Die Sklaverei ist offiziell abgeschafft und auch wenn der ehrenwerte Herr Beckenbauer damals in Katar keinerlei Anzeichen von Sklaverei entdecken konnte, da er nach eigenen Angaben keinen einzigen Menschen in Ketten sah, ist Ausbeutung immer noch ein weit verbreitetes Problem.

Auch wenn sich in vielen Ländern der Welt gute Ideen wie Arbeitsrechte und ein Verbot von Kinderarbeit durchsetzen konnten, werden dennoch zu oft Wege gefunden, diese großzügig auszulegen oder zu umgehen. In anderen Fällen werden sie auch schlichtweg ignoriert.
Das Spektrum reicht dabei von leichten Verletzungen dieser Richtlinien bis hin zu Praktiken, die massiv Menschenrechte einschränken. Lohndumping, Praktikanten als billige Arbeitskräfte einsetzen, Knebelverträge, die kleine Kinder in Bangladesh schließen müssen und die sie bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr binden sind nur einige der Konsequenzen eines ausschweifenden kapitalistischen Systems.

Wir in Deutschland rufen ganz gerne mal empört „Sklaverei!“, wenn uns der Chef am Freitag etwas länger im Büro behält, weil eine wichtige Sache noch vor dem Wochenende fertig werden muss oder die Erhöhung des Stundenlohns ausbleibt. Wirklich ernst gemeint ist das zwar nicht und beschweren kann sich ruhig, doch verwässert das ein wenig den Blick auf die wahrhaftig Ausgebeuteten, denen Begriffe wie Wochenende, Gleitzeit oder – in manchen Fällen – Bezahlung, völlig fremd sind.

Slavery Footprint: Wie viele Sklaven schuften für deinen Wohlstand?

Das Projekt Slavery Footprint möchte auf diese Missstände aufmerksam machen und uns bewusster machen, dass für unseren Lebensstandard Opfer gebracht werden. Da wir selbst diese Opfer nicht bringen müssen, lässt sich leicht vergessen oder auch verdrängen, dass andernorts Menschen leiden. Leiden für unsere neusten Modetrends, High-Tech Spielereien oder auch kulinarische Köstlichkeiten.

Anhand verschiedener Faktoren wird errechnet, wie viele Menschen unter ausbeuterischen Bedingungen unsere Kleidung, Elektrogeräte und Lebensmittel hergestellt haben. Wie viele Sklaven für uns arbeiten, sozusagen.

sklaverei slavery footprint

Wie viele Elektrogeräte befinden sich in eurem Besitz? Nur einer der vielen Faktoren.

Die Tatsache, dass der hier schreibende Autor vor einem Laptop voller Coltan sitzt, in in Asien produziertes Textil gehüllt ist und diesen Text verfasst, nimmt ihm jegliches Recht, den Zeigefinger zu erheben und belehrend zu werden. Dennoch sei ihm der Aufruf gestattet, sich kurz die Zeit zu nehmen, den Test zu machen und daraufhin das eigene Konsumverhalten zu reflektieren. Denn auch wenn niemand von uns eigenhändig die Peitsche schwingt, begünstigen wir durch manche Handlungsweisen die moderne Sklaverei.

„Globalisierung und Sklaverei sollten zwei unterschiedliche Sachen sein … der Mensch und der Orang-Utan sollten zwei verschiedene Affen sein.“ (Retrogott & Hulk Hodn)
Manchmal muss man ganz genau hinschauen, um die Unterschiede auszumachen.

Originally posted 2016-07-18 16:35:54.