Wer nicht im Verdacht steht, selbst Urban Legend zu sein, um den ranken sich eben dererlei Geschichten, die gern gewähltes Unterhaltungselement von so manch Stadt (-und Sekten)führer_in sind. Apropos Unterhaltung: Keine Unterhaltung ohne Japan, wo nicht nur Elektronik sondern auch Urban Legends entwickelt werden. Moment. Kommt soeben eine Eilmeldung rein: die sind gar nicht entwickelt. Die sind alle wahr!

Kushisake Onna

Bekannt als die „Frau mit dem gespaltenen Mund“ (ungleich Hasenscharte) springt Kushisake Onna der Legende nach vor durch Japans nächtliche Straßen Flanierende. Weglaufen ist nicht drin, denn natürlich kann sich die gespaltene Persönlichkeit jederzeit vor alles und alle teleportern.

Je nach Ort ihres Auftauchens könnte sie an ihrer Bekleidung (Chirurgenmaske und Trenchcoat) erkannt werden. Zugegebenermaßen wird das in ländlichen Gegenden einfacher sein als in trendsetzenden Metropolen. Spätestens jedoch durch die von ihr gestellte Frage „Bin ich schön?“ entlarvt (kchchch) sich Kushisake Onna selbst. Fiese Fangfrage, die selbstverständlich (wie immer) nur falsch beantwortet / belogen werden kann. Und zwar mit:

  • Nein – woraufhin Fr. Onnasogleich den Kopf der antwortenden Person mit einem Paar tödlich großer Scheren abschneidet (Kategorie „Ehrlichkeit schmerzt am meisten.“)
  • Ja – woraufhin Fr. Onna die Maske abnimmt, ihr von-Ohr-zu-Ohr-Lächeln entblößt und die Frage dann noch einmal stellt. Wer dann mit Nein antwortet, wird zerteilt. Wer mit Ja antwortet, kriegt das gleiche Lächeln verpasst. Fällt wohl in die Kategorie „Geteiltes Lächeln ist doppeltes.“

Kushisake-Onna

Hitobashira

Hitobashira finden sich im Urban Legend – Index auch unter M für „Menschliche Säulen“. Im alten Japan hat sich der Glauben verfestigt, dass Säulen, in die Menschen quasi als Füllmasse eingearbeitet wurden, die Konstruktionen stabiler und haltbarer machen. Natürlich nur, wenn der Opfergott mit der Gabe in Form menschlichen Baumaterials zufrieden war und sich mit entsprechender Haltbarkeit der Konstruktion revanchierte. Derart besäulten Gebäuden wird nachgesagt, dass die einst darin Verarbeiteten noch heute darin herumgeistern. Und plötzlich gewinnt so ein Urlaub auf dem Campingplatz oder auch ein Leben im Bungalow an ungeahnter Attraktivität.

Hitobashira

Teke Teke

Teke Teke ist das Geräusch, das diese Geisterfrau bei der Fortbewegung mit ihren Ellenbogen erzeugt. Für das Klak Klak oder Tipp Tipp der Füße fehlt ihr der Unterleib. Es heißt, ein Zug habe ihren Körper in zwei Hälften zerteilt, als sie in das Gleisbett der japanischen U-Bahn fiel oder reinsprang. Da ist sich die Legende etwas uneinig. (Urban Legend-)Feststeht, und das spricht wohl eher für ein Reinfallen, dass der extrem wütende Frauentorso noch heute nach Rache sucht. Wer das Pech hat, dem Turbotorso im Weg zu stehen, wird in zwei Hälften zerflogen.

Teke Teke

Aka Manto

Die einen machen aus Scheiße Gold, die Japaner der Urban Legend nach folgendes:

Aka Manto bedeutet soviel wie Roter Umhang und bezeichnet einen bösen Geist, der durch Japans Sanitäranlagen geistert. Dieser üble Spirit fragt papierlos Toilettierende vermeintlich hilfsbereit, ob sie rotes oder blaues Papier möchten. Die Legende gibt sich da unentschlossen / farbenfroh. Wer sich für das rote Papier entscheidet, wird zerstückelt, wer blau wählt, erdrosselt. Endet so oder so üblicherweise also (toi)letal.

In Legenden-Abwandlungen ist bei Wahl des roten Papieres von einem Abziehen der Haut und bei Wahl des blauen Papiers von einem Ausbluten des Körpers die Rede. Ekelhaft. Alles.

Aka Manto

Tomino`s Hell

Tomino`s Hell ist verfluchte Lyrik. Nein: keine Lyrik, über die zu fluchen wäre, sondern vielmehr um ein mit einem Fluch belegtes Gedicht, das alle tötet, die es laut lesen. Wer Glück hat, wird wohl nicht getötet, bleibt aber angeblich vom Pech verfolgt. Verfasst wurde das Gedicht von Yomota Inuhiko und handelt von einem Tomino, der stirbt und in die Hölle kommt.

Was genau ein Tomino ist? Keine Ahnung. Laut Urban Legendary Wiki könnte es ein Käse sein. Laut Bild auch. Ob der Frisur wohl schon etwas älter. Tatsächlich –  wie vermutet: Tomino`s Hell aus dem Buch „The Heart is like a Rolling Stone“ ist in Saizo Yazos 27ter Gedichtsammlung von 1919 enthalten. Da kann so ein Käse Tomino schon mal haaren.

Tomino`s Hell

Cow Head

Cow Head ist eine Story, die zu hören wohl todesgruselig sein soll. Als Beweis wird folgende Urban Legend von den Japanern angeboten:

Während eines Schulausfluges mit dem Bus begann der Lehrer, die Schulpflichtigen mit Gruselgeschichten zu unterhalten. Bei der Cow Head Geschichte angekommen, begannen die Schulkinder zu schreien und baten ihn, damit aufzuhören. Eine Bitte, welcher der sich in Trance geplauderte Lehrer nicht entsprechen konnte.

Als er sich wieder eingekriegt hatte, waren Schulkinder und Busfahrer derweil in Ohnmacht gefallen und schäumten aus dem Mund. Einige konnten nicht aufhören zu schwitzen und zu zittern und starben ein paar Tage später. Die anderen können natürlich nicht gefragt werden. Schließlich will man weder sie noch sich selbst zu Tode gruseln.

Wo doch gerade Ostern überstanden wurde.

cow head

Okiku Doll

Diese kimonotragende Doll gehörte einst einem kleinen Mädchen namens Okiku. Als Okiku erfror, besetzte ihr Geist die Doll (inklusive Namen und Kimono). Was diese im Mannenji Tempel zu bestaunende Puppe im Gegensatz zu anderen Puppen zur Urban Legend adelt, ist ihr Haarwuchs. Ungeklärt ist nämlich, wie es die einst kurzhaarige Doll zur langhaarigen schaffte. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich beim Haar um das eines jungen Kindes handeln muss – vielleicht sogar um das Okikus? Andere Wissenschaftler vermuten, dass ein Tomino eingearbeitet wurde.

Okiku Doll

The Girl from the Gap

The Girl from the Gap bezeichnet einen Geist, der in Lücken zwischen Möbeln, Türen oder Schubladen lebt. Wem das Gap-Girl das erste Mal begegnet, wird nach einer Runde Verstecken gefragt. Wen ihre Augen das zweite Mal aus einer Lücke, einem Riss, einer Ritze ansehen, kommt in die Hölle. Whatever. Mind the Gap-Girl.

the girl from the gap

Inunaki Village

Dabei handelt es sich um ein mysteriöses Dorf, das sowohl von anderen Dörfern als auch vom Land selbst isoliert ist. Ob Inunaki Village überhaupt existiert, ist nicht sicher – wird aber gern behauptet. Sonst wäre die Geschichte als Urban Legend ja auch nicht zu gebrauchen.

Eine Tafel am Ortseingang weist angeblich darauf hin, dass in Inunaki Viallge die Japanische Gesetzgebung nicht gilt.

Ehrlich gesagt, wissen wir zu wenig über die Japanische Gesetzgebung, um zu beurteilen, ob das gut oder schlecht ist. Auf jeden Fall wird den dort Lebenden eine extrem unheimliche Lebensführung nachgesagt. Inzest, Kannibalismus und Mord seien alles andere als Einzelfälle. Selbstverständlich kann weder das eigene Telefon noch andere elektronische Geräte genutzt werden. Im Ort selbst gäbe es angeblich alte Geschäfte und Münztelefone, die aber wohl auch nichts können. Von den vielen Menschen, die laut Legende nach Inunaki Village gingen, kam nie jemand zurück. Scheint also was dran zu sein ( ahahahahaha).

Inunaki Village

Kiyotaki Tunnel

444 Meter ist er lang, der legendäre Kiyotaki Tunnel, der 1927 gebaut wurde. Verfluchte 444 Meter, ist die Vier für die japanische Bevölkerung eine ähnlich verfluchte Zahl, wie die 13 für die westliche Bevölkerung. Angeblich spuken im Kiyotaki sowohl die Geister all jener Tunnelbauer, die 1927 aufgrund der vorherrschenden sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen starben als auch jene, die wegen der dort spukenden Geister sterben. Weil sie sich beim Durchfahren des Bollwerks entweder direkt tödlich erschrecken, sobald ein Tunnelbauergeist auf ihren Beifahrersitz schwebt oder –so sie sich nicht gleich zu Tode gruseln – einen tödlichen Unfall bauen.

Kiyotaki_Tunnel

Je nachdem, ob der Tunnel tags oder nachts befahren wird, kann sich dessen Länge ändern. Und wohl auch je nachdem, wer die Geschichte erzählt. Längen sind ja, ebenso wie Grusel, doch durchaus subjektiv.

muharHARHAAARHAAAAARhaaaaaarrrrrr

Originally posted 2015-04-17 11:38:28.