In den Kriminalstatistiken tauchen Serienmörderinnen vergleichsweise selten auf und auch die Wikipedia-Übersicht männlicher Täter ist um einiges länger als die der Täterinnen.

Wann immer die Sprache auf Serienmorde kommt, ist es also nicht verwunderlich, dass dahinter zumeist männliche Täter vermutet werden. Auch der für Mord einschlägige Paragraf 211 Strafgesetzbuch hält es da nicht anders und legt sich auf männliche Täter fest. Beziehungsweise auf das generische Maskulinum statt des generischen Femininums oder Neutrums.

Dass Frauen nachgewiesen seltener morden als Männer, bedeutet aber nicht, dass sie dabei weniger grausam und kaltblütig vorgehen. Immerhin geht es um Mord – und der ist per se (und per definitionem) grausam.

Besonders häufig verlassen sich Serienmörderinnen bei ihren Verbrechen auf die Wirkung von Giften, die sie ihren Opfern verabreichen. Dennoch ist der Mordwerkzeugkoffer nicht ausschließlich mit Arsen, Bittermandel und Co gefüllt, wie die nachfolgenden (nicht chronologischen) Beispiele zeigen, die leider keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Serienmörderinnen: die blutroten Dunkelziffern

1. Anna Marie Hahn

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„Arsenic Anna“ via www.the-line-up.com

Anna Marie Hahn hält einen ganz besonderen Rekord: In der Geschichte Ohios ist sie die erste Frau, die auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, nachdem sie fünf Männer mit Arsen vergiftet haben soll.

Ihre Opfer waren allesamt ältere Herren, denen Anna Marie Hahn Pflegedienste anbot, um so an deren Geld zu gelangen. Damit wollte sie in erster Linie ihre Spielsucht finanzieren, was ihr mit vorherigen Geschäftsmodellen (eigene Bäckerei und Feinkostgeschäft, Versicherungsbetrug) nicht gelang. Die Großzügigkeit der Senioren „dankte“ ihnen die 1906 geborene Mutter eines Sohnes mit Tod durch Vergiftung.

Ihren ersten Mord beging „Arsenic Anna“ 1932. Fünf Jahre (und vier Morde) später wurde sie überführt. Bis zuletzt beteuerte Hahn ihre Unschuld. Nach ihrer Hinrichtung wurde jedoch eine Aufzeichnung entdeckt, in der sie sich zu vier Tötungsdelikten bekannte.

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Anna Maria Hahn während des Prozesses via www.the-line-up.com

2. Aileen Carol Wuornos

Anzunehmen, dass die meisten mit dem Namen Aileen Carol Wuornos mehr anzufangen wissen, wird er um folgende Hinweise ergänzt: Monster, Kinofilm, oscarprämiert, Charlize Theron. Wer besagten Film über das Leben der 1956 geborenen Serienmörderin Aileen Wuornos nicht gesehen hat und auch sonst nicht mit deren Biografie vertraut ist, hier die Kurzversion:

Ihren Vater lernte sie nie kennen, da er bei ihrer Geburt wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes an einem Siebenjährigen inhaftiert wurde und später im Gefängnis Selbstmord beging. 1960 verließ die Mutter Aileen und deren ein Jahr älteren Bruder. Die Geschwister wuchsen fortan bei den Großeltern auf. Bereits als Kind wurde Aileen Wuornos von Familienmitgliedern vergewaltigt. Im Alter von 15 Jahren gebar sie einen Sohn, der das Resultat der Vergewaltigung durch ihren eigenen Bruder war. Das Kind wurde kurz nach der Geburt adoptiert. Wuornos begann, sich zu prostituieren. Erste Festnahme 1974 wegen Trunkenheit am Steuer, Ruhestörung und Schießens aus einem fahrenden Fahrzeug. In den darauffolgenden Jahren weitere Verhaftungen u.a. wegen Körperverletzung, bewaffneten Raubüberfalls, versuchten Scheckbetrugs und schweren Autodiebstahls.

Ihrer Freundin Tyria Moore, mit der sie seit 1986 zusammenlebte, gestand Wuornos 1989 ihren ersten Mord. Diesem folgten im Laufe des nächsten Jahres sechs weitere, bis sie im Januar 1991 schließlich festgenommen wurde. Ihre Freundin gab später an, ihr nicht geglaubt zu haben und unterstützte die Polizei, die während Wuornos` Untersuchungshaft Telefonate zwischen den beiden aufzeichnete. Wuornos gab an, dass die von ihr erschossenen Männer (alle zwischen 40 und 51 Jahren) sie vorher bedroht, angegriffen oder vergewaltigt hätten. Allerdings änderte sie die Angaben zu den Tathergängen mehrmals. Nach mehreren Jahren in der Todeszelle, wo sie seit 1992 saß, sagte sie aus, es sei in keinem Fall Notwehr gewesen – sie habe sie „einfach nur ausgeraubt und umgebracht“. 2002 wurde die Serienmörderin durch tödliche Injektion hingerichtet.

3. Mary Ann Cotton

SerienmörderinnenFamiliäre Bindungen waren nichts für die 1832 geborene Mary Ann Cotton, die erste Serienmörderin Großbritanniens. In einem Zeitraum von über 20 Jahren ermordete sie, deren Name später zum Synonym für Arsenvergiftungen wurde, eine Vielzahl von Familienmitgliedern – je nach Quelle ist von bis zu 21 Opfern die Rede. Hierzu zählten drei Ehemänner, elf ihrer dreizehn Kinder, zwei Stiefsöhne, ihre Mutter sowie, vARSENtlich mal außerfamiliär, ein Liebhaber. Für ihre grausamen Verbrechen wurde Mary Ann Cotton zum Tode verurteilt und im März 1873 im Bezirksgefängnis von Durham gehängt.

4. Gräfin Elisabeth Báthory

Ihrer grausamen Taten wegen bildete sich um die im Jahr 1560 geborene Elisabeth Báthory die Legende um eine „Blutgräfin“ heraus, die Vorlage für eine Vielzahl künstlerischer Bearbeitungen (Literatur, Film, Computerspiele, Musik) war. Es wird angenommen, dass die ungarische Gräfin über 600 Jungfrauen und junge Mädchen ermordet und zur Hautreinigung und Erhaltung ihrer eigenen Jugendlichkeit anschließend deren Blut getrunken oder auch darin gebadet haben soll. In den

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Burg Čachtice, Slowakei – letzte Lebensstation der Blutgräfin Elisabeth Báthory

Prozessakten heißt es, die „wegen vielfachen Mordes an Dienerinnen“ habe ihre Opfer auf ihre Burgen gelockt, um sie dort auf vielfache Weise nackt zu Tode zu foltern. Bei den Folterungen, zu denen Fesselungen, Schläge, Auspeitschungen bis zum Tode, Stiche mit Nadeln, Verbrennungen mit heißem Eisen und Wasser, Übergießen mit Wasser im Frost, brennendes Ölpapier zwischen den Zehen, Ohrfeigen und Messerstiche gehörten, wurde sie von ihrem Dienstgefolge unterstützt.

Die Gräfin selbst durfte im Prozess nie Stellung nehmen. Das Verfahren um sie stützte sich ausschließlich auf Zeugenvernehmungen und die Aussagen von Mitangeklagten, die laut Prozessunterlagen einmal freiwillig, ein weiteres Mal unter Folter erbracht wurden. Fakt ist, dass Báthory ab 1611 unter Hausarrest gestellt und in einem kleinen Zimmer auf ihrer Burg Čachtice eingemauert wurde, wo sie bis zu ihrem Tode 1614 nur durch ein kleines Loch in der Mauer Kontakt zur Außenwelt hatte.

5. Christine Laverne Falling

Gemessen an den grausamen Verbrechen, derer sie sich schuldig machte, scheint es wie ein schlechter Witz, dass Christine Laverne Fallings Geburtsname Slaughter lautet. Zwischen Februar 1980 und Juli 1982 ermordete die 1963 geborene Amerikanerin sechs Menschen: fünf ihr als Babysitterin anvertraute Kleinkinder im Alter zwischen zehn Wochen und vier Jahren und einen 77jähriger Mann, den sie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Pflegehelferin für Senioren pflegte ermordete.

Tochter eines 65jährigen Vaters und einer 16jährigen Mutter, ein Leben unterhalb der Armutsgrenze, Kindheit ohne notwendige Förderung, Korpulenz, geistige Einschränkung, Epilepsie, Unterbringung in diversen Waisenhäusern, Kompensierung aufgestauter Wut durch Tierquälerei, spätere Zwangsverheiratung, Halluzinationen, attestierte Arbeitsunfähigkeit: all das sind keine Rechtfertigungsgründe ihrer Verbrechen, sondern biografische Fakten der Serienmörderin, deren Tatmotive ebenso unklar sind, wie die wirklichen Todesursachen einiger ihrer Opfer. Offizielle Versionen lauteten unter anderem auf plötzlichen Kindstod, auf Meningitis infolge eines Schädel-Hirn-Traumas oder auch auf Myokarditis mit Todesfolge. Nur ihr Geständnis verhinderte, dass Christine Falling 1982 nicht zum Tode sondern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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Christine Falling wird zum Gericht geführt (Photo: PA Photos)
via www.lifedeathprizes.com

6. Jeanne Weber

Nicht jede französische Jeanne ist eine d`Arc. Das komplette Gegenteil einer Heiligen war beispielsweise die 1874 in Frankreich als Jeanne Moulinet geborene Jeanne Weber, die als Menschenfresserin der Goutte d`Or grausame Bekanntheit erlangte.

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Jeanne Weber – die Menschenfresserin der Goutte d`Or

Warum die vom Gericht als unheilbar geisteskrank erklärte Serienmörderin tötete, blieb ungeklärt. Fakt ist, dass sie tötete: insgesamt zehn Kinder erwürgte die schwere Alkoholikerin. Lange Zeit hegte niemand Verdacht, dass sie am Tod ihrer eigenen drei Kinder sowie ihr vorübergehend anvertrauter (darunter drei ihrer Nichten) Schuld tragen könnte. Und das, obwohl sie stets auf die gleiche Weise zu Tode kamen und Erstickungsmerkmale aufwiesen. Im Jahre 1906 stand Jeanne Weber das erste Mal vor Gericht. Die Anklage lautete auf Mord in acht Fällen. Allerdings wurde die Menschenfresserin, was als Synonym für ihre Brutalität und Rohheit zu verstehen ist wegen gutachterlich „unwissenschaftlicher“ Beobachtungen an den Leichnamen (Würgemale, verfärbte Gesichter und herausgequollene Augen) und widersprüchlicher Zeugenaussagen freigesprochen.Serienmörderinnen

Da ihr trotz des Freispruchs niemand mehr vertraute, verließ sie Mann und die Goutte d`Or, wo sie bis dahin lebte und schlug sie sich unter ihrem Mädchennamen als Landstreicherin durch. 1907 erwürgte sie ein weiteres, ihr vorübergehend zur Pflege anvertrautes Kind. Erneut wurde sie verhaftet, erneut freigesprochen, weil der Leichnam bereits zu stark verwest gewesen sei, um eine Strangulation nachweisen zu können. Wieder auf freiem Fuß, starb, Überraschung, wieder ein Junge in ihrer Gegenwart. Dies war das letzte von Weber ermordete Kind. Statt sie noch einmal vor Gericht zu stellen, wurde die Schwerverbrecherin wegen Unzurechnungsfähigkeit direkt in eine psychiatrische Anstalt in Mareville gebracht. Dort beging sie ihren letzten Mord überhaupt: nämlich den an sich selbst. Wie könnte es anders sein: in dem sie sich erwürgte.

Originally posted 2016-08-25 18:25:21.