Seit Monaten ist die Flüchtlingsthematik omnipräsent in Medien, Politik und Gesellschaft. Im Fokus steht dabei nicht nur das Leben der Flüchtenden und Geflüchteten selbst, das von jetzt auf gleich ein anderes ist, sondern auch das derer, die nicht selbst fliehen mussten, die von der mit der Asylthematik in Zusammenhang stehenden Änderungen jedoch betroffen sind oder sich davon betroffen sehen.

Obwohl Betroffenheit per se kein erstrebenswerter Zustand ist, scheinen manche gar nicht genug davon bekommen zu können. Wer dann noch jemanden kennt, der jemanden kennt, der mal von einer Person gehört hat, der das so ähnlich auch fast mal passiert wäre, adelt sich zuweilen gern zusätzlich mit dem Prädikat „unmittelbar“.

Damit ist dann klar: Diese Person weiß, wovon sie redet und verfügt über genügend Expertise, beurteilen zu können, dass die Flüchtlingsthematik nicht Herausforderung sondern Krise ist. Wenn selbst der urdeutsche Polizeihund weniger Zuwendungen bekommt, als „Asylanten“, womit wenig Sprachsensible oder jene, die sie als Bedrohung empfinden, Asylsuchende meinen, wie kann man da nicht von (unmittelbarer Betroffenheit und) Krise sprechen?!

Naja: Indem man von Gerüchten spricht, von Unwahrheiten und Verleumdungen. Von Falschmeldungen – denn etwas anderes ist der Polizeihund-Vergleich nicht. Etwas anderes sind auch all die Meldungen über Asylsuchende nicht, die es auf Hoaxmap.org nachzulesen gibt.

Auf der interaktiven Karte finden sich Gerüchte und Falschmeldungen, die in den letzten Monaten (verstärkt) kursierten, die aber anhand von Medienberichten widerlegt wurden. Übersichtlich lässt sich nach Bundesland oder Stadt filtern, wo Asylsuchende anderen die Schwäne weggegessen oder an Grabsteine uriniert haben sollen.Hoaxmap

Neben diesen Meldungen gibt es über 400 weitere – meist von größerer strafrechtlicher Relevanz: Meldungen über Vergewaltigungen, Diebstähle oder Raubüberfälle. Straftaten, die zweifelsohne auch von Flüchtlingen begangen wurden und werden. Aber eben bei Weitem nicht von allen und bei Weitem nicht nur von Flüchtlingen. Und genau das macht den Unterschied, genau da setzt Hoaxmap das interaktive Fähnchen auf die Karte: Es geht nicht um Verteidigung derer, die Straftaten begehen, sondern um Entstigmatisierung jener, denen Taten wie diese einzig aufgrund ihrer ethnischen Herkunft zugetraut und nachgesagt werden. Es geht darum, zu hinterfragen. Darum, Tatsachen von Gerüchten zu unterscheiden und Falschmeldungen anhand von Medienberichten zu widerlegen.

Screenshot Hoaxmap.org Stand: 08/07/16

Screenshot Hoaxmap.org Stand: 08/07/16

Und eines ist mal sicher: Da sind keinesfalls nur Perlen aus Freital darunter. Während es in der Gerüchteküche ordentlich brodelt, hilft Hoaxmap, die braune Soße aus den Töpfen und hoffentlich vor allem aus den Köpfen zu kratzen.

Wer etwas schicken und so beim Aufräumen der Gerüchte helfen will, kann gern an mail@hoaxmap.org schreiben.

Originally posted 2016-07-19 11:02:41.