Zickig, bockig, hysterisch, promiskuitiv, manipulativ und derlei Adjektive sind Zuschreibungen, wie sie erst einmal jede Person treffen könnten. Der Konjunktiv deutet darauf hin, dass dies theoretisch zwar möglich, die Praxis von der Theorie aber weitgehend unbeeindruckt ist. Zumindest, richtet man den Blick auf die sexistischen Wörterbuchdefinitionen, die Google so anbietet.

Redefine WomenWährend weibliche Personen hin und wieder zicken, bocken oder promiskuitiv sind, finden sich für männliche Personen deutlich positiver besetzte Adjektive und Umschreibungen, die letztendlich die selben Gemütszustände oder Verhaltensweisen beschreiben sollen. So haben männliche Personen ihren eigenen Kopf. Sind entschieden, willensstark, konsequent, charismatisch oder probierfreudig. Sind vielleicht mal nicht so gut drauf oder „schlimmstenfalls“ eben speziell. Zickig und Bockig sind Mädchen. Und was ein richtiger Junge ist, der ist eben kein Mädchen.

Statt zu zicken, zu bocken, mit schriller Stimme Hysterie zu verbreiten oder das Haus zu säubern, was Google als weibliche Eigenschaften und Fähigkeiten versteht, verdingen sich männliche Mitmenschen in Forschung und Wissenschaft, machen ihren Doktor.

Kein Applaus für sexistische Kackscheiße jeder Couleur

Dieses Bild zumindest vermitteln eine Reihe von Googles Wörterbuchdefinitionen. Nun sind Definitionen ja per se dazu da, etwas (allgemeingültig) zu erklären. Sollen Lösungsschablonen sein, an denen sich orientiert und mit denen gearbeitet werden kann.

Problematisch wird es, wenn die Lösungsschablone nicht objektiv ist. Wie im Falle einer Vielzahl der aus dem amerikanischen Oxford-Wörterbuch von Google übernommenen Definitionen, die sexistisch und stigmatisierend sind und so zur Verstärkung von Klischees sowie zur Verfestigung (sexistisch) konstruierter Rollenbilder beitragen.

Google – nachsitzen!

Die Initiative Redefine Women fordert die Abschaffung derlei sexistischer Definitionen, die nicht nur Frauen, sondern Menschen jeden Geschlechts begrenzen. Denn die Einordnung bestimmter Attribute als weiblich gibt nicht nur vor, wie sich Frauen zu verhalten bzw. zu sein haben, sondern legt im Umkehrschluss gleichzeitig fest, wie Menschen nicht weiblichen Geschlechts eben nicht zu sein bzw. sich zu verhalten haben.

Genau dagegen wehrt sich Redefine Women. Die von den Australierinnen Georgia Patch und Kiah Nicholas initiierte Bewegung soll darauf aufmerksam machen, dass Frauen durch von Google als „weiblich“ klassifizierte Attribute wie „promiskuitiv“, „hysterisch“ oder „manipulativ“ in ein schlechtes Licht gerückt werden. Unter dem Hashtag redefinewomen wollen sie via Twitter, Instagram und tumblr für ein entsprechendes Umdenken und Umlenken bzw. Umdefinieren sensibilisieren. Redefine Women

„Redefine Women is about changing perceptions of women starting with definitions. We’re pro-equality, and we’re always sharing ideas and our outrage at sexism in society. We realised that definitions were reinforcing prejudices against women. “   Georgia Patch & Kiah Nicholas / Redefine Women

Sprache ist schließlich Bewusstsein – oder sollte es wenigstens sein. Manchmal ist sie leider, wie im Falle mancher Google-Wörterbuchdefinitionen, von Bewusst(seins)losigkeit geprägt und sollte dringend redefiniert werden. Zwar ist Sprache nicht der einzige Baustein auf Weg zur Gleichberechtigung, aber er ist einer, ohne den es definitiv nicht geht.

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Ein von @redefinewomen gepostetes Foto am

Bilder via redefinewomen

 

Originally posted 2016-10-11 10:56:47.