Mal abgesehen davon, dass sich nicht immer gleich jedes Buch gekauft werden will, bei dem nur ein Bruchteil des Inhalts von Interesse ist, ist einigen der Luxus des Büchereigentums gar nicht vergönnt, weil schlichtweg das Geld für deren Anschaffung fehlt. Glücklich da, wer in den Genuss einer Bücherspende kommt, eine gut gefüllte Bücherzelle in erreichbarer Nähe weiß oder Zugang zu einer Bibliothek hat.

Ob Universalbibliothek oder wissenschaftliche: Solang die Einrichtung öffentlich ist, ist der Zutritt allen der Öffentlichkeit angehörigen Personen möglich – also allen. Wer auch immer möchte (und sich an die Hausordnung hält) kann sich innerhalb der Öffnungszeiten vor Ort durch das in doppelter Hinsicht vielseitige Angebot blättern, kann rumsitzen und andere beim Blättern beobachten oder sich bis zum Leistenbruch mit Büchern vollpacken, um sie auszuleihen und andernorts zu lesen. Das teuerste an Bibliotheken ist üblicherweise die Mahngebühr, die zu zahlen ist, wenn die Leihfrist mal wieder versehentlich um 17 Monate überschritten wurde.

Für die Nutzung der Bücherei inklusive der Ausleihe bedarf es lediglich eines Bibliotheksausweises, den üblicherweise alle bekommen, die über Namen und festen Wohnsitz verfügen. Und genau da liegt das Problem: Mangels Meldeadresse bleibt vielen der Besuch von Bibliotheken und damit auch die Ausleihe von Büchern verwehrt. Für Laura Moulton, Künstlerin, Autorin und Lehrbeauftragte in Portland, ein unhaltbarer Zustand.

Die Literradtour Portlands

via news.streetroots.org

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Dagegen zu sein ist das eine, etwas dagegen zu unternehmen das andere – und letztlich das, was hilft. So initiierte Moulton im Jahre 2011 ein Projekt namens Street Books. Dahinter verbirgt sich eine gemeinnützige Fahrradbücherei, die Menschen ohne festen Wohnsitz die Möglichkeit gibt, sich leihweise mit Literatur zu versorgen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen, fernab der Nöte des meldeadresslosen Lebens.

Dank der Unterstützung regionaler Einrichtungen und privater Spenden sind die pedalbetriebenen Bibliotheken stets gut gefüllt mit einer breiten Auswahl literarischer FahrradbüchereiGattungen und verschiedenen Autoren und Autorinnen.

„There’s a freedom that comes from kind conversations about books.“ (L. Moulton)

Zusammen mit Laura Moulton begibt sich eine Handvoll Ehrenamtlicher auf den Street Books Bibliotheksrädern durch die Straßen Portlands, um an verschiedenen Stellen ihre Pop-Up-Büchereien zu öffnen. Jede Woche können sich wohnsitzlose Bibliophile zur selben Zeit an denselben Orten leihweise mit Literatur versorgen und sie beim nächsten Mal (oder beim übernächsten … oder überübernächsten …) wieder dorthin zurückbringen.

Wer es nicht schafft, erneut an einer der Fahrradbibliotheken vorbeizukommen, ist angehalten, die Leihgaben einfach an andere (literarisch) Bedürftige weiterzugeben. Entweder bringen diese sie dann zurück oder aber die nächsten …oder die übernächsten … oder die überübernächsten …

Wohnsitzlose Literaturbedürftige gibt es genug – bislang freuten sich über 5.000 von ihnen über Street Books. Gute Sache das – WORD!

Bilder via streetbooks.org

Originally posted 2016-08-29 20:00:55.