes wurden 38 Familienmitglieder festgestellt, zwölf von ihnen Kinder unter 16 Jahren. Der Wohn- und Lebensraum selbst bestand aus Baracken und Zelten, die mit Fäkalien, Zigarettenstummeln, Schlamm und weiterem Schmutz verunreinigt waren.

[…] the first caravan was reported to be in a very dirty and hazardous state, with mud, dirt, cigarette butts and rubbish on the caravan floor. Three children’s beds were observed to be dirty and unmade; cooking facilities were observed to be very dirty; a barbecue gas heater, used for heating, was deemed to be unsafe for the children sleeping in the caravan.“
– Auszug aus dem Polizeibericht

Acht der Colt-Kinder haben Eltern, die entweder Geschwister, Mutter und Sohn, oder Vater und Tochter sind. Sechs stammen aus einem Verhältnis zwischen Onkel und Nichte, beziehungsweise Tante und Neffe. Es gab sogar Fälle, in denen Kinder von Großeltern und deren Enkeln gezeugt wurden. Bis zum Schluss versuchten die Frauen der Familie, den Schein aufrecht zu erhalten und sagten gegenüber der Polizei aus, die Kinder seien von fremden Männern gezeugt worden – obwohl DNA-Tests eindeutig das Gegenteil belegten.

Inzest-Clan familie colt australien

Stammbau der Familie Colt (Namen der Kinder geändert)

Die Kinder selbst lösten das grausame Geheimnis nach ihrer Befreiung auf. Sie gaben an, dass auf der Farm unter allen Bewohnern ein sexueller Austausch stattfand – teilweise sogar zwischen Erwachsenen und Minderjährigen. Die Erwachsenen zeigten ihnen pornografisches Material und missbrauchten sie in schwerster Form. Ein Geheimnis war es jedoch lange Zeit nur für Aussenstehende, da alle Bewohner der Farm davon wussten.

Neben dem gegenseitigen sexuellen Missbrauch, der sich mitunter auch auf das Verhalten der Betroffenen auswirkte, quälten die Kinder der Colts verschiedene Tiere und verstümmelten deren Genitalien zum Spaß; vorrangig Welpen und Katzen.

Einige der Betroffenen wollen zur Farm zurückkehren

Manche Frauen der Familie streiten mittlerweile vor Gericht darum, ihre Kinder wieder zu bekommen. Es handelt sich nach Aussage der Justizbehörde um einen einzigartigen Sonderfall, da die Betroffenen gewillt sind, zu ihren Unterdrückern zurückzukehren.
Doch die Schwere der Missbrauchsfälle und die eindeutige Beweislast lässt keine Wiedervereinigung zu, wie ein Gericht in New South Wales urteilte. Allein die Vernachlässigung reiche aus, um den endgültigen Entzug des Sorgerechts zu begründen. Hinzu kämen die Anklagen wegen sexuellem-, sowie Kindesmissbrauchs und Inzest in sehr vielen Fällen, denen sich die Familie Colt – sowohl auf der Farm, als auch historisch – stellen muss, so das Gericht weiter.

Originally posted 2016-04-28 17:03:43.