Kritiker mögen behaupten, dass der Osterbrauch generell schon relativ seltsam sei. Immerhin wurde Jesus gekreuzigt, erstand kurz danach wieder auf, fuhr in den Himmel auf – und deswegen versteckt ein Hase nun traditionell bunte Eier.

Nehmen wir aber mal diese Tradition als normal an. Immerhin machen wir das schon eine ganze Weile so und es kann uns niemand ernsthaft erzählen, dass es im Kindesalter nicht die hellste Freude war, durch den Garten zu tollen und die versteckten Süßigkeiten ausfindig zu machen. Wenn man sich davon ausgehend anschaut, was in anderen Ländern so an Ostern passiert, ist die Beschreibung „seltsam“ fast schon wieder angebracht. Ostern wird in sehr vielen Ländern der Welt gefeiert … nur macht man dort ein paar Dinge anders. Welche Dinge das sind und was daran anders ist, wollen wir euch jetzt verraten.

Die klassische Ostereiersuche ist dort meisten auch Teil der Feierlichkeiten, weshalb wir sie nicht bei jedem Land nochmal extra erwähnt haben. Und weil die „anderen“ Traditionen deutlich interessanter sind.

Seltsame Osterbräuche aus aller Welt

1. Schmerz statt Schokolade

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Auf den Philippinen geißeln sich gläubige Christen mit Bambusstöcken oder sogar scharfen Klingen selbst, um für ihre Sünden zu büßen und den Leidensweg Christi symbolisch zu durchleben.
Ein paar Schläge auf den Rücken haben … nee moment. Das war anders.

2. Flammendes Inferno

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Auf Zypern geht es ebensowenig harmlos zu, nur dass dort meist andere unter Schlägen leiden und man die Faust (oder den Stock) nicht gegen sich selbst erhebt.
Es werden große Osterfeuer errichtet, um die ein regelrechter Wettstreit entbrennt. Wer nämlich das größte Feuer legt, darf sich damit den Rest des Jahres über brüsten. Scheinbar liegt auf Zypern nicht viel Brennholz herum, denn es kommt regelmäßig zu gewalttätigen Außeinandersetzungen zwischen Jugendlichen, die sich um die Hölzer prügeln. Die Polizei rückt andauernd aus, um Streitigkeiten zu schlichten und die Feuerwehr, um außer Kontrolle geratene Osterfeuer zu löschen.
Klingt nach Spaß.

3. High as a kite

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Auf den Bermudas hält man es lieber friedlich und geht gemütlich an den Strand, um Drachen steigen zu lassen. Das hat sogar etwas mit Ostern zu tun, da es sich um spezielle „Osterdrachen“ handelt, die in der Zeit vor Ostern gebaut werden und den Aufstieg der Seele symbolisieren sollen, wenn sie am Ostersonntag in die Lüfte steigen.

4. Der Kommisar geht um

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In Norwegen besinnt man sich auf den Kern von Ostern: Mord.
Die Familie kommt zusammen, liste sich Kriminalgeschichten vor und versucht gemeinsam den Mörder herauszufinden und den Fall zu lösen. Der Brauch hat sich so sehr etabliert, dass Fernsehsender über die Feiertage ihr Programm ändern und nur Krimis zeigen, Verlage Krimis neu auflegen und im Osterkontext bewerben und auch Milchhersteller mysteriöse Krimi-Rätsel auf ihre Verpackungen drucken.

5. Osterkaninchennasenbeutler

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Wenn an Ostern Eier involviert sind, bringt sie überall der Osterhase, in Australien übernimmt diesen Job jemand anderes. Nicht nur, weil Hasen keine allzu gern gesehenen Gäste mehr sind, seit sie seit ihrer Einschleppung ins Land hin und wieder als Plagen auftreten. Der Bilby, wie die kleinen Kaninchennasenbeutler genannt werden, ist bedroht und um ihm mehr Aufmerksam zuteil werden zu lassen, löste er kurzerhand den Hasen ab. Er macht seine Sache scheinbar gut, weshalb es Schokoladenbilbies gibt und sich niemand mehr um den Kerl mit den langen Ohren schert.

6. Klingelingeling Klingelingeling, hier kommt der Eiermann

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Während so ein Bilby wenigstens eine nachvollziehbare Alternative darstellt, hat man in Frankreich eine ganz andere Geschichte auf Lager, die erklärt, woher die Eier kommen. Es beginnt am „Stillen Samstag“, an dem die Glocken aller Kirchen still stehen. Den Kindern wird erklärt, das läge daran, dass alle Glocken aus ihren Türmen getürmt seien, um in Rom den Papst zu besuchen. Bei ihrer Rückkehr verteilen sie dann Ostereier und Süßigkeiten. Alles klar.

7. Eiswasser und Peitsche

eiswasser

In Tschechien erinnert der Osterbrauch eher an den Valentinstag. Männer haben eine besondere Osterpeitsche (nicht, was ihr wieder denkt) und klatschen sozusagen ihre Auserkorene damit ab, die sich wiederum mit bemalten Eiern, Kleingeld oder Schnaps bedanken. Die Damen empfinden es als Schmah, wenn sie niemand „auspeitscht“, da sie dann als unbeliebt dastehen. Am nächsten Morgen sind die Frauen dran und schütten ihrem Schwarm Eiswasser ins Gesicht. Am Ende des Tages sind wahrscheinlich alle durchgeweicht und betrunken und haben die gefundenen Eier alle wieder verloren.

8. Kreuzigung spielen

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Indonesien wurde im 16. Jahrhundert von belgischen und portugiesischen Missionaren sehr christlich geprägt und sie nehmen die Sache auch heute noch sehr ernst. Zu Ostern werden Christis Leidensweg und die Kreuzigung nachgestellt. Die Hauptrolle als Heiland gilt als große Ehre. Im ganzen Land werden junge Männer öffentlich an Holzkreuze gebunden, während Prozessionen Statuen der Jungfrau Maria und Jesus durch die Straßen getragen werden.
So seltsam ist das auch wieder nicht, oder wie erklären wir uns die Passionsspiele in Oberammergau?

Originally posted 2016-03-25 14:21:32.