Was der Sesamstraße Ernie und Bert, sind dem DC Comics – Universum Batman und Robin: also homosexuelle Superhelden in eheähnlicher Gemeinschaft.

So jedenfalls die vermutete sexuelle Identität des maskierten Comic-Duos, die zumindest von Serien-Mitarbeiter Grant Morrison bestätigt wurde:

Gayness is built into Batman. I’m not using gay in the pejorative sense, but Batman is very, very gay. There’s just no denying it. Obviously as a fictional character he’s intended to be heterosexual, but the basis of the whole concept is utterly gay.” (G. Morrison in Playboy 05/12)

Ein Konzept, das bei manch heterosexuellem Interessenverband auf wenig Gegenliebe stößt. Das Comic-Universum DC selbst äußerte sich bislang nicht zur Orientierung Batmans, erkannte aber immerhin, dass Superheldentum nicht von sexueller Identität abhängig ist. Wie im wahren Leben, quasi.

Universal Diversity – knallenge Latexanzüge für alle

Bis zu dieser Einsicht hat es allerdings eine Weile gebraucht. Vor Ende der 1980er Jahre war an Vielfalt hinsichtlich sexueller Identitäten und Orientierungen im Mainstream Comic noch nicht einmal zu denken. Und falls doch daran gedacht wurde, war es bis 1989 laut der damaligen Comic-(Selbst)Kontroll-Instanz CCA verboten, Homosexualität in US-Mainstream-Comics zu thematisieren.

Beim SupQueere Superhelden und Bösewichteerhelden-Verlag Marvel gab es in den 80er Jahren unter dem damaligen Chef-Redakteur Jim Shooter außerdem eine „No Gays in the Marvel Universe„ Politik. Lega(y)l wurde man dort erst 1992. Da nämlich durfte Northstar als erste Marvel-Superheldenfigur schwul sein und 2012, nach 20jähriger Probezeit, dann auch ganz offiziell seinem Freund das Ja-Wort geben.

Etwa zehn Jahre zuvor hatten sich Apollo und Midnighter – zwei (gleichgeschlechtliche) Superhelden des anderen Comic-Mainstreamers DC – bereits Queere Superhelden und Bösewichtegegenseitig vor den Altar geführt.

Im Laufe der Jahre durften weitere Superhelden-Figuren, die nicht heterosexuell waren und / oder sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlten, knallenge Latexanzüge tragen.  Wie auch des Menschen Charakter nicht von Geschlecht oder sexueller Identität abhängig ist, gilt dies ebenso für Comicfiguren.

Es durften also nicht nur Superhelden, sondern natürlich auch Bösewichte queer sein. (Und hautenge Latexanzüge in gewagten Farbtönen tragen.)

Alan Scott aka Green Lantern / DC Comics / offiziell schwul seit Juni 2012

Alan Scott aka Green Lantern / DC Comics / offiziell schwul seit Juni 2012

Kate Kane aka Batwoman / DC Comics / offiziell lesbisch seit 2006

Kate Kane aka Batwoman / DC Comics / offiziell lesbisch seit 2006

Harleen Frances Quinzel aka Harley Quinn /DC Comics/ offiziell bisexuell seit März 2015

Harleen Frances Quinzel aka Harley Quinn /DC Comics/ offiziell bisexuell seit März 2015

Teddy Altmann aka Hulkling (Young Avenger Team) /Marvel/ offiziell schwul seit Mai 2012

Teddy Altmann aka Hulkling (Young Avenger Team) /Marvel/ offiziell schwul seit Mai 2012

Akihiro aka Daken (Wolverines mutierter Nachkömmling) /Marvel/ offiziell bisexuell seit September 2011

Akihiro aka Daken (Wolverines mutierter Nachkömmling) /Marvel/ offiziell bisexuell seit September 2011

Selina Kyle aka Catwoman /DC Comics / offiziell bisexuell seit Februar 2015

Selina Kyle aka Catwoman /DC Comics / offiziell bisexuell seit Februar 2015

Thomas Blake aka Catman / DC Comics / offiziell bisexuell seit 2013

Thomas Blake aka Catman / DC Comics / offiziell bisexuell seit 2013

Hilde Morales aka Lord Fanny / DC Comics/ Transgender - erstmals in Erscheinung getreten: 1994

Hilde Morales aka Lord Fanny / DC Comics/ Transgender – erstmals in Erscheinung getreten: 1994

Bobby Drake aka Iceman (X-Men) / Marvel / offiziell schwul seit April 2015

Bobby Drake aka Iceman (X-Men) / Marvel / offiziell schwul seit April 2015

Scandal Savage / DC Comics / offiziell lesbisch seit Dezember 2005

Scandal Savage / DC Comics / offiziell lesbisch seit Dezember 2005

 Shining Knight / DC Comics / offiziell intersexuell seit November 2012


Shining Knight / DC Comics / offiziell intersexuell seit November 2012

Bilder via advocate.com

Die Aufzählung ist weder vollständig noch abschließend und natürlich wird es auch weiterhin heterosexuelle, sich eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlende Superhelden und Bösewichte geben. Aber das ist okay. Diversity schließt nun mal alle ein. Auch die vermeintlich normalen.

Programmhinweis: Mehr LGBTI*-Superheld_innen und Bösewichte gibt es noch bis 26.06.2016 in der SuperQueeroes-Ausstellung im Schwulen Museum zu sehen. Und (darüber hinaus) natürlich im TV, auf der Leinwand, in Videospielen, Magazinen oder im Alltag.

Originally posted 2016-02-02 13:00:38.