Es gibt jedoch einen Raum, der der absoluten Lautlosigkeit sehr nahe kommt. Dieser reflexionsarme Raum (oder schalltoter Raum) wurde designt, um Reflexionen von Tönen und elektromagnetischen Wellen völlig zu absorbieren.
Der Begriff des „Anechoic Rooms“, wie die englischen Bezeichnung lautet,  ist eine Anlehnung an den Akustik-Spezialisten  Leo Beranek, der am MIT lehrte.

Reflexionsarme Räume dienen der Bestimmung von Schallleistungen von Maschinen, Fahrzeugen und Geräten und der Kalibrierung von Messmikrofonen. Außerdem können in einem schalltoten Raum, durch das Aufstellen von Lausprechern, künstliche Schallfelder erzeugt werden. Mit Hilfe dieser Schallfelder wiederrum sind Experimente zur Schallwahrnehmung und zur Planung von Konzertsälen möglich.
Die Größe des Raumes variiert je nach Anwendung und der benötigten Signalfrequenz. So kann ein reflexionsarmer Raum die Größe einer handelsüblichen Mikrowelle, bis hin zu luftfahrzeughallenähnlichen Ausmaßen besitzen.
Um diesen Raum in den eigenen vier Wänden nachbauen zu können, müsst Ihr die Schallreflexionen an Wänden, Decken und Boden so gering wie möglich halten. Damit Ihr das erreicht, solltet Ihr zum Baummarkt Eures Vertrauens gehen und den Raum  mit Absorbermaterial verkleiden. Dies ist meist Glas- oder Mineralwolle, die die Energie des auftreffenden Schalls in Wärmeenergie umwandelt. Dabei hat die Forschung gezeigt, dass das Material in Keilform angeordnet werden muss, um eine möglichst vollständige Schallabsorption zu erhalten.

Durch das Fehlen von Reflexionen entstehen Frei-Feld-Bedingungen. Dies bedeutet, dass das Schallfeld im Raum, dem im Freien in großer Höhe entspricht. Es gibt folglich keine reflektierten Signale, die gesamte Geräuschenergie bewegt sich von der Quelle ohne Reflexion weg.
Dabei wird zwischen voll reflexionsarmen Räumen, die die Energie aus allen Richtungen absorbieren  und halb reflexionsarmen Räume unterschieden.
Halb reflexionsarme Räume besitzen einen festen Boden, der für schwere Gegenstände wie Autos, Waschmaschinen oder Industrie-Maschinen beschaffen ist. Auch ein Aufnahmestudio wird als halb reflexionsarmer Raum betrieben, da er gegen Geräusche von außen und nicht gewollten  Nachhall schützt.

 

Laut Guinnes Buch der Rekorde schuf das Orsfield Laboratory im Jahre 2004 den stillsten Platz der Erde. In diesem Raum werden 99,99 Prozent der Geräusche absorbiert, was mit einer Messung von -9.4 Dezibel nachgewiesen wurde. Zum Vergleich: Das menschliche Ohr kann nur Geräusche über 0 Dezibel wahrnehmen. Ein normales Gespräch hat die Stärke von circa 60 Dezibel.
Die Akustik-Abteilung der Universität Salford hält jedoch den inoffiziellen Rekord, mit -12.4 Dezibel.

In so einem Raum würde es aber niemand länger als 45 Minuten aushalten. Der Mensch orientiert sich nämlich bei seinen Bewegungen an Geräuschen. Im schalltoten Raum wird der Mensch quasi selbst zum Ton, da man den eigenen Herzschlag, Lungen- und Magengeräusche deutlicher wahrnimmt. Dies hat eine sehr verstörende Wirkung – zu der das gummizellenähnliche Aussehen des Raumes zweifelsfrei beiträgt.

 

Originally posted 2014-03-07 11:02:51.