Nach einem sexuellen Übergriff den Kleidungsstil des Opfers zu hinterfragen oder von Frauen misshandelte Männer zu belächeln, sind typische Fälle von Victim Blaming. Also einer Täter_in-Opfer-Umkehr, die darauf abzielt, dem Opfer die Schuld (mindestens eine Armlänge Teilschuld) an der an ihm begangenen Tat zuzuschreiben.

Besonders häufig wird Victim Blaming im Zusammenhang mit Missbrauch betrieben – unabhängig davon, ob es sich um körperlichen oder seelischen handelt. Auch das, was Natascha Kampusch nach ihrer Entführung durchlebte; die gesellschaftlichen Anfeindungen, denen sie sich ausgesetzt sah, waren nichts anderes als Victim Blaming, oder auf Deutsch: das Letzte.

Katarzyna Babis, eine polnische Kunststudentin, kämpft mit Stift und Farbe gegen Victim Blaming an. Einfache Comics veranschaulichen die fiesen Fratzen der Verhöhnung, denen sich Betroffene ausgesetzt sehen, worüber Babis auf diese Weise aufklären will. Neben Victim Blaming thematisiert sie in ihren Illustrationen auch Vorurteile und mangelnde Sprachreflektion.

Wollte man der Arbeit einen Namen geben, ließe sie sich wohl am ehesten unter „Arschlochmenschen treten zu und nach“ oder auch „Reflektion ist für alle da“ zusammenfassen. Verstünde man sie als reine Victim Blaming-Aufklärungskampagne, schiene beispielsweise die Illustration eines Jungen, dem nahegelegt wird, nicht so ein Mädchen zu sein, etwas deplatziert. Auch wenn der Text die Unsinnigkeit der an den Jungen gerichteten Aufforderung erklärt, implizierte es doch, dass „Mädchen“ per se ein Synonym für Opfer wäre. Und das ist es ja glücklicherweise nicht.

So schlimm es ist, dass sich soviel „Material“ für unzählige Aufklärungskampagnen bietet, so gut und wichtig ist es, den Finger in die Wunde zu legen. Oder, wie Katarzyna Babis, eben den Stift.

Victim Blaming

Victim Blaming

Victim Blaming

Victim Blaming

Victim Blaming

Victim BlamingIllustrationen: Katarzyna Babis

Originally posted 2016-10-20 11:14:28.