Selten war die Bedeutung des Sprichwortes „Andere Länder, andere Sitten“ so passend. In Ghana ist es Tradition, sich noch zu Lebzeiten einen Sarg auszusuchen – keine schnöden einfachen Holzkiste: Bunt verzierte, detailreiche Kunstobjekte. Zugegeben auf den ersten Blick mag dies für uns befremdlich wirken, für das Volk der Ga in Ghana ist dies ein wichtiger Teil der Begräbniskultur.

Die Sargkunst in Ghana geht auf die Oberhäupter der Ga zurück. Diese haben sich in den 60er Jahren in Sänften herumtragen lassen, daraus entwickelte sich die Sarggestaltung. Die Religion und die Vorstellungen des Jenseits spielen dabei eine erhebliche Rolle. Für die Ga ist der Tod nicht das Ende. Die Verstorbenen haben einen immensen Einfluss, sie steuern die Geschicke ihrer lebenden Verwandten. Daher werden weder Kosten noch Mühe gescheut, den Übergang vom irdischen ins himmlische Königreich zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen.

Die aufwändigen Särge haben die Funktion, die Verstorbenen wohlwollend zu stimmen. Außerdem scheint auch im Reich der Toten Prunk und Protz an der Tagesordnung zu sein: Der gesellschaftliche Status im Jenseits ist eng mit der Exklusivität des Sarges verknüpft. Die Sarggestaltung ist von Symbolen vorherbestimmt. Figurensärge bilden den Beruf des Verstorbenen ab und sollen bei der weiteren Ausübung im Jenseits helfen. Ein Sarg, bestehend aus Schwert oder Stuhl, ist ein königliches oder priesterliches Kennzeichen.

Besonders in der ländlichen Region rund um Acrra (die Hauptstadt Ghanas) erfreuen sich die Särge bei der gläubigen, ländlichen Bevölkerung großer Beliebtheit und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Beerdigungskultur. So gibt es in dieser Region mehrere Ateliers, die Särge in unterschiedlichen Formen herstellen.

Die Sarghersteller werden mittlerweile sogar als Künstler angesehen.

Originally posted 2014-06-12 16:15:56.